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Delitzsch Stadtrat Delitzsch sperrt sich: Kein Solarpark hinterm Biomassekraftwerk
Region Delitzsch Stadtrat Delitzsch sperrt sich: Kein Solarpark hinterm Biomassekraftwerk
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06:00 27.02.2016
Die Erweiterung des bestehenden Solarparkes wurde abgelehnt. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Die Entscheidung fiel schnell, ohne Diskussion, ohne Dissonanzen, einstimmig. Der geplante zweite Solarpark am Biomassekraftwerk in der Delitzscher Fabrikstraße ist abgelehnt. Das Gelände südlich der Bahnlinie, seit mehr als zehn Jahren brachliegend, darf nicht großflächig mit Photovoltaik-Modulen überbaut werden. Der Grund: Der Stadtrat hält weiter an der Flächennutzung fest, die er einst für das Areal beschlossen hat – eine Reservierung unter anderem für Abfallentsorgung und Abwasserbeseitigung. Das wurde so festgelegt, als die Immobilie noch Zuckerfabrik war und vor Ort in Absetzbecken Abwässer von Rübenschlamm befreit wurden. Von einem PV-Sondergebiet war da keine Rede.

Die klare Abweisung des Stadtrates am Donnerstagabend erscheint allerdings auch als Indiz für das inzwischen immense Misstrauen, das die Kommunalpolitiker gegenüber dem Kraftwerksstandort hegen. Bekanntermaßen ist vor Ort in den vergangenen Jahren einiges aus dem Ruder gelaufen. Das Kraftwerk, in dem Althölzer verbrannt und verstromt werden, wurde auf Verschleiß gefahren, gilt als dringend modernisierungsbedürftig, was entsprechende Umweltschutzsorgen auslöst. Im Oktober veröffentlichte die LVZ erstmals Details über einen Ascheberg vor Ort – entsorgungspflichtiges Material, das über Jahre auf dem Gelände abgelagert wurde. Die Beseitigung kostet Schätzungen zufolge Millionen. Das Kraftwerk ist für die Stadt Delitzsch zu einem massiven Problem geworden, mit noch unabsehbaren finanziellen Folgen. Als umso wertvoller erscheinen da die 18 Hektar südlich der Bahnlinie – ein unbelastetes Gelände mit Entwicklungspotenzial. Nach LVZ-Informationen gibt es unter den Stadträten Bedenken, dass das Filet-Grundstück vom Kraftwerk gewinnbringend abgetrennt werden könnte und die Stadt im Schlimmstfall allein auf der Altlast sitzen bleibt.

Das Gegenteil sei der Fall, beteuert Heinz Lucas, Geschäftsführer der Knock on wood GmbH, die das Gesamtpaket aus Kraftwerk und Gelände im vergangenen Sommer aus der Insolvenz übernahm. „Die Einnahmen aus der Grundstücksnutzung sollen in die Erneuerung der technischen Anlagen und in die Beseitigung des Ascheberges fließen“, so Lucas, der sich am Tag nach dem Ratsbeschluss konsterniert zeigte. Laut der Vorhabenbeschreibung, die dem Stadtrat vorlag, wollte die Knock on wood die 18 Hektar an die Enerparc AG verpachten, die dort einen Solarpark mit einer Leistung von 16 Megawatt errichten möchte. Eine Anlage in doppelter Größe betreibt Enerparc bereits im Industriegebiet Delitzsch-Südwest.

Ohne die Zustimmung des Stadtrates ist die Solarnutzung nicht zulässig. „In Anlehnung ans Baugesetzbuch liegt eine Beeinträchtigung öffentlicher Belange vor, da das Vorhaben dem rechtskräftigen Flächennutzungsplan entgegensteht. Die Stadtverwaltung hat da keinen Ermessensspielraum“, erklärte Bauamtsleiter Karl-Heinz Koch in der Ratssitzung. Allein der Stadtrat könne hier entscheiden. Das hat er getan. Bereits im vorberatenden Technischen Ausschuss – nicht öffentlich – war das Votum negativ.

Nach Stand der Dinge sind Solarmodule nur im vorderen Bereich an der Richard-Wagner-Straße zulässig, wo die nötige Industrie- und Gewerbewidmung vorliegt. Dort steht schon ein PV-Park. Daneben wäre noch Platz für eine Erweiterung.

Von Kay Würker

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