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Solarenergie-Genossenschaft scheitert

Solarenergie-Genossenschaft scheitert

 

Delitzsch. Die Idee einer Solarenergie-Genossenschaft in Delitzsch scheitert am fehlenden Willen der Bürgerschaft. Zu diesem Ergebnis kommt die Stadtverwaltung nach einer Interessens-Erkundung.

Wie am Wochenende bekannt wurde, fanden sich zu wenig zahlende Mitstreiter, um wenigstens das erste geplante Projekt zu starten: den Solaranlagenbau auf dem Dach der Grundschule Ost. Die Initialzündung für den Vorstoß in Sachen Fotovoltaik hatte ein Stadtratsbeschluss Ende Oktober vergangenen Jahres geliefert. Ohne Gegenstimme war entschieden worden, auf kommunalen Dächern in Delitzsch Solaranlagen zu installieren (wir berichteten). Wenig später trafen sich Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) und Rathausmitarbeiter mit Vertretern des mitteldeutschen Genossenschaftsverbandes. Die Etablierung erneuerbarer Energien in bürgerschaftliche Hände zu legen, würde der Wiege des deutschen Genossenschaftswesens gut zu Gesicht stehen, lautete damals das Ansinnen. Inzwischen aber ist offenkundig Ernüchterung eingekehrt. Nachdem im Januar rund 50 Einwohner eine Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung besucht hatten und weitere Male öffentlich geworben wurde, blieb die erhoffte Resonanz aus. „Es haben sich letztlich 15 Personen gefunden, die sich finanziell an der Genossenschaft beteiligen würden“, berichtet Manfred Wilde auf Anfrage der Kreiszeitung. „Das reicht zwar als Mitgliederzahl für eine Gründung, doch das eingebrachte Kapital wäre zu gering gewesen.“ Denn die Anlage, die die Genossenschaftler auf den Weg bringen sollten, ist nicht billig. Die Planer rechnen für die Installation auf der Grundschule Ost mit Brutto-Investitionskosten von 245 000 Euro. Für diese Summe sollten 324 Solarmodule montiert werden, die bei optimaler Sonneneinstrahlung eine Leistung von etwa 66 Kilowatt bringen. „Für diese Investition sind aber mindestens 30 Prozent Eigenkapital nötig, die von den Genossenschaftsmitgliedern aufgebracht werden müssen“, erklärt der OBM. Mehr als 5000 Euro pro Person also. Hinzu kommt das Risiko der Kredittilgung und Zinszahlungen. Offenbar zu viel Belastung für die Interessenten – erst recht nach den auf Bundesebene angekündigten Kürzungen der Solarförderung. „Es fand sich zwar ein Beteiligter, der die Summe mit einem hohen Betrag aufstocken wollte, doch es gab darüber am Ende keine Einigung“, so Wilde. Der Rathauschef bedauert das sehr. „Der Stadtrat war sich einig, dass wir versuchen wollen, die Delitzscher Bevölkerung zu beteiligen, bevor wir unsere kommunalen Dachflächen für private Investoren freigeben. Doch leider hat das nicht geklappt.“ Vom Tisch ist die Fotovoltaik-Initiative dennoch nicht. „Für die Dachfläche der Grundschule Ost wird es stattdessen eine Ausschreibung geben, um einen Pächter zu finden. Der muss dann selbst die Installation planen und finanzieren sowie Pacht an die Stadtverwaltung zahlen“, kündigt der OBM an. Immerhin ist die Fläche durchaus lukrativ: 610 Quadratmeter in Südausrichtung bedeuten nach ersten Analysen einen Mindeststromertrag von mehr als 56 000 Kilowattstunden pro Jahr, die gegen Vergütung ins Netz der Technischen Werke Delitzsch eingespeist werden können. Zur Verfügung steht darüber hinaus nach erfolgter Sanierung auch das Dach des Kindergartens Freundschaft, ebenfalls im Delitzscher Osten. Dort sind sogar 1000 Quadratmeter gen Süden ausgerichtet.

Kay Würker

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