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Delitzsch Selbener Bürger ergreifen Eigeninitiative und pflanzen Obstbäume an Straße nach
Region Delitzsch Selbener Bürger ergreifen Eigeninitiative und pflanzen Obstbäume an Straße nach
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00:17 22.04.2017
An der Ortsverbindungsstraße Selben-Hohenroda haben engagierte Bürger neue Obstbäume gepflanzt. Quelle: Wolfgang Sens
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Selben

Groß war der Aufschrei, als Ende des vergangenen Jahres an der Ortsverbindungsstraße Selben-Hohenroda zwischen Selben und der Kreuzung S 4 zahlreiche Obstbäume weichen mussten. Im Ortschaftsrat wurde sofort die Forderung nach Neupflanzungen erhoben. Doch diese rückte mit den Argumenten der Stadtverwaltung gegen Nachpflanzungen in weite Ferne. Unter anderem wurde auf Eigentumsfragen hingewiesen und argumentiert, dass der Pflanzstreifen zu schmal sei, sodass bei einer Kronenentwicklung von bis zu acht Metern Beeinträchtigungen im Lichtraumprofil und ein daraus resultierender permanenter Pflegeaufwand programmiert seien. Zudem verwies die Stadt in einem Schreiben an den Ortschaftsrat darauf, dass sie nur auf eigenen Flächen Nachpflanzungen vornehmen könne.

Alte Sorten ausgewählt

Nun hat eine Gruppe engagierter Bürger um den Zschepener Landwirt Dietmar Mieth entgegen aller Widrigkeiten Fakten geschaffen und im besagten Straßenabschnitt rund 50 neue Obstbäume gepflanzt. Was vielerorts begrüßt wird.

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Dietmar Mieth aus Zschepen verfolgt seit Jahren das Schicksal von Obstbäumen an Straßenrändern. Negative wie auch positive Entwicklungen hat er fotografisch festgehalten.

Ausgewählt wurden bewusst alte Sorten wie Nordhäuser Winterforelle, Kaiser Alexander, Landsberger Renette oder Kornapfel, die nachgewiesenermaßen an solchen Standorten gedeihen und gute Früchte tragen, wie Dietmar Mieth erklärt. Und dass die im Dezember gefällten Bäume noch gesunde Früchte trugen, diesen Beweis kann der Landwirt praktisch erbringen, denn er hat sehr schmackhafte Äpfel von ihnen noch auf Lager. Diese seien, wie er betont, ohne den Einsatz von Pestiziden gereift. Auch das Argument, dass diese Bäume eine Gefahr für den Straßenverkehr waren, weil sie zu nah an der Fahrbahn standen, entkräftet er: „Es ist kein Unfall bekannt, bei dem ein Auto gegen einen dieser Bäume geprallt ist.“ Deshalb schmerzt es ihn, dass solche Eingriffe die Kulturlandschaft verschandeln und dass Obstbaumallee wie entlang der Langen Straße in Selben schwinden. Mieth fordert ein prinzipielles Umdenken in der Gesellschaft im Umgang mit der Natur und kann nicht akzeptieren, dass, wenn es um den Lebensraum Natur geht, über Eigentumsverhältnisse und Paragrafen diskutiert wird. „Unsere Vorfahren haben nie vergessen Bäume nachzupflanzen. Das müssen wir auch tun und wieder lernen, sie richtig zu pflegen“, so der Landwirt. Das bezieht er auch auf seine Berufskollegen, die wirtschaftliche Interessen über die Natur stellen und Bäumen am Feldrand nicht genügend Lebensraum lassen. Für die 50 neu gepflanzten Obstbäume bieten er und seine Mitstreiter der Stadt Delitzsch eine 20-jährige Pflegepatenschaft einschließlich der Straßenmahd an und hoffen mit ihrer Aktion eine Art Initialzündung auslösen zu können.

Mit festem Willen etwas bewegen

Für Veronika Leißner vom Landschaftspflegeverband (LPV) Nordwestsachsen ist die Initiative ein wichtiges Zeichen. Auch der LPV müht sich, Bäume an die Straßen zu bekommen, denn „Baumalleen bringen Struktur in die Landschaft“, so Leißner. Sie kennt aber auch die Schwierigkeit, das in der Praxis zu bewerkstelligen, weil viele Interessen aufeinanderstoßen. Letztlich sei die Politik gefragt, um Bedingungen zu schaffen, dass Landwirte vielschichtig leben und damit überleben können. Das bürgerliche Engagement in Selben bezeichnet sie als eine Reaktion, die beweise, dass mit festem Willen etwas bewegt werden kann, ohne stur auf Gesetze und Paragrafen zu schauen.

„Baumalleen finde ich gut und schön und auch Eigeninitiative der Bürger begrüße ich“, sagt der Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Letztere müsse jedoch abgestimmt werden. Wegen der komplizierten Interessenslage rund um die Straßenbäume würde er es begrüßen, wenn der Landschaftspflegeverband mit ins Boot geholt würde. Gemeinsam mit den Beteiligten sollte dieser um Lösungen ringen, die alle Seiten gerecht würden, so Wilde. Diesbezüglich hat er sich mit einem Schreiben an den LPV gewandt.

Von Thomas Steingen

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