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Delitzsch Seenland: Kracht es häufiger in Delitzsch?
Region Delitzsch Seenland: Kracht es häufiger in Delitzsch?
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22:50 24.07.2015
Unwetter haben Delitzsch und Umgebung zuletzt besonders getroffen. Bleibt zu hoffen, dass es heute nicht so heftig wird wie in dieser Montage dargestellt. Montage: Wolfgang Sens Quelle: Wolfgang Sens
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DELITZSCH

Für heute sind schon wieder Warnungen vor einem heftigen Tief im Umlauf. Unwetter, so die Wahrnehmung, werden im sonst von Sonnenstunden verwöhnten Delitzsch immer heftiger - und häufiger. Doch woran liegt das? Hat sich mit den vielen neu entstandenen Seen in einstigen Tagebauen das Mikroklima verändert?

"Seen haben natürlich Einfluss auf das Wetter", bestätigt Diplom-Meteorologe Gerold Weber vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Knapp gesagt: Im Frühjahr dient ein See als Kühlfläche und man könne sogar "Gewittersterben" darüber beobachten, schildert der DWD-Experte. Im Sommer aber wird ein See zum Wärmespeicher, und auch ein Gewitter holt sich dort nochmals Kraft - eine große Wasserfläche könne ein Gewitter also durchaus befördern. Nur gab es bis vor einigen Jahren hier noch nicht solche Wasserflächen.

Am 7. Juli wurde Löbnitz besonders schwer getroffen, fielen massive Schäden unter anderem auf dem gerade im Abbau befindlichen With-Full-Force-Areal und dem Flugplatz in Roitzschjora an (wir berichteten). So stehe durchaus zu vermuten, dass das Unwetter beispielsweise über dem See in Sausedlitz noch Kraft getankt hat - denn der Untergrund beeinflusst die Intensität eines Gewitters. Das Unwetter vom 7. Juli wäre laut dem Meteorologen jedoch so oder so fatal und mit massiven Folgen ausgefallen, von einer sehr starken lokalen Beeinflussung sei in dem Fall noch nicht auszugehen. Es handelte sich an diesem Dienstagabend um eine sogenannte Superzelle. Die hatte sich schon über Hessen gebildet und zogen mit Windgeschwindigkeiten um die 140 bis 150 Kilometer pro Stunde über das Land und noch sehr viel weiter, zum Beispiel bis in die Gegend ums brandenburgische Lübben. Auch dort wurden noch heftige Spuren hinterlassen. Superzellen sind in ihrer mächtigsten Ausprägung die räumlich und zeitlich größten und gefährlichsten Gewittergebilde. Bei einer Superzelle hat das Gewitter in sich nochmals eine Rotation, die sozusagen den Motor des Unwetters darstellt. "Nur solche Gewitter sind zu so intensiven Wirkungen in der Lage", sagt Diplom-Meteorologe Gerold Weber. Als er kurz nachdem die Superzelle Löbnitz getroffen hatte, in der Gemeinde unterwegs war, habe so manches Haus ausgesehen, als habe jemand darauf geschossen. Der donnernde Hagel behinderte auch die Löscharbeiten im Kieswerk, wo es ausgerechnet an dem Tag vor Aufziehen des Sturms zum Brand gekommen war.

Im Gegensatz zur Superzelle war der Sturm am vergangenen Wochenende ein lokales Unwetter. Da solche nur fünf bis acht Kilometer breit sind, kann in der einen Gemeinde die Sonne scheinen während in der anderen kurz ein gefühlter Weltuntergang herrscht. Während zum Beispiel in Rackwitz am vergangenen Samstag eitel Sonnenschein herrschte, knallte in Delitzsch erneut der Hagel vom Himmel. Auch in der Gemeinde Schönwölkau hinterließ das Unwetter krasse Folgen, deckte ein Dach ab und warf Bäume um. Von einem "Bild der Verwüstung" spricht auch Wetterprofi Weber. Warnungen des Wetterdienstes werden jedoch für ganze Landkreise herausgegeben, da sich die Vorhersagen nicht so spezifizieren lassen, dass man sie auf vereinzelte Landstriche beziehen könnte - Nordsachsen wird dabei aufgrund seiner seltsamen Form in das Gebiet nördlich und das südlich der B 87 eingeteilt. Auch, ob sich das Mikroklima der Region Delitzsch durch die Tagebauseen tatsächlich verändert habe, lasse sich als Vermutung statistisch und wissenschaftlich noch nicht nachweisen. Es gebe immer eine natürliche Schwankungsbreite beim Wetter.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.07.2015
CHRISTINE JACOB

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