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Stadtkirche St. Peter und Paul hat ihre Stimme zurück

Stadtkirche St. Peter und Paul hat ihre Stimme zurück

Ostern, das Fest der Auferstehung - für die Stadtkirche Peter und Paul in Delitzsch markierte dieses Wochenende zugleich den Beginn eines neuen Kapitels in der rund 600-jährigen Geschichte.

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Andrang im verwinkelten Glockenstuhl: Die Besucher des Gottesdienstes nutzten am Ostersonntag die Gelegenheit, die neue Eichenholz-Konstruktion samt Fünfergeläut unterm Turmdach zu besichtigen.

Quelle: Alexander Prautzsch

Delitzsch. Mit einer Glockenweihe wurde das neue Fünfergeläut offiziell in Betrieb genommen. Es entstand im Zuge der umfangreichen Westturm-Sanierung, die in diesen Wochen zu Ende geht.

Pfarrer Stephan Pecusa hatte am Ostersonntag zum Festgottesdienst geladen, um das "Wiedererschallen der bronzenen und eisernen Himmelskünder" zu feiern. Ein Jahr lang hatten die Glocken von St. Peter und Paul geschwiegen, weil unter anderem der Dachstuhl des Kirchturms komplett erneuert wurde. Nun hat das Gotteshaus seine Stimme wieder - klangvoller als zuvor. "Ein Fünfergeläut ist etwas Besonderes, das haben nur wenige Kirchen", würdigt Architekt Frank Gebhardt.

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Delitzsch. Ostern, das Fest der Auferstehung - für die Stadtkirche Peter und Paul in Delitzsch markierte dieses Wochenende zugleich den Beginn eines neuen Kapitels in der rund 600-jährigen Geschichte. Mit einer Glockenweihe wurde das neue Fünfergeläut offiziell in Betrieb genommen.

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Vier der Glocken sind alte Bekannte. Vor allem die älteste aus dem Jahr 1363 mit dem Ton "des": Pfarrer Stephan Pecusa schwärmt von "sensationellen vier Minuten Nachklang". Erinnerungs- glocke nennt er sie. "Laut Chronik wurde sie bislang mehr als 60 000 Mal zum Totengeläut geschlagen." Vergangenes Jahr erhielt sie im Schweißwerk eine neue Krone für die Aufhängung. Weit jünger sind die beiden Eisenhartguss-Glocken, 1958 als Ersatz für zu Kriegszwecken eingeschmolzene Exemplare in die Kirche gebracht. Die Lebensdauer der beiden in "as" und "fis" klingenden Glocken wurde damals auf 60 Jahre prognostiziert - das Material ist nicht so haltbar wie Bronze. "Doch sie klingen jetzt noch viel schöner als zuvor", sagt Pfarrer Pecusa. Sie sollen mahnen, vor allem zu Frieden und Toleranz. Bekannt ist auch die rund 1400 Kilogramm schwere Bronzeglocke mit dem Ton "d" aus dem Jahr 1433. Nach bewegter Geschichte hing sie zuletzt als Stundenglocke im Erker über der Turmuhr und wurde nun Teil des Fünfergeläuts. Als Ersatz für den Stundenschlag wurde eine Halbschale angefertigt, die laut Pfarrer etwas leiser ist als die mächtige Vorgängerin.

Glocke Nummer fünf schließlich ist nagelneu. Im Dezember reiste eine Delegation der Kirchengemeinde nach Lauchhammer, erlebte hautnah den Guss der bronzenen Lady, die auf ein zweigestrichenes "cis" gestimmt ist. Weil dieser erste Anlauf schiefging - die Glockenzier war im Guss misslungen - folgte später ein zweiter Versuch. Mit nur 230 Kilogramm ist das Exemplar das Leichtgewicht im Fünfergeläut. "Doch eine kleine Glocke muss es geben, damit wir uns nicht überheben, uns nicht zu wichtig nehmen", erklärt der Pfarrer. Sie steht für Nachgeben, für Geduld.

Am Sonntag wurde die Neue feierlich eingeweiht. Und weil die weit über Hundert Gottesdienst-Gäste nicht in den Glockenstuhl passen, erlebten sie die Weihe mit technischer Hilfe: Per Fernbedienung wurde die Glocke angeschlagen, ihr Klang per Mikrofon und Lautsprecher ins Kirchenschiff übertragen.

Und dann durfte die Besucherschar doch noch hinauf in den Turm. Vieles hat sich dort binnen Jahresfrist verändert. Außer Glockenstuhl und Turm- helmen wurden auch Mauerwerk, Zwischendecken, Uhrwerk und Ziffernblatt erneuert beziehungsweise ausgetauscht. Rund 1,39 Millionen Euro flossen bislang in das Sanierungsprojekt. Bis Ende Mai soll es abgeschlossen sein - gefeiert wird das am 29. Juni, dem Peter-und-Paul-Tag, mit dem Kirchweihfest.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.04.2014

Kay Würker

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