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Delitzsch Stadt Delitzsch wehrt sich gegen Bahnlärm
Region Delitzsch Stadt Delitzsch wehrt sich gegen Bahnlärm
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00:38 21.04.2018
Ob Lärmschutzwände auch in Delitzsch eine Option sind, ist noch zu klären. Quelle: MediaPortal der Deutschen Bahn
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Delitzsch

Ein- und Durchschlafen? Für viele Delitzscher in den Wohngebieten um die Bahnschienen schon jetzt nicht möglich. Und die Befürchtung ist groß, dass es noch schlimmer wird. Knapp 30 Wortmeldungen aus der Stadt – vor allem aus dem Areal um die Bahnhöfe und aus Döbernitz – sind bislang zum Lärmaktionsplan Schiene eingegangen. Er fordert die Öffentlichkeit auf, zu sagen, wo und wie man sich durch Schienenlärm gestört fühlt. Daraus will das Eisenbahn-Bundesamt unter anderem Rückschlüsse ziehen, wo auf Lärmschutz zu achten ist. Die Befragung läuft online erst seit 30. Juni. Der Leidensdruck in der Loberstadt muss groß sein, aus Eilenburg sind bislang nur zwei Wortmeldungen bekannt.

Delitzsch besonders vom Lärm betroffen

Zwei große Bahnstrecken mitten durch die Stadt, dazu etliche Menschen, die genau im Kreuzungsbereich dieser Strecken wohnen und die Aussicht, dass speziell auf der Strecke gen Halle der Güterverkehr stark zunimmt, die Schranken länger und öfter unten bleiben – all diese Faktoren treiben auch die Stadtverwaltung um. „Wir arbeiten an einer Stellungnahme zur Lärmaktionsplanung“, so Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos). Die Strecke Berlin-Leipzig und die Strecke Halle-Guben kreuzen sich nahe des Poetenwegs, dazu kommen Verbindungskurven genau dort – der Lärmpegel steigt durch die Geräusche beider beziehungsweise sogar dreier Strecken. Hinzu kommt: Der Verkehr auf der Strecke Halle-Delitzsch-Eilenburg und weiter gen Osten wird laut Prognosen des Bundesverkehrswegeplans bis 2025 auf mindestens 114 Züge pro Tag steigen. Andere rechnen sogar mit 160 Zügen täglich, der Großteil davon Güterverkehr. 40 Güterzüge am Tag, 50 Züge insgesamt seien es im Durchschnitt heute. Die DB Netz AG als Betreiber des Netzes kann selbst immer erst ein paar Monate oder gar Tage zuvor über die konkrete Auslastung einer Strecke Angaben machen – bei Hunderten Transportunternehmen auf der Schiene werden die Trassen unterschiedlich gebucht. Das kann für eine ganze Fahrplanperiode (Dezember bis Dezember des Folgejahres) oder auch im sogenannten Gelegenheitsverkehr für einige oder nur einen Tag sein.

Speziell das Wohngebiet um den Poetenweg ist eingeschlossen von Bahnschienen, viele Wortmeldungen von dort gibt es bereits. Quelle: web/Google

Delitzsch bevorzugte Strecke

Besonders diese 6345 genannte Strecke zwischen Halle und Osten ist für den Schienengüterverkehr bedeutend. In der Saalestadt entsteht bis nächstes Jahr eine der modernsten Zugbildungsanlagen – ordnet Waggons an – Europas, ab Frühjahr werden auch die Schienen bei Delitzsch modernisiert und dafür die Strecke zwischen Lober- und Saalestadt bis Jahresende gesperrt. Für die paar Regiobahnen, die dort im Zwei-Stunden-Takt tuckern dient der Aufwand wohl nicht, sondern dem höheren Zweck, mehr Güter auf der Schiene zu transportieren. Nicht nur die Güterzüge nach Polen, sondern auch zunehmend der Verkehr in Richtung Tschechien und Slowakei wird mit der Güterzugbildung in der Saalestadt die Strecke entlang der Loberstadt und weiter durch den Landkreis bevorzugen. Der jetzige Trassenpreis beträgt dort 3,17 Euro pro Kilometer, ganz gleich ob Personen- oder Güterzug und welche Art von Güterzug. Ab Dezember soll bundesweit ein neues System gelten. Je schwerer der Zug, desto teurer wird es und Gefahrgut kostet extra. Wer als Transportunternehmen die kürzeste Strecke nimmt, der spart. Und der kürzeste Weg aus dem Knoten Halle gen Osten beziehungsweise umgekehrt führt über Delitzsch.

Bis zum 25. August läuft die Öffentlichkeitsbeteiligung zum Lärmaktionsplan unter www.laermaktionsplanung-schiene.de.

Von Christine Jacob

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