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Delitzsch Schüsse am Delitzscher Stadtpark: Polizei hat Tatverdächtigen
Region Delitzsch Schüsse am Delitzscher Stadtpark: Polizei hat Tatverdächtigen
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09:32 14.10.2016
Das Loch in der Wade der Elfjährigen stammt offenbar vom Geschoss einer Softairwaffe. Quelle: privat
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Delitzsch

Die Nachricht verbreitete sich am Donnerstag wie ein Lauffeuer: Der Delitzscher Stadtpark-Schütze ist offenbar gefasst. Die Polizei hat einen Tatverdächtigen. Erleichterung unter Passanten, die in den vergangenen Wochen mit mulmigem Gefühl durch die Grünanlage gegangen waren. Aufatmen auch bei den Geschädigten: „Ich bin froh, dass man den Täter jetzt hat“, sagte René Lüdecke, Vater der elfjährigen Shania, die im September auf dem Schulweg angeschossen worden war. „Die ganze Familie ist seit dem Vorfall mit den Nerven am Ende.“

Der Mann, der mindestens zweimal Schüsse auf Passanten abgefeuert haben soll, ist 45 Jahre alt – und wohnt nur ein paar Dutzend Meter Luftlinie entfernt. Wochenlang ermittelte die Delitzscher Kripo akribisch, um Uwe D. auf die Schliche zu kommen, zog die Kreise immer enger. Am Donnerstagmorgen dann der Zugriff: Beamte durchsuchten die Wohnung des Verdächtigen, beschlagnahmten unter anderem mehrere Softairwaffen. Auch Kugeln, die sich damit abfeuern lassen, wurden gefunden. Es sind Projektile, die zu jenen Verletzungen passen, die mindestens zwei Personen am Rande des Stadtparkes erlitten haben.

Am 19. September gegen 7.30 Uhr waren an der Erzberger-/Ecke Securiusstraße kurz hintereinander sowohl Shania als auch eine 42-Jährige angeschossen worden. Beide an der Wade. Die Kugeln hinterließen mehrere Millimeter große Löcher. Die Frau hatte die Wunde zunächst für einen heftigen Insektenstich gehalten, wurde erst durch einen LVZ-Bericht auf eine mögliche andere Ursache aufmerksam. Die Vorfälle sorgten für Aufregung. Anwohner der Securiusstraße meldeten sich bei der LVZ, berichteten über einen Mann, den sie schon mehrfach beim Schießen aus dem Fenster beobachtet hätten, insbesondere auf Vögel. Sie wollten aber anonym bleiben, aus Angst vor Repressalien.

Offenbar handelte es sich dabei um jenen 45-Jährigen, dem die Polizei jetzt das Handwerk legte. Softair-Pistolen und -Gewehre, die Feuerwaffen oft täuschend ähnlich sehen, können durch Druckluft enorme Durchschlagskraft entwickeln, sind zum Beispiel mit Kohlendioxid-Kartuschen ausgestattet. Die Polizei hat die Waffen sichergestellt, Beweise gesammelt. Entscheidend dürfte dabei gewesen sein, dass die Beamten nach intensiver Suche im Stadtpark nun offenbar auch Softair-Kugeln gefunden haben. „Die Staatsanwaltschaft wird den Fall übernehmen und über weitere Schritte entscheiden“, sagte am Donnerstag ein Sprecher der Polizeidirektion Leipzig. Der Tatverdächtige befindet sich weiter auf freiem Fuß. Eine Inhaftierung lässt sich laut Polizei aktuell nicht begründen.

Shania soll ab Montag wieder zur Schule gehen. Nur einen Tag lang sei sie seit den Schüssen im Unterricht gewesen, mehr ging nicht, sagte ihr Vater. „Sie leidet psychisch sehr, hat Angst, dass ihr das wieder passiert.“ Das Pensum an Untersuchungen und Vernehmungen – beim Arzt, beim Gerichtsmediziner, bei der Polizei – habe weiteren Stress verursacht. Um den Stadtparkeingang an der Securiusstraße wird Shania in Zukunft vermutlich einen Bogen machen.

Der Straßenzug direkt gegenüber war schon mehrfach im Visier der Polizei. Dabei ging es immer wieder um Drogen oder Diebstähle. Zu den Nachbarn des tatverdächtigen Schützen zählt auch ein 38-Jähriger, der erst vergangene Woche vom Amtsgericht Eilenburg verurteilt worden ist – wegen eines Einbruchs in den Delitzscher Jugendclub Quo vadis im Oktober 2015 mit rund 10 000 Euro Schaden. Er erhielt eine Bewährungsstrafe. Der Richter honorierte dabei, dass sich der mehrfach Vorbestrafte endlich in den stationären Drogenentzug begeben hat.

Von Kay Würker

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