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Delitzsch So hat Nordsachsen gewählt
Region Delitzsch So hat Nordsachsen gewählt
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11:04 26.09.2017
Nordsachsen hat gewählt. Quelle: Patrick Moye
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Nordsachsen

Das gute Abschneiden der AfD in Nordsachsen hat auch viele Polit-Profis im Landkreis überrascht. Wir haben uns einmal unter anderem im Landratsamt und in den Rathäusern umgehört:

„Die AfD hat in Nordsachsen zwar nach der CDU die meisten Stimmen bekommen, die zweitstärkste Kraft in unserem Landkreis ist sie deswegen aber nicht“, kommentierte Landrat Kai Emanuel (49, parteilos) die Wahl. „In der Kommunalpolitik ist die AfD für mich nicht wahrnehmbar, auch ihr Direktkandidat kam aus Radebeul.“ Das Wahlergebnis verstehe er vielmehr als deutliches Signal an die etablierten Parteien, die Sorgen und Nöte der Bürger ernster zu nehmen. „Darum wird es jetzt darauf ankommen, aus der Wahl die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Schließlich wurde die AfD laut Meinungsforschung von den meisten nicht aus Überzeugung, sondern aus Enttäuschung gewählt.“

Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde

„Die demokratische Entscheidung ist zu respektieren“, betonte der Delitzscher Oberbürgermeister Manfred Wilde (55, parteilos). „Es sollte uns zum Überlegen anregen, in sehr vielen politischen Bereichen.“ Die Politik müsse mehr auf Ängste, Sorgen und den Willen der Bevölkerung eingehen, „da hebe ich ab auf die europäische Finanzpolitik und natürlich auch den Umgang mit der Flüchtlingsproblematik. Damit meine ich vor allem die Bundes- und Landespolitiker.“ Eine Jamaika-Koalition werde seiner Meinung nach diese Probleme nicht lösen, so der Delitzscher Stadtchef.

Bürgermeister Peter Klepel

Mit 33,5 Prozent hat die AfD in keiner anderen Gemeinde in Nordsachsen so viele Stimmen bekommen wie in Mockrehna. Bürgermeister Peter Klepel (58, parteilos) bleibt jedoch gelassen: „Ich sehe das Ergebnis sachlich. Die Bürger haben gewählt, das ist Demokratie, wir haben das zu akzeptieren. Für mich als parteiloser Bürgermeister spielt Parteipolitik keine Rolle, ich schlage mich nicht auf irgendeine Seite.“

Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar

Pragmatisch zeigte sich der Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (53, parteilos). „Der Direktkandidat unseres Landkreises, Marian Wendt, kann weiter im Sinne unserer Region in Berlin arbeiten, darüber freue ich mich persönlich sehr“, teilte er mit Blick auf Wahlsieger Wendt mit. Und weiter: „Ich danke den vielen ehrenamtlichen Wahlhelfern, die sich für den ordnungsgemäßen Ablauf der Wahl engagiert haben.“

Eilenburger Oberbürgermeister Ralf Scheler

„Der Wähler straft entweder Sachpolitik gnadenlos ab oder er belohnt sie. Jetzt kann sich jeder ausmalen, was zutreffend ist“, erklärte der Eilenburger Oberbürgermeister Ralf Scheler (53, parteilos).  „Viele Dinge sind in den letzten Jahren nicht so gelaufen, wie sie hätte die Sachpolitik anpacken müssen.“ Jetzt hätte die Politik die Quittung bekommen, so der Stadtchef.

Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke

Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke (57, Freie Wählervereinigung Mügeln) sagte, er sei traurig, „dass den demokratischen Parteien das Vertrauen weggenommen wurde. Wahrscheinlich ist die Unzufriedenheit bei den Menschen so groß, dass sie eine Alternative gesucht haben.“ Man sollte darüber nachdenken, dass Deutschland nicht in eine Richtung abdrifte, „wo wir nicht hin wollen. Die Politiker dürfen die Menschen mit ihren Sorgen nicht alleinlassen.“

Dahlener Bürgermeister Matthias Löwe

Der Dahlener Bürgermeister Matthias Löwe (51, Wählergemeinschaft Heidestadt Dahlen) sagte: „In dieser Form kam das Ergebnis für mich überraschend. Ich hätte nicht gedacht, dass Volksparteien in der Zustimmung der Wähler gegenüber der AfD so stark einbüßen. Ich hoffe, dass man die Ursachen für dieses Abstimmungsverhalten erkennt und gegensteuert.“

Doberschützer Bürgermeister Roland Märtz

In Doberschütz landete die AfD vor der Union. Bürgermeister der Gemeinde ist CDU-Mann Roland Märtz (57) – und der setzt weiter auf Schwarz-Rot: „Was die Bundespolitik angeht, bin ich optimistisch, dass die Große Koalition vielleicht doch noch zustande kommt, weil in der vergangenen Legislaturperiode gerade bezüglich der Änderung des Grundgesetzes einiges erreicht wurde, was mit einer Drei-Parteien-Konstellation so wohl nicht möglich gewesen wäre.“ Was das Ergebnis auf Gemeindeebene betrifft, sieht Märtz darin auch eine gewisse Reaktion auf das, was in seiner Amtszeit durchgesetzt werden müsse: „Weil die Bürger jetzt für Dinge zahlen müssen, die andere noch zum Nulltarif bekommen haben, wie Straßen- oder Abwasserbau.“

Michael Friedrich, Fraktionsvorsitzender der Linken

„Der zwar erwartete, nun aber beängstigend stark ausgefallene Rechtsruck in unserem Land und insbesondere in Sachsen erschreckt zutiefst“, erklärte Michael Friedrich (66), Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag. „Wir nehmen das sehr durchwachsene Wahlergebnis in Nordsachsen mit Demut entgegen und werden keine Schnellschüsse starten. Vielmehr setzen wir auf eine gründliche Analyse, um die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.“ Es sei auch sehr schade, „dass unsere Direktkandidatin Susanna Karawanskij, die in einem außerordentlich engagierten und kulturvoll geführten Wahlkampf ein tolles Erststimmenergebnis erzielt hat, nicht mehr im nächsten Bundestag vertreten sein wird.“

CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Kiesewetter

„Für mich ist das ein erschütterndes Ergebnis“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Kiesewetter (37) aus Delitzsch. „Wir konnten offenbar nicht überzeugen und das müssen wir ändern. Zu viele Wähler trauen uns offensichtlich nicht zu, Probleme zu lösen. Ich traue das der AfD nicht zu.“ Familienpolitik, Sicherheit, Finanzen, Soziales, Flüchtlingspolitik – es gebe viele Baustellen. „Es muss unser Anspruch sein als Volkspartei, Politik für die Mitte der Bevölkerung zu machen. Dem müssen wir uns stellen, in zwei Jahren sind Landtagswahlen.“

CDU-Landtagsabgeordneter Volker Tiefensee

Volker Tiefensee (60), CDU-Landtagsabgeordneter aus Schönwölkau, erklärte: „Das Ergebnis ist für alle demokratischen Parteien schwer zu verstehen, auch dass die CDU in Sachsen nur noch zweitstärkste Kraft ist, ist katastrophal. Wir haben nun zwei Jahre Zeit, den Wählerwillen aufzunehmen und mit allem Elan an unserer Politik zu arbeiten.“

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