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Schwieriges Wetter – fällt die Ernte in Nordsachsen ins Wasser?

Landwirtschaft Schwieriges Wetter – fällt die Ernte in Nordsachsen ins Wasser?

Starkregen, danach wieder sehr heiße Tage: Der diesjährige Sommer zeichnet sich nicht durch Beständigkeit aus. Ist das für die nordsächsischen Landwirte ein Problem? Wir hörten uns in einigen Betrieben um.

Erntemaschinen gehören wie hier bei einem Rapsfeld bei Lissa zum gewohnten Anblick auf den Feldern.

Quelle: Manuel Niemann

Nordsachsen. Früh morgens ist das Erste der Blick auf die Wetterkarte und abends das Letzte, so beschreibt Tilo Bischoff, wie er die Tage in der Erntezeit beginnt und beendet. Bischoff ist Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Hohenprießnitz in Zschepplin, steht aber auch dem Regionalbauernverband „Hermann Schulze-Delitzsch“ vor. Er weiß: „Auf‘s Wetter können wir ja keinen Einfluss nehmen.“

Wetterkapriolen

2016 war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) das wärmste Jahr seit Beginn der Auswertungen und übertraf damit noch einmal die Rekordjahre 2015 und 2014. Drei Rekordjahre in Folge wurden seit Beginn der Wetteraufzeichnung noch nie registriert. Auch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) warnt in einer aktuellen Kampagne, dass die Hitzebelastung ansteigen wird, gelinge es nicht, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Für einen Ballungsraum wie Berlin sagt das WMO-Szenario für das Jahr 2100 eine Erwärmung von durchschnittlich 6 Grad voraus. Einher gehen sollen diese mit Starkregenereignissen und extremen Gewittern.

Feuchtes Klima für Mais und Rüben gut

Einen Eindruck, wie sich die Zukunft darstellen könnte, liefert der diesjährige Sommer im Kleinen bereits: Starkregen brachte nicht nur die Berliner Kanalisation an ihre Grenzen, es regnete auch an einigen Stellen in Nordsachsen ungewohnt ergiebig. Das Wetter hat auf die Landwirtschaft Einfluss: Wann das Getreide von den Feldern eingeholt wird, darüber entscheidet auch die Wetterlage mit. Die Zeit, in der es trocken ist, so Tilo Bischoff, müsse genutzt werden. Sei es wechselhaft wie zuletzt, verzögere sich das eine oder andere eben nach hinten. Dadurch erwarte er aber bislang noch keine großen Ausfälle. Andererseits, wo nicht vorwiegend Getreidefrüchte angebaut werden, sondern Zuckerrüben oder auch Mais sei ein eher feuchteres Klima bisweilen sogar vorteilhaft.

Klaus Persdorf, Vorstand im Doberschützer Agrargut Wöllnau, bestätigt dies nur bedingt: Erst am vergangenen Montag verursachte eine Regenfront bei ihm im Betrieb Schäden. Starkregen und Hagel, die sie in Sprotta in diesem Jahr bereits hatten, setzten Triticale, einem Getreide, aber auch Mais und Raps zu, die derzeit geerntet werden. Hingegen: „Die Wintergerste, die im Juni geerntet wurde, lieferte nur einen geringen Ertrag.“ Das lag an der Trockenheit, bevor die Regenpause einsetzte, so Persdorf.

Schwankungen gab es schon immer

Die Witterung in diesem Jahr scheint unbeständiger – etwa mit einem trockenen Mai und Regengüssen jetzt im Juli – den prognostizierten Klimawandel sieht Regionalbauernverbandschef Bischoff dahinter aber noch nicht am Werk: „Der sollte ja in die andere Richtung gehen.“ Stattdessen vertraut er auf die Erfahrung älterer Leute, die meinten, solcherlei Schwankungen in die eine oder andere Richtung habe es immer schon gegeben.

Ähnlich entspannt sieht es auch Gerhard Holschowsky, Geschäftsführer der Landhandels GmbH Glesien. Seit dem 19. Juli laufen auch hier die Erntearbeiten von Raps und Erbsen, und diese ganz nach Plan. Statt Wetterkapriolen verkraften zu müssen, bewege sich auf den Feldern alles im Normalbereich. Niederschlag von 40 Millimetern hatten sie zwar auch in Glesien, aber ohne dass Schäden entstanden seien. „Ich hoffe, das bleibt auch bei den schon wieder angekündigten Gewittern so.“ Ein Regenschauer bedeute immer eine Unterbrechung von zwei Tagen. Das es die mitunter gebe, sei normal, meint Holschowsky, und dafür stehe nun der Mais hoch.

Bauern wünschen sich Sonne

„Am Mittwoch haben wir den ersten Raps gedroschen, mit den Gräsern und der Gerste sind wir fertig“, schildert Ernst Bößneck vom Heidegut Dahlen den Stand der Ernte. Sonnenschein ohne Unterbrechung durch Regenschauer wäre jetzt wünschenswert, da käme man mit der Ernte gut voran. Aber mit Wetter-Wünschen ist das so eine Sache.

„Die extreme Mai-Kälte, die vor allem den Obstbaubetrieben schwer zu schaffen machte, ging auch an den Landwirten nicht spurlos vorbei“, erläutert Ernst Bößneck. In dieser Zeit entscheide sich, wie hoch die Erträge bei Getreide ausfallen – da seien solche niedrigen Temperaturen nicht förderlich. Ungünstig sei für den Raps das fehlende Wasser im Juni gewesen. „Gerade beim Raps haben wir zwar schöne Bestände, aber nur kleine Körner“, beschreibt Ernst Bößneck die Auswirkungen des Wetters. Allerdings seien diese Körner von hoher Qualität. Gleiches lasse sich von den Gräsern und der Gerste sagen, von denen im Dahlener Agrarunternehmen Saatgut erzeugt wird. Beides sei in guter Qualität aufgearbeitet worden und könne nun für den Handel und den Export bereitgestellt werden.

„Insgesamt haben wir eine mittlere, normale Ernte“, lautet das Fazit von Ernst Bößneck. Das sehe allerdings von Ort zu Ort durchaus unterschiedlich aus. Durch Hagelschlag habe das Heidegut zum Beispiel im Bereich Schöna (bei Oschatz) und Olganitz Ernteausfälle von 80 bis 90 Prozent hinnehmen müssen.

Von Manuel Niemann und Axel Kaminski

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