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Sorgen um Zschortauer Bildungszentrum

Sorgen um Zschortauer Bildungszentrum

Das herrschaftliche Anwesen am Rande von Zschortau wirkt unauffällig, doch es ist wohl die weltweit berühmteste Adresse im Dorf. Wo sich der Lober idyllisch durch den Schlosspark schlängelt, hat das Internationale Bildungszentrum Leipzig-Zschortau seinen Sitz.

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Verwaistes Gästehaus: Viele Rollläden sind unten, eine Scheibe ist eingeschlagen (rechts).

Quelle: Kay Würker

Zschortau. Die Einrichtung ist eines von drei Bildungs- und Begegnungszentren der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Hier steht vor allem Hilfe für Schwellen- und Entwicklungsländer im Vordergrund. Die Projektteilnehmer kommen aus aller Welt. Deutsch lernen und in Deutschland Fachwissen erwerben, das sich im Heimatland nützlich einsetzen lässt, darum geht es zumeist. Mit Hilfe der GIZ werden zum Beispiel Strategien gegen den Klimawandel entwickelt, werden im Ausland rechtsstaatliche Strukturen oder eine Gesundheitsversorgung aufgebaut.

Doch die Zschortauer Idylle ist seit getrübt. Die Zahl der Teilnehmer ist seit Monaten rückläufig. Das Gästehaus auf dem GIZ-Grundstück, sonst mit Stimmengewirr angefüllt, ist nahezu verwaist. Auf der Straßenseite prägen heruntergelassene Rollläden das Bild, eine Fensterscheibe ist zerschlagen, die Zimmer sind unbewohnt. In der Gemeinde Rackwitz, zu der Zschortau gehört, herrscht große Sorge um die renommierte Einrichtung mit mehr als zwei Dutzend Angestellten und diversen Honorarkräften.

Eine Ursache für die Entvölkerung des Standortes dürfte in der jüngeren Entwicklungspolitik des Bundes liegen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist der Hauptauftraggeber für die GIZ. Die Schwerpunktsetzung dort hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Unter anderem wurden - wie berichtet - Fusionen verschiedener Einrichtungen vorangetrieben. So verschmolz die in Zschortau ansässige Inwent 2011 mit zwei weiteren Institutionen zur GIZ. Seitdem ist es hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit ruhig geworden um den Bildungsstandort an der Lindenstraße.

Immerhin: Der vor wenigen Tagen erschienene GIZ-Jahresbericht liest sich zuversichtlich - das Gesamtgeschäftsvolumen der Gesellschaft ist den Zahlen nach weitgehend stabil. Doch der Schwund an Bildungsgästen in Zschortau ist unübersehbar.

Hinter den Kulissen müssen nun die GIZ und der Freistaat die Zukunft ausloten. Sachsen, vertreten durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), gehört die Liegenschaft. Vor zwei Jahren - da brummte das Bildungszentrum noch - wurden vor Ort drei Neubauten für Beherbergung und Tagungen angekündigt. Der Mann, der das damals in Aussicht stellte, Standortleiter Wolfgang Zimmermann, ist inzwischen in Rente. Ein Nachfolger wurde nicht benannt. Die Auslastung des Bildungszentrums wird seit 2013 zentral über das sogenannte Facility Management der GIZ in Bonn gesteuert. Die Verantwortlichen dort sind derzeit im Urlaub, für LVZ-Nachfragen nicht erreichbar. Von SIB-Sprecher Tobias Lorenz heißt es: "Der Staatsbetrieb hat das (Neu-)Bauvorhaben zurückgestellt." Die von der damaligen Inwent ausgehenden Planungen würden zunächst überprüft, denn "das neue Bundesunternehmen GIZ wird die von den Vorgängergesellschaften geplanten Entwicklungen anpassen".

Die GIZ ist also noch in der Selbstfindung. Wohin das führen könnte, will der nordsächsische Bundestagsabgeordnete Marian Wendt (CDU) wissen. Er wandte sich schriftlich an Entwicklungs-Bundesminister Gerd Müller, bat um Auskunft über das künftige Nutzungskonzept für die Zschortauer Einrichtung. Eine Antwort steht noch aus.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.06.2014
Kay Würker

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