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Delitzsch Schwarzfahrer droht Gefängnisstrafe
Region Delitzsch Schwarzfahrer droht Gefängnisstrafe
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10:21 01.03.2018
Das Eilenburger Amtsgericht. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

„Haben Sie denn jetzt Geld, um sich eine Fahrkarte zu kaufen“, fragte Amtsrichterin Petra Wendtland nicht von ungefähr Ali S. A. kurz bevor er den Gerichtssaal in Eilenburg verließ. Der Libanese war unter anderem wegen des Erschleichens von Leistungen angeklagt. Kurzum: Er ist mehrfach schwarzgefahren und wurde dabei erwischt. Allerdings brachte der erste Verhandlungstag wenig Substanzielles zu Tage. Der Angeklagte, der nur Arabisch spricht und auf einem Übersetzer angewiesen war, räumte die Taten allesamt ein. Sie bezogen sich auf die Jahre 2016 und 2017. Entstanden ist dabei ein geringer Schaden. Hinzu kam allerdings noch die Anklage wegen Diebstahls. Im August 2017 soll er bei Rossmann in Delitzsch einen Rasierer im Wert von 29,90 Euro gestohlen haben.

Flüchtling darf nicht arbeiten

Ali S. A. gestand, einen Fehler gemacht zu haben. Doch er habe es nicht vorsätzlich getan. „Wenn ich Geld gehabt hätte, hätte ich auch bezahlt“, sagte er. Was dann folgte, ist schwer zu überprüfen, klang aber nicht wenig dramatisch. Er habe 320 Euro im Monat zur Verfügung. Das reiche nicht einmal, um sich zu verpflegen. Zur Verhandlung sei er gekommen, ohne vorher etwas gegessen zu haben. Gern würde der gelernte Schmied auch arbeiten, um nicht auf Sozialleistungen angewiesen zu sein. Er dürfe es aber nicht. Mit seinem Flüchtlingsstatus „geduldet“ sei ihm das verboten. Zudem fühle er sich im Flüchtlingsheim im Delitzscher Stadtforst „wie im Gefängnis“. Der Ort habe ihn krank gemacht, deshalb sei er so oft es geht unterwegs, um nicht dort zu sein. „Er ist kein schlechter Mensch. Nur die Umstände seien so, dass er so handeln muss“, übersetzte der Dolmetscher die Aussage von Ali S. A. Bis dahin war man als Außenstehender geneigt, dem Angeklagten all das abzunehmen.

Neue Straftat in der Bewährungszeit

Doch dann stieg Richterin Wendtland etwas tiefer in die Materie ein und zeichnet ein gar nicht mehr so bedauernswertes Bild vom Angeklagten, der nach eigenen Angaben bereits seit acht Jahren in Delitzsch ist. Vom Landgericht Berlin wurde Ali S. A. 2014 wegen Beihilfe zum bandenmäßigen Erwerb von Betäubungsmitteln in acht Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monate verurteilt. Weil eine weitere Anklage hinzukam, erhöhte sie sich auf ein Jahr und acht Monate. „Die Bewährungszeit läuft noch bis zum 17. September 2018“, teilte die Richterin energisch mit.

Mit Diebstahl Drogenkonsum finanziert?

Im November vergangenen Jahres wurde der Libanese vom Amtsgericht Leipzig wegen Diebstahls in drei Fällen zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt. Die Geldstrafe ist noch nicht abgegolten. Etwa 117 Euro muss Ali S.A. bereits jeden Monat als Strafe für seine Vergehen zahlen.

Richterin Wendtland vermutete, dass die Diebstahlshandlungen der Finanzierung des Drogenkonsums von Ali S. A. dienten. Er sei nach eigenen Angaben auf Heroin.

Rechtlicher Beistand

Eine weitere Anklage ist bereits geschrieben. Demnach soll er sich erneut wegen Diebstahls und wegen des unerlaubten Aufenthaltes verantworten.

Aus all dem schlussfolgerte die Amtsrichterin, dass dem Angeklagten bei einer erneuten Verurteilung offenbar eine Freiheitsstrafe bevorsteht. Ob dann eine Bewährungszeit noch möglich ist, scheint zweifelhaft. Weil aber eine Freiheitsstrafe im Raum steht, müsse der Angeklagte rechtsanwaltlich vertreten sein. Petra Wendtland ordnete dies an und unterbrach die Hauptverhandlung.

Von Ditmar Wohlgemuth

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