Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Seelhausen: Suche bis auf den Grund wird immer schwerer
Region Delitzsch Seelhausen: Suche bis auf den Grund wird immer schwerer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:44 06.06.2016
Auch die Gruppenbilder werden kleiner, immer weniger Ex-Seelhausener gibt es, viele sind zu alt für die Treffen. Quelle: Christine Jacob
Anzeige
Sausedlitz

Mechthild Rofalski und Christine Schiemann wollen es wissen. Möglichst genau. Sie wollen wissen, was in Seelhausen früher war. Wer ist auf den alten Fotos zu sehen? Wer lebte in dem Dorf? Wie sah der Alltag aus? Wo befand sich welche wichtige Stelle? Sie wollen dem Dorf, das heute auf dem Grund des Seelhausener Sees liegt, selbst auf den Grund gehen. Ewig Zeit haben sie nicht mehr, die Erinnerung stirbt langsam aus.

Zum dritten Mal seit der Premiere 2012 hatten die Landfrauen in Sausedlitz, das dem Dorftod durch Kohle im Gegensatz zu Seelhausen einst noch von der Schippe gesprungen war, am Wochenende ein Treffen der ehemaligen Seelhausener organisiert. Kamen zum ersten Treffen noch um die 80 ehemalige Seelhausener in das Nachbardorf, das damals als es nur um Kohle ging mehr Glück hatte, waren es jetzt um die 40. Logisch, die betroffene Generation wird älter. Die Sausedlitzer wollen die Erinnerung aber wach halten und das verschwundene Dorf möglichst gut untersuchen, so auch der Generation nach der Kohle wertvolles Wissen hinterlassen. Und sie wollen denen, die ihre Heimat verloren haben und nicht das Glück der Sausedlitzer hatten, wenigstens ein bisschen was zurückgeben. Eine möglichst genaue Chronik zum Beispiel.

1987 verschwand Seelhausen

1987 verschwand das 1404 erstmals urkundlich erwähnte Seelhausen von der Landkarte. Und mit ihm Erinnerungen. Und alte Traditionen, altes Handwerk. Einen Bierhandel, eine Schmiede, eine Mühle und sogar eine Pferdezucht gab es oder muss es früher mal in Seelhausen gegeben haben, hat Mechthild Rofalski in Archiven erstöbert. Und das bei zuletzt nur 37 Haus- und Hofstellen im Dorf. Die Sausedlitzerin möchte vor allem diesen Aspekt des Dorfes zukünftig noch stärker untersuchen. Wer weitere Erinnerungen oder Tipps hat, kann sich bei den Landfrauen Sausedlitz melden.

Ein paar sehr lebendige Erinnerungen an das Verschwundene hat Bärbel Bergmann noch. Zum Beispiel, dass der Gasthof lauschig war und die Schmiede lange in Betrieb. 1955 war die heute 67-Jährige in der Seelhausener Schule eingeschult worden. Die Kindheit für sie und ihre beiden Schwestern in Seelhausen sei eine voller Freiheiten gewesen. 1968 verließ Bärbel Bergmann das Dorf, lebte in Delitzsch, Berlin, am Bodensee und nun wieder in Leipzig. Auch wenn sie die sogenannte Devastierung nicht mehr direkt miterlebte, schmerzt der Gedanke an 1987. Tränen muss sie dann unterdrücken. „Man wird wehmütig“, gibt die Rentnerin zu. Und will weiter in ihren Erinnerungen kramen, damit etwas bleibt von Seelhausen.

Von Christine Jacob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fünf Tage lang gab es in Oschatz nur ein Thema: Die 2. Kleine Gartenschau, die am Sonntag bei herrlichem Wetter zu Ende ging. Mit geschätzten 46 000 Besuchern wurden die Erwartungen der Initiatoren erfüllt. In fünf Jahren soll es die 3. Kleine Gartenschau geben.

05.06.2016

Ein Motorradfahrer ist am Samstag kurz nach 17 Uhr auf der S 2 nahe Zwochau schwer gestürzt.

05.06.2016

Drei Anlässe gab es, gefeiert wurde in einem Ruck. Mit einer großen Party wurden am vergangenen Wochenende drei Jubiläen der Feuerwehren im Altkreis begangen. Der Delitzscher Schäfergraben wurde dazu zur Festmeile, auf der auch einige ernste Töne fielen.

05.06.2016
Anzeige