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Delitzsch Selbstvertrauen und blaue Flecke
Region Delitzsch Selbstvertrauen und blaue Flecke
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11:16 25.06.2012
Internationales Sommercamp in Rackwitz: Traditioneller Kampfsport dient nur der Verteidigung Quelle: Thomas Jentzsch
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Rackwitz

Der 35-Jährige lehrt den bislang nur in seiner Familie weitergereichten Stil der Selbstverteidigung (Bela Diri) erst seit wenigen Jahren. In Rackwitz traf er auf 29 gelehrige Schüler, die selbst aus Hongkong und Südafrika zu diesem Kurs anreisten. Der Rackwitzer Carsten Schäufler und der mittlerweile in Deutschland lebende Amerikaner Grunt Martin sind begeisterte Anhänger der von Maul Mornie gelehrten Techniken zur Selbstverteidigung. Mittlerweile gehören sie der internationalen Trainingsgruppe an, die ihrem in Burnei gebürtigen Lehrer Mornie fast zu jedem Lehrgang in Deutschland folgen. So viele gab es davon allerdings noch nicht. Um so stolzer sind sie nun, den Mann mit den schier unerschöpflichen Fundus an Techniken nach Nordsachsen geholt zu haben. Trainiert wurde an drei Tagen.

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Obwohl der Kurs auch für Leute ohne Vorkenntnisse ausgeschrieben war, blieben die Männer, die teils seit Jahren SSBD trainieren oder in anderen Kampfsportarten zu Hause sind, unter sich. Unter ihnen waren junge Leute, aber auch ältere, scheinbar durchtrainiert, aber auch solche mit einem normalen Körperbau. Beamte, Lehramts-Studenten, aber auch ITManager, Mechaniker und Kaufleute. Einer besonderen Kleiderordnung bedurfte es nicht. Zumeist wurde schwarz und luftig getragen. „Es geht nicht primär um Kraft oder Schnelligkeit“, erklärte Maul Mornie. Auf das Timing komme es an und auf das Nutzen der Kenntnisse über die sogenannte Körpermechanik. „Das Herzstück von SSBD ist die Beinarbeit“, sagte Lehrer Mornie, der mitunter hochachtungsvoll auch als Guru der Kampfkunst betitelt wird, dies aber nicht so gern hören will. Was er von seinen Schülern, die ihm teils in Gewicht und Körpergröße überlegen sind, abverlangte, demonstriert er in beeindruckender Form und wehrte in Sekundenschnelle inszenierte Angriffe, die mit und ohne Waffe vortragen wurden, ab. „Alles, was ich hier zeige, dient ausschließlich der Selbstverteidigung“, betonte Mornie immer wieder, der in jüngster Zeit auch von Militär- und Polizeieinheiten in der ganzen Welt für den Unterricht angeheuert wird.

Die Methodik ist relativ simpel. Vorführen, erklären und üben. Üben, bis die Bewegungsabläufe sitzen und nicht überlegt werden muss, wie was passiert. Die Techniken basieren, so nennt es Mornie, auf dem Gedächtnis der Muskeln und nicht auf den Erinnerungen des Gehirns. „Es ist nicht unser erster Kurs“, verrieten Thorsten Knopf (38) und Tobias Adams (23) aus dem Hundsrück. Drei Tage seien anstrengend, aber „unerhört ergiebig“. „Wir nehmen jede Menge Selbstvertrauen mit“, erklärten die beiden. Nein, anwenden mussten sie ihre Kampfkünste bislang nicht. Angreifer hätten es wohl auch sehr schwer. So sah es auch Mariusz Chalarowitsch (31) aus Berlin. Das intensive Training hinterließ bei ihm nicht nur blaue Flecken. „Die gehören dazu“, sagte er. Aber sehr viele neue Anregungen nimmt er mit, um sie dann mit seinem Meister in einer Kampfsportschule weiterzugeben. Etwas geheimnisvoll tat Andreas (37) aus Heilbronn. Seinen Familiennamen behielt er für sich. Der Karatekämpfer spürte bei sich deutliche Fortschritte im SSBD. Hoch lobte Maul Mornie den Fleiß seiner Schützlinge. Nur danach werde jeder in der Gruppe bewertet. „Wer ausdauernd, geduldig und fleißig trainiert, wird Erfolg haben und in der SSBD-Familie anerkannt sein“, verriet der Lehrer

DREI FRAGEN AN … Maul Mornie, Kampfkunstlehrer, SSBD-Stil Was unterscheidet Silat Suffian Bela Deri von anderen Kampfkunststilen? Dieser Stil hat einen historischen Hintergrund und ist entstanden, als Brunei von Aggressoren besetzt wurde und sich die Bevölkerung dagegen wehrte. Weil die Aggressoren mit Waffen kamen, mussten sich auch die Einheimischen mit Waffen verteidigen. Sie nahmen dazu Macheten, Messer, Karabits und anderes. Deshalb unterrichte ich auch die Verteidigung mit Waffen. Im Vordergrund steht aber Kuntau, der Kampf mit leeren Händen. Der Stil ist traditionell, vielleicht nicht so modern, wie andere, aber sehr effektiv, gut zu erlernen, auch von Leuten ohne Erfahrungen. Warum ist der Stil des SSBD erst seit jüngster Zeit bekannt?

Erst seit etwa 2005 hat sich meine Familie dazu bereit erklärt, den Stil, der über Generationen weitergereicht wurde, auch der Öffentlichkeit zu zeigen. Ich habe ihn von meinem Großvater erlernt, teils sechs Stunden am Tag trainieren müssen. Zum anderen konnten wir uns nicht vorstellen, dass unsere Selbstverteidigungstechniken überhaupt gefragt sind. Es gibt schließlich auch jede Menge andere. Bekannte von mir hatten sich zunächst Privatstunden erbeten, die ich gern gab. Daraus wurde ein Video, das schließlich bei Youtube (www. youtube.com/maul565) landete. 2007 gab es ein erstes Sommercamp in Italien, an dem 16 renommierte Trainer teilnahmen. Drei von Ihnen sind auch diesmal wieder in Rackwitz dabei – Kai aus Hongkong und Hans aus Südafrika. Wahrscheinlich war das der Beginn einer unglaublichen Entwicklung. Seitdem reißen die Seminaranfragen kaum mehr ab. In der ganzen Welt wollen die Menschen mehr über SSBD wissen. Verraten Sie etwas Persönliches von sich? Seit Januar 2012 bin ich verheiratet. Ich habe eine sehr verständnisvolle Frau, denn ich reise um die ganze Welt, bin kaum zu Hause. Mittlerweile wohne ich in Cardiff (Wales). Vom Beruf bin ich Maschinenbauingenieur. SSBD zu unterrichten, ist derzeit meine Hauptbeschäftigung.

Ditmar Wohlgemuth

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