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Spar-Angebot aus dem Internet

Spar-Angebot aus dem Internet

Kreisgebiet. Die Computer-Welt ist in Bewegung: Wer einfache Programme für Schreibarbeiten, Tabellen oder Präsentationen braucht, ist längst nicht mehr auf Platzhirsche wie Microsoft angewiesen.

Im Internet gibt's kostenlose Angebote, die auf Privat-PCs inzwischen weit verbreitet sind. Verlockend ist das auch für finanziell klamme Kommunalverwaltungen. In diversen Rathäusern macht das Thema die Runde.

 

 

Die Stadtverwaltung Delitzsch hat es gewagt: Über mehrere Wochen hinweg schickte sie kürzlich die Gratis-Software in den Praxistest. Unter anderem auf Sekretariatsrechnern an Schulen wurde ausprobiert, wie der Umgang mit der Konkurrenz aus dem Internet funktioniert. Schließlich kann das kostenlose OpenOffice vieles, was auch das kostenpflichtige Microsoft Office kann: Textverarbeitung, Tabellen-Kalkulation, Datenbank-Verwaltung. Unter anderem. Es ging um viel Geld bei diesem Pilotprojekt: Delitzsch hätte bei einer Entscheidung für OpenOffice rund 28 000 Euro gespart. So viel kostet der Erwerb neuer Microsoft-Office-Lizenzen für insgesamt etwa 110 Verwaltungs-Rechner. Handlungsbedarf war gegeben, weil die bisherigen Lizenzen ausliefen.

Das Ergebnis der Versuchsphase: Delitzsch entschied sich wieder für Microsoft und fürs Bezahlen. Der Spareffekt sei gar nicht so groß, urteilt der EDV-Leiter im Rathaus, Christian Seidel. "Die Umstellung wäre mit viel Aufwand verbunden gewesen", sagt er, unter anderem wegen Nutzerschulungen und Umformatierungen von Vorlagen. Vor allem aber sei OpenOffice in vielerlei Hinsicht nicht kompatibel. "Manche Dokumente lassen sich nicht richtig darstellen, sowohl im Austausch mit anderen Verwaltungen als auch mit Bürgern", schildert Christian Seidel. "Man stößt überall an kleinere Probleme."

In der Stadtverwaltung Leipzig sind Probleme dieser Art ebenfalls bekannt. Trotzdem fiel die Entscheidung für die Gratis-Software. Hauptamtsleiter Christian Aegerter hält das auch mehr als ein Jahr nach der Einführung für den richtigen Schritt. "Es gab im Vorfeld eine Wirtschaftlichkeits-Betrachtung. Demnach rentiert sich der Wechsel, auch wenn für die Umstellung Kosten anfallen." Unterstützt durch ein eigens eingerichtetes Open-Office-Kompetenzzentrum wurde die Umrüstung von rund 3000 PCs gestemmt. Das entspreche etwa zwei Drittel der Leipziger Verwaltungs-Computer. Der Rest sind Rechner mit Fachprogrammen, die mit OpenOffice nicht kompatibel sind. Dort wurde Microsoft zusätzlich zur Gratis-Software beibehalten. "Es hat sich bewährt. Wenngleich man unter Mitarbeitern ein Grummeln hörte, weil die neuen Programme zunächst ungewohnt waren", so Aegerter.

Auch die Stadtverwaltung Eilenburg erwärmte sich zwischenzeitlich für OpenOffice, verabschiedete sich jedoch wieder davon, berichtet Heiko Leihe, Leiter des Oberbürgermeisterbereichs. Was für Privatleute eventuell praktikabel sei, funktioniere im Rathaus nicht. "Im Rathaus muss die Software störungsfrei und sicher laufen. Risiken können wir uns nicht leisten." Dabei ist die Muldestadt durchaus offen für kostensparende Neuerungen: Vor zirka vier Jahren seien auch mit dem Linux-Betriebssystem Erfahrungen gesammelt worden, erklärt Leihe. "Das setzt aber Personal mit speziellen Kenntnissen voraus und schafft diesbezüglich Abhängigkeiten."

In Bad Düben steht der Erwerb neuer Lizenzen für Standard-Bürosoftware in diesem Jahr an. Auch hier die klare Aussage: Die Kurstadt bleibt beim Branchenprimus. "Es ist zu ungewiss, ob die kostenlosen Programme langfristig fortentwickelt werden", argumentiert Bürgermeisterin Astrid Münster (Freie Wähler). Außerdem sei die Standardsoftware ohnehin weniger kostentreibend als die Fachprogramme für Steuern, Bauamt oder Liegenschaften.

Die Städte im Altkreis Delitzsch sind mit ihrer Microsoft-Treue übrigens nicht allein. Die Firma Comparex in Leipzig, die im Auftrag des Freistaates Kommunen in ganz Sachsen mit Lizenzen versorgt, verzeichnet "seit Jahren steigende Umsätze mit Microsoft-Office- Produkten, auch im kommunalen Sektor", sagt Markus Kirchner von Comparex. "Nach unserer Erfahrung stellen kostenlose Programme wie OpenOffice für den kommunalen Gebrauch keine Alternative dar, da öffentliche Einrichtungen hier schnell an Grenzen stoßen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.02.2014
Kay Würker und Heike Liesaus

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