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Schüler der Artur-Becker-Oberschule werden Eltern auf Probe

Projekt „Elternbedenkzeit“ Schüler der Artur-Becker-Oberschule werden Eltern auf Probe

Am Ende verfolgten sie „Phantomschreie“: Michelle (14) und Julia (15) kümmerten sich ein Wochenende intensiv um ihre Babys. Die erhielten sie nicht auf natürlichem Weg, sondern als Leihgabe von der Schwangerschaft- und Familienberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt für ein Aufklärungsprojekt.

Eltern auf Probe an Artur-Becker-Schule: Der kleine Liam ist einem frühgeborenen Säugling nachempfunden. Auf den Kopf muss genau wie bei einem echten Baby geachtet werden.

Quelle: Manuel Niemann

Delitzsch. Der digitale Wandel hat die Lebenswirklichkeit vieler Menschen bereits verändert. Während die Älteren noch wie gewohnt beim morgendlichen Kaffee ihre Kreiszeitung studieren, erreichen die Jüngeren ihre Nachrichten im Sekundentakt auf dem Smartphone. Die immer leistungsfähigere Technik ist dabei Segen und Fluch: Einerseits eröffnet sie neue Möglichkeiten, andererseits bringt sie neue Probleme mit sich oder intensiviert vorhandene.

Mobbing geht nach Schultag weiter

Auch im Schulalltag: So berichtet Andreas Hess, Leiter der Oberschule Delitzsch-Nord, dass Mobbing im Zeitalter sozialer Netzwerke eine neue Qualität erreicht habe: „Es trifft dieselben Leute, aus denselben willkürlichen Gründen wie früher“, beschreibt er. Eine unmodische Brille, ein unvorteilhaftes Äußeres oder Strebsamkeit – was junge Menschen in der Pubertät für ihre Altersgenossen verdächtig mache, sei ähnlich geblieben. Verändert haben sich die Schikanen und der Spott, denen sie ausgesetzt sind. Diese sind nach dem Verlassen des Schulhauses für sie nicht vorbei. Das Internet schläft nicht, es ist immer verfügbar und der Spießroutenlauf findet eine virtuelle Fortsetzung, der an jungen Psychen zehrt. Die Schule könne da nur möglichst früh ansetzen, um dem Leidensdruck Herr zu werden.

Arbeiterwohlfahrt klärt seit 10 Jahren mit chipgesteuerten Puppen auf

Auf der anderen Seite bieten die Mikroprozessoren, die nicht nur auf den Platinen immer neuer Smartphone-Generationen stecken, auch unerwartete Einsatzmöglichkeiten: So können die Freundinnen Michelle (14) und Julia (15) von der Artur-Becker-Oberschule Eltern werden, ohne schwanger gewesen zu sein. Möglich machen dies die Babysimulatoren, welche die Mitarbeiterinnen der Schwangerschafts- und Familienberatung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an die Schule mitgebracht haben. Die Puppen, die Säuglingen nachempfunden sind, sind verglichen mit dem rasanten Fortschritt bereits hochbetagt: Seit etwa zehn Jahren sind sie für das Projekt „Elternbedenkzeit“ im Einsatz. Das dient nicht nur der sexuellen Aufklärung, sondern auch der Prävention, verrät Martina Fritzsche, die Michelle und Julia ihre „Babys“ übergibt.

Mutterschaft-Testlauf für ein Wochenende

Für ein Wochenende können sie mit Liam und Kim, wie sie die beiden taufen, testen, was es bedeutet, in ihrem Alter schon ein Kind zu haben. Beide wollen später einmal Kinder haben, allerdings erst im Alter zwischen 20 und 30, sagen sie. Über das Wochenende werden sie die Bedürfnisse ihres Kinds auf Probe kennenlernen: Die Puppen sind unterschiedlich programmiert und zeichnen auf, wie mit ihnen umgegangen wird. Bedürfnisse zeigen sie so an, wie Babys es machen: Sie schreien. Wenn sie Hunger haben, melden sie sich zu Wort genau wie, wenn sie Aufmerksamkeit wollen, das Bäuchlein gebläht oder die Windel voll ist. Die Mädchen haben immer nur kurz Zeit, um zu reagieren und herauszufinden, was ihr Schützling will. Chips im Innenleben der Puppe registrieren, was sie machen. Brauchen Sie zu lange, gilt das als Vernachlässigung. Das passiert beiden letztlich je ein Mal. Martina Fritzsche ist trotzdem zufrieden, die Auswertung zeigt, zu 99 Prozent waren Michelle und Julia für die Babys da. Ernsten Schaden hätten echte Babys nicht genommen. „Es ist schwer, sie wieder abzugeben“, sagt Julia schon nach so kurzer Zeit.

Von Manuel Niemann

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