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Sinkende Zahlungsmoral: Delitzsch rechnet mit mehr Mahngebühren

Sinkende Zahlungsmoral: Delitzsch rechnet mit mehr Mahngebühren

Immer mehr Menschen in Delitzsch schleppen Schulden mit sich. Die Ursachen sind vielfältig: Arbeitslosigkeit bei laufenden Krediten, Trennungen, Krankheit, aber auch falsches Konsumverhalten.

Delitzsch. Und mitunter ist es eine Einstellungssache. "So mancher nutzt das vor wenigen Jahren eingeführte Pfändungsschutzkonto, um die unbezahlten Rechnungen auszublenden", stellt Schuldnerberaterin Sylvia Roitzsch fest. Die Zahl derer, die hinterm P-Konto Deckung suchen, habe spürbar zugenommen. "Es gibt in der Stadt einige Schuldner, die durchaus zahlen könnten, aber einfach nicht wollen", konstatiert Delitzschs Kämmerer Michael Schmiech.

Stadt- und Landkreisverwaltung zählen in der Regel zu den Gekniffenen, wenn Einwohner in den roten Zahlen sind. Die öffentliche Kasse wartet vergebens auf Steuer- und Gebührenzahlungen. Laut Kämmerer bleibe dann häufig die Hundesteuer aus, aber auch der Elternbeitrag für die Kita oder Straßenreinigungsgebühren. In selteneren Fällen würden Grund- oder Gewerbesteuern nicht überwiesen. Sehr stark schlagen sich auch Verkehrssünder nieder, die nicht büßen wollen. Immerhin rechnet die Stadtverwaltung pro Jahr mit rund 140 000 Euro Bußgeld-Einnahmen.

Michael Schmiech spricht von einer Verschlechterung der Zahlungsmoral. Und hat darauf reagiert. In diesem Jahr kalkuliert er mit einem deutlichen Anstieg der sogenannten Beitreibungsmaßnahmen, was sich im städtischen Haushalt in höheren Mahngebühr-Erwartungen, aber auch höheren Gerichtskosten niederschlägt. In Delitzschs Finanzplan bis 2019 wird mit jährlich 14 000 Euro Mahngebühren gerechnet. Wer hingegen zahlungswillig ist und bereit, die eigenen Schulden abzubauen, stößt bei der Stadt auf offene Ohren. "Es gibt durchaus viele Schuldner, die ihren Verpflichtungen über Ratenzahlungs-Vereinbarungen oder Stundungen nachkommen wollen", berichtet Schmiech. Beraterin Sylvia Roitzsch bestätigt die gute Zusammenarbeit mit Rathaus und Landratsamt: "Dort werden auch Kleinst-Raten akzeptiert."

Der größte Teil derer, die die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle am Schäfergraben 5 aufsuchen, sei um Tilgung bemüht. In der Einrichtung, die von der Arbeiterwohlfahrt getragen und von Landkreis und Freistaat gefördert wird, fanden allein im März 91 Gespräche mit Schuldnern statt. Hinzu kommen die Insolvenzberatungen - als letzter Weg, wenn nichts mehr geht. Zu Gast sind allerdings auch monatlich rund 30 Personen, die nur wegen einer Bescheinigung vorbeischauen, um von der Bank ein sicheres Pfändungsschutzkonto zu bekommen. "Wir geben ihnen neben der Bescheinigung zugleich eine Beratung", schildert Sylvia Roitzsch. "Bei manchen fruchtet das, bei vielen nicht."

Die Türen am Schäfergraben sind offen - dreimal pro Woche. Das Beratungsangebot für Schuldner ist kostenlos, umfasst unter anderem eine Haushalts- und Budgetplanung, die Überprüfung der Rechtmäßigkeit von Forderungen, die Verhandlung mit Gläubigern und Unterstützung bei außergerichtlicher Einigung. Die Wartezeit auf einen Termin betrage im Schnitt zwei Wochen. Von praktikablen Lösungen profitiert letztlich auch die Stadtverwaltung: Sie muss sämtliche Beitreibungen vorfinanzieren - mit der Gefahr, auch auf diesen Kosten sitzen zu bleiben.

Die Schuldnerberatung der Awo in Delitzsch ist erreichbar unter 034202/351783.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.04.2015
Kay Würker

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