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Delitzsch Sparkassen-Standorte rund um Delitzsch schließen
Region Delitzsch Sparkassen-Standorte rund um Delitzsch schließen
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07:00 29.12.2017
Edeltraud Enke, 80 Jahre, ist wenig begeistert von der Schließung der SB-Sparkasse im Delitzscher Osten. Jetzt muss sie für 1,60 Euro mit dem Bus in die Stadt fahren, um an Bargeld zu kommen. Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch/Krostitz/Wiedemar/Rackwitz

Ab 2018 geschlossen, hier kein Service mehr, aus und vorbei. Diese Botschaft muss zum Jahreswechsel zu einigen Sparkassen-Standorten und dem Krostitzer Konsum hingenommen werden. Beim Konsum im Bierdorf zeichnet sich allerdings eine Nachfolge ab. Die Selbstbedienungs-Center in Rackwitz und Wiedemar werden durch fahrbare Filialen ersetzt. Wegfallen soll zudem das SB-Center in Delitzsch-Ost in der Johannes-R.-Becher-Straße (Alternative: Filiale Delitzsch-Mitte, Eilenburger Straße 72). Die Filiale im Sonnenwinkelweg 1 im Norden wird mit der am Markt zusammengelegt, es soll ein Geldautomatenstandort im näheren Umfeld zur Verfügung stehen. Die LVZ hat sich unter den Kunden umgehört.

In Wiedemar ist die Sparkasse noch existent, aber nicht mehr nutzbar. Die Türen zu den SB-Automaten sind verschlossen, kein Hinweise warum. Mit Jahresbeginn sollte ohnehin Schluss sein. Jetzt ist es schon vorher geschehen. „Nun müssen wir bis Delitzsch oder nach Leipzig fahren, um Geld zu holen“, sagt Christian Bühlig. Er wird das Geldinstitut wechseln und sieht die Schuld dafür bei der Sparkasse. „Die sparen an der falschen Adresse.“ Den Einsatz eines Sparkassenmobils sieht er nicht als Alternative. Das käme, wenn die Leute arbeiten sind. Die Bank gewechselt hat schon Nicole Fischer. „Für die älteren Menschen wird das jetzt zum richtigen Problem“, erklärt sie und ist froh, dass ab sofort auch bei Edeka nach einem Einkauf Bargeld ausgezahlt wird.

Angst vor Überfällen

Letzte Gelegenheit, auch in der Rackwitzer Hauptstraße 22 am Sparkassen-Automaten noch etwas abzuheben oder zu überweisen. Die wurde am Donnerstag rege genutzt, wie auch der Unmut auf Anfrage deutlich bekundet. Manchen Kunden wird die Sparkasse in Rackwitz verlieren, manche hätten sich auch mehr Einsatz von Seiten der Kommune gewünscht. „Ich bin noch immer ein bisschen entsetzt“, sagt eine Kundin zu der Schließung des Selbstbedienungs-Centers. Gerade für die Älteren sei dies eine Zumutung. Zudem fürchte sie, dass nun jemand den Leuten an der mobilen Filiale auflauern könnte. „Ich bin eh arbeiten um die Zeit“, sagt eine andere. Ein Flyer informiert über die Standzeiten des Wagens, der nun donnerstags von 8 bis 8.30 Uhr den festen Standort ersetzen soll. Der Tipp der Sparkasse darauf, nach Wiederitzsch auszuweichen, wirkt auf manchen wie Hohn. „Das ist sehr rentnerfreundlich, sehr kundenfreundlich“, findet auch Udo Ifland und meint das Gegenteil. Der fast 80-jährige Podelwitzer schließt sein Fahrrad ab, er hat kein Auto. „Wegen jeder Überweisung fährt man jetzt sonst wohin“, schimpft er.

Wegzugspläne bestärkt

Auch in Delitzsch herrscht Unmut über die Pläne der Sparkasse, vor allem unter den älteren Leuten. Vor der Filiale in der Johannes-R.-Becher-Straße lässt Gertraud Gäbler ihrem Ärger freien Lauf: „Ich bin ganz oben auf der Palme“, sagt die 80-Jährige. Es sei eine Katastrophe, gerade, weil sie nicht gut zu Fuß ist. „Es wird keine Rücksicht genommen“, bedauert die Seniorin. Die Pläne der Sparkasse hätten beschleunigt, dass sie in wenigen Wochen weg und zu ihrer Tochter nach Dresden zieht. Eine „Katastrophe“ nennen die Schließungen solcher Art auch die 85-jährige Waltraud Pomrehn und Edeltraud Enke (80). „Eines Tages ist man nicht mehr gut zu Fuß“, betont Waltraud Pomrehn, warum Standortschließungen gerade Senioren so sauer aufstoßen.

Von Thomas Steingen, Ditmar Wohlgemuth, Manuel Niemann und Christine Jacob

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