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Stadtpark Delitzsch: Verboten ist, was Spaß macht

Öffentliches Grün Stadtpark Delitzsch: Verboten ist, was Spaß macht

Nicht erlaubt ist, was Spaß macht – das gilt für den Delitzscher Stadtpark. Während andernorts unter anderem Grillplätze oder auch Trimm-dich-Pfade ins öffentliche Grün locken, steht in der Loberstadt der Denkmalschutz ganz oben.

An der Genesung haben Kinder und Jugendliche jederzeit die Chance auf Spiel und Spaß, dem Denkmalschutz sollte das nicht im Wege stehen.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Die Hundebesitzer gehen mit ihren Vierbeinern spazieren. Ein paar Jogger ziehen ihre Bahnen. Mit dem Rad kürzt man den Weg zwischen den Stadtteilen ab. Ein paar Leute sitzen an der Genesung, oft zum Trinken. So weit, so 08/15 steht es bislang um den Delitzscher Park und die Loberaue. Dabei hätten die Bürger durchaus noch mehr Ideen für die grüne Lunge der Stadt, die für viele weit hinter den Möglichkeiten eines Stadtparks bleibt. Ob nun via Facebook oder privat diskutiert, immer wieder wird der Wunsch nach noch mehr Leben auf dem Areal laut. Doch in Delitzsch gilt meist: Nciht erlaubt ist, was Spaß macht.

In Leipzig hat die Verwaltung pünktlich zum Männertag den Vorstoß gewagt und – zunächst testweise – in fünf Parks öffentliche Grillplätze errichtet. Eine Idee auch für die Loberstadt, heißt es unter anderem von Nutzern der Facebook-Gruppe „Du bist ein echter Delitzscher wenn ...“. Im Falle des Grillens gibt es kein direktes Verbot. Die Stadt könnte aber ein Bußgeld wegen Verunreinigungen verhängen. Doch vor allem: So etwas wie öffentliche Grillplätze wird es in Delitzsch auf absehbare Zeit nicht geben, sagt Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) auf Anfrage. Der „Denkmalschutzcharakter“ dieser Landschaft habe Vorrang und alles müsse mit dem zuständigen Amt des Landkreises abgesprochen werden. „Wir sind offen, mal zukünftig darüber nachzudenken“, räumt das Stadtoberhaupt ein, „aber wir können nicht Grillplätze und schlechte Wege haben!“ Anderes hat bei beziehungsweise vor einer Entwicklung des Parks zunächst Vorrang. Erst einmal müsse zum Beispiel der letzte Bauabschnitt der Lobersanierung sowie die Planungen für die Sanierung des Hauptleiters vom Abwasserzweckverband im Stadtpark abgewartet werden. Für Letzteres könne voraussichtlich 2017 Start sein, so Wilde. Dann stehen noch Wegebau und Baumpflanzungen zur Diskussion. Wegen des hohen Grundwasserstands droht im Park mitunter Gefahr, wurden Bäume schon entwurzelt – heißt, dass Sportarten wie das Slacklinen, bei dem auf zwischen Bäumen gespanntem Seil balanciert wird, besser mal ins Wasser fallen. Neue Bäume zu pflanzen, macht erst Sinn, wenn die Bagger für die Baumaßnahmen weg sind.

Probleme mit Vandalismus und Trinkern

Mit Sicherheit sei es bis zu einer Entwicklung des Areal in ferner Zukunft aber nicht verboten, Ball zu spielen oder sich auf eine Wiese zu legen, heißt es weiter aus dem Rathaus. Allerdings, so Wilde, habe die Verwaltung auch schon einen Spielplatz sperren müssen, weil es zu Trinkgelagen und Vandalismus kam. „Es macht nicht nur Spaß, den Leuten im Park zu begegnen“, sagt das Stadtoberhaupt. Vandalismus ist ein altes und trauriges Phänomen in Delitzsch – so sank die Zahl der Spielplätze in der Stadt von 35 auf 33.

Auch eine Arbeitsgemeinschaft Park zeichnet sich derzeit eher durch Inaktivität aus. Auf jeden Fall solle es 2016 ein Treffen der AG Stadtpark, bestehend unter anderem aus Stadträten, geben – dann kann darüber diskutiert werden, wie sich der Stadtpark zukünftig generationenübergreifend nutzen lässt. Neuen Ideen gegenüber wolle er sich nicht sperren, betont Wilde. „Aber wer grillen will, der kann sich doch auch einen Schrebergarten nehmen.“ Also lieber stilles Privatleben als pulsierendes Leben im öffentlichen Raum.

Von Christine Jacob

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