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See erinnert an devastierten Ort Grabschütz

Bergbaufolgelandschaft See erinnert an devastierten Ort Grabschütz

Der Grabschützer See bei Zwochau ist Kernraum des europäischen Vorgelschutzgebietes „Agrarraum und Bergbaufolgelandschaft bei Delitzsch“. Seine Nutzung ist auf das Naturleben ausgerichtet. Ein Lehrpfad führt um den See. Dort erfährt der Wanderer auch etwas über die Orte, die den Kohlebaggern weichen mussten.

Der Grabschützer See gehört zum Vogelschutzgebiet Agrarraum- und Bergbaufolgelanschaft bei Delitzsch.

Quelle: Thomas Steingen

Zwochau. In der Bergbaufolgelandschaft sind nördlich und südlich von Delitzsch mehrere Seen entstanden, die sich in ihrer Nutzung aber stark unterscheiden. Im Zuge der Umsetzung des Besucherlenkungskonzeptes für die Bergbaufolgelandschaft im Delitzscher Land sind an den Seen Informationstafeln aufgesellt worden, die Aufschluss über Geschichte, Landschaft, Tourismus und Naturschutz geben. In einer kleinen Serie stellt die LVZ die einzelnen Seen vor.

Ein verschwundener Ort lebt weiter

Im Westteil des Sanierungsgebietes Delitzsch-Südwest ist in Nachbarschaft des Zwochauer und Werbeliner Sees der Grabschützer See entstanden. In ihm lebt der Name der devastierten Ortschaft Grabschütz weiter. Bei der Gestaltung des Sees wurde ein rund 120 Hektar großer Ausschnitt der ehemaligen Abraumförderbrückenkippe mit ihrer typischen Rippenstruktur von konventionellen Sanierungsmaßnahmen ausgenommen. Damit blieben dort Kleingewässer, Inselstrukturen und Steiluferpartien erhalten. Diese haben sich zu Lebensräumen für zahlreiche geschützte Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Bedingt durch den Grundwasseranstieg unterliegt der See stetigen Veränderungen. 2022 soll er seine Endwasserspiegelhöhe von 99,2 Meter über null erreichen und ein Volumen von 4,3 Millionen Kubikmeter haben. Berechnet wurden für den See eine mittlere Tiefe von 3,5 Metern und eine Maximaltiefe von 31 Metern. Während das Kerngebiet des Sees unzugänglich ist, bietet das Umfeld an mehreren Stellen gute Blicke auf das Gewässer.

Die Natur erkunden

Der See ist ein Kernraum des europäischen Vogelschutzgebietes „Agrarraum und Bergbaufolgelandschaft bei Delitzsch“. Erholungsangebote konzentrieren sich auf das Naturleben. Aufgrund des Vogelschutzes sind weitere Formen nicht möglich. Auf einem rund sieben Kilometer langen Naturlehrpfad kann der Grabschützer See umrundet werden. Entlang des Naturpfades erhält der Wanderer auf 17 Tafeln Informationen über das Schutzgebiet und die vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Einige Stationen laden zum Mitmachen ein. So sind typische Geräuche von Tieren, die am See leben, zu hören. Im nördlichen Bereich des Sees können schottische Hochlandrinder beobachtet werden, die dort seit 2006 weiden. Nach jetzigem Kenntnisstand plant die Landesstiftung eine Erweiterung der Weideflächen, sodass einige Stationen des Naturlehrpfades auf der östlichen Seite des Sees auf den parallel verlaufenden Asphaltweg verlegt werden könnten.

In diesem Bereich ist im Winterhalbjahr eine Informationstafel aufgestellt worden. Sie erinnert daran, dass sich zwischen dem Grabschützer und Werbeliner See einst der Ort Kattersnaundorf befand. Im Jahr 1981 musste das Dorf als erster von drei Orten den Baggern des Tagebaus Delitzsch-Südwest weichen. Die 185 betroffenen Einwohner wurden ins Neubaugebiet Delitzsch-Nord, nach Rackwitz und Gertitz umgesiedelt.

Von Thomas Steingen

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