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Delitzsch Stadt Delitzsch ist überzeugt: Ascheberg kontaminiert Wasser und Boden
Region Delitzsch Stadt Delitzsch ist überzeugt: Ascheberg kontaminiert Wasser und Boden
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09:19 16.08.2016
Zeichen der Insolvenz: Das Tor zum Kraftwerk ist geschlossen, vom aufgestellten Firmenschild blieb nur der Rahmen. Quelle: Kay Würker
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Delitzsch

Am Biomassekraftwerk in der Delitzscher Fabrikstraße wird die Lage zunehmend vertrackter. Nach dem Insolvenzantrag des bisherigen Betreibers, der Knock on wood GmbH, arbeitet ein Leipziger Anwaltsbüro an der Klärung der komplizierten Eigentumsverhältnisse. Auch die Sicherung des Geländes entwickelt sich zum großen Thema. Unterdessen legte die Stadtverwaltung Delitzsch eigene Untersuchungsergebnisse vor, die eine Kontamination des Gertitzer Grabens mit Schwermetallen durch Abflüsse aus dem Kraftwerksgelände nahelegen. Die Untersuchung im Juli drehte sich erneut um die Kernfrage: Wie gefährlich sind die frei lagernden Abfallstoffe auf dem Kraftwerksareal für das Delitzscher Grundwasser?

Bereits Ende 2015 hatten Bodenproben am Gertitzer Graben nahe der Mündung in den Lober hohe Cadmium- und Zinkwerte ergeben. Der Graben führt am Betriebsgelände vorbei – und wurde eher zufällig beprobt: Anlass war die Errichtung eines Einlaufbauwerks. Die Stadtverwaltung konfrontierte das Umweltamt Nordsachsen mit den Werten, die Behörde habe jedoch weder das Kraftwerk noch den vor Regen ungeschützten Ascheberg als Ursache gesehen, heißt es aus der Stadtverwaltung. Vermutet worden sei vielmehr die Einspeisung von Niederschlagswasser aus dem Industriegebiet Südwest oder Sümpfungswässer aus früheren Tagebauaktivitäten.

Zwei Proben, unterschiedliche Werte

Die Stadtverwaltung indes ist überzeugt vom Zusammenhang mit der Umweltlast, tritt mit der erneuten Beprobung nun die Beweisführung an. Diesmal hat der Abwasserzweckverband getestet – zweimal im Verlauf des Gertitzer Grabens, einmal vor und einmal nach dem Ascheberg. Ergebnis: Probe eins kurz vor der Bahnlinie ergab „sehr niedrige Blei- und Cadmiumwerte“, bei Probe zwei am Auslauf des Ableiters gehen die Werte bei Cadmium und Blei steil nach oben. Speziell bei Cadmium ist der für Wohngebiete geltende Grenzwert aus der Bundesbodenschutzverordnung nahezu erreicht. Und die Stadt untersucht weiter: Da mangels Wasser im Graben zunächst nur Bodenproben genommen werden konnten, soll die Wasserprobe nachgeholt werden. Damit ließe sich eine Verschmutzung zeitlich genauer dokumentieren.

Schwierige Eigentumsverhältnisse

Die Frage, wer die Umweltsünden an der Fabrikstraße beseitigt, ist allerdings nach wie vor ungeklärt. Rechtsanwalt Christian Krönert prognostiziert die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für Anfang bis Mitte September. Die Basis dafür ist ein Gutachten, das Krönert derzeit im Auftrag des vorläufigen Insolvenzverwalters Joachim Voigt-Salus erarbeitet. Darin geht es um Vermögenswerte und Entsorgungskosten, aber auch um Eigentumsfragen. Da die Knock on wood GmbH die Kaufsumme für den Betrieb noch nicht beglichen hatte, sind Kraftwerk und Gelände weiterhin im Eigentum von Rechtsanwalt Philipp Hackländer. Er ist Insolvenzverwalter des vorherigen Betreibers GOAZ Energy. Weil allerdings auch GOAZ Zahlungen schuldig geblieben ist, hat ein weiterer Rechtsanwalt offene Forderungen abgesichert: Florian Stapper, der Insolvenzverwalter des Erstbetreibers BKD.

Immerhin: Es gebe Interessenten für Gelände und Kraftwerk, berichtet Krönert. Doch über alledem steht die Frage, wie viel das Grundstück abzüglich aller Kosten überhaupt noch wert ist. Und wie es in den nächsten Wochen vor Schäden gesichert werden kann. Krönert steht dazu in engem Kontakt mit Stadt und Polizei. Und mit der Delitzscher Feuerwehr. Die erhält nun für Notfälle einen Schlüssel für die Zufahrten.

Von Kay Würker

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