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Delitzsch Schullandheim Reibitz nimmt noch vor Weihnachten Flüchtlinge auf
Region Delitzsch Schullandheim Reibitz nimmt noch vor Weihnachten Flüchtlinge auf
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Die Baracken auf dem Gelände des Schullandheims. Derzeit werden hier noch die Abwasserleitungen verlegt. Quelle: Wolfgang Sens
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Reibitz

Aus Sicht der Landkreisverwaltung werde damit auf den Plan B, aus Mangel an anderen Wohnmöglichkeiten, zurückgegriffen. Ordnungsdezernentin Angelika Stoye hatte bereits im Oktober angekündigt, diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Nordsachsen ist Eigentümer der Immobilie, sie wird vom Eigenbetrieb Bildungsstätten betrieben. Gleichzeitig hatte sie versprochen, Sporthallen oder gar Feuerwehrwachen nicht mit Flüchtlingen zu belegen. "Wir müssen trotzdem darauf vorbereitet sein, diesen Menschen Plätze anbieten zu können", sagte sie und sprach von einer Aufgabe, die nicht leichter werde. Stoye betonte ausdrücklich, dass es sich um eine Zwischenlösung handelt. Mit Beginn der neuen Saison im Schullandheim, spätestens im April, soll dort der normale Betrieb wieder laufen.

Wann die Flüchtlinge die Räumlichkeiten beziehen, steht derzeit noch nicht definitiv fest. Landkreissprecher Rayk Bergner geht davon aus, dass es in den nächsten drei Wochen erfolgt. "Mit großer Wahrscheinlichkeit noch vor Weihnachten, ganz sicher noch in diesem Jahr." Auch über die Anzahl der jungen Männer gibt es noch keine genauen Angaben. Auch hier hat die Verwaltung zunächst nur eine Eckgröße von 102. Sollte die Zahl tatsächlich erreicht werden, ist das Schullandheim über seine Kapazitätsgrenze hinaus belegt. Momentan stehen 90 Betten, zumeist als Doppelstockbetten, in elf Schlafräumen mit unterschiedlicher Belegung in sechs Bungalows zur Verfügung. Zusätzlich könnten die drei Unterrichtsräume noch mit Betten ausgestattet werden. Ein großer Mehrzweckraum dient als Speiseraum. Dort können allerdings nur 70 Personen gleichzeitig versorgt werden. Eine große Küche mit zahlreichen Kochmöglichkeiten gibt es auf dem etwa sieben Hektar großen Gelände ebenso wie ein Sanitärgebäude mit Toiletten und separaten Duschräumen.

Allerdings wird im Schullandheim Reibitz derzeit auch kräftig gebaut. Eine neue Abwasserentsorgungsanlage wird errichtet. Sie findet dort Platz, wo vorher die Holzhütte für die Korbflechterei stand. Sie war unbeheizt und mit den Jahren auch baufällig geworden. Die Arbeiten sind weit vorangeschritten, sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden, wie Dorothee von Gynz-Rekowski, Leiterin Eigenbetrieb Bildungsstätten des Landkreises, auf Nachfrage informierte. Auch an der Trinkwasserversorgung wird gearbeitet. Die Leitungen sollen bis an die Bungalows herangeführt werden, um sie dann perspektivisch in die Bungalows zu legen. "Mittelfristig sollen die Bungalows Sanitärzellen erhalten", erklärte die Leiterin des Eigenbetriebes. Für diese Arbeiten im Umfang von rund 250.000 Euro bekam der Landkreis Fördermitteln.

Das Schullandheim liegt etwa einen Kilometer abseits vom 300-Seelen-Dorf und ist an den Linienbusverkehr angeschlossen.

Ditmar Wohlgemuth

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