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Stadtteil Ost säuft erneut ab

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Land unter hieß es am Sonntagabend in weiten Teilen der Loberstadt. Sintflutähnlicher Niederschlag führte zu Überschwemmungen und vollgelaufenen Kellern. Die Kameraden der Feuerwehr waren im Dauereinsatz, um Betroffenen zu helfen.

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Aufräumen nach dem Regenguss im Schäfergraben. Überschwemmt ist die Ausfahrt des Feuerwehrdepots.

Quelle: Alexander Prautzsch

Kreisgebiet. Der lange Einsatzabend begann für die Feuerwehr Delitzsch bereits um 19.56 Uhr, als im Wellpappenwerk Smurfit Kappa die Brandmeldeanlage anschlug. Vor Ort dann schnell die Feststellung: Fehlalarm. So auch eine halbe Stunde später bei Frunol delicia in der Dübener Straße. Auch hier hatte die Brandmeldeanlage irrtümlich angeschlagen. Ab 20.25 Uhr aber blieben die Kameraden im Dauereinsatz. Die Feuerwehren Delitzsch, Benndorf, Zschepen, Selben, Beerendorf und Schenkenberg waren bis in die Nacht mit Sturmschäden und vor allem vollgelaufenen Kellern beschäftigt. "Erst kurz nach ein Uhr nachts ist das letzte Fahrzeug wieder reingekommen. Es war so heftig wie beim letzten Unwetter im Juni", fasst Einsatzleiter Peter Schwenckner zusammen. Am 20. Juni hatte es mehr als 70 Einsatzstellen in ganz Delitzsch gegeben (wir berichteten). Auch diesmal zog sich die Arbeit quer durch die Stadt, berichtet Schwenckner, 60 Einsätze führt der Leitstellenbericht auf. Vor allem in Wohnhäusern seien Keller vollgelaufen und mussten ausgepumpt werden. "Wir haben uns nach den Infos von der Leitstelle eine Liste erstellt, die wir dann Stück für Stück abgearbeitet haben", erzählt der Einsatzleiter. Der Fahrstuhlschacht des neuen Ärztehauses musste ebenfalls ausgepumpt werden. Und die Helfer waren wieder selbst betroffen: Im Schäfergraben staute sich das Wasser zurück und überflutete das Gerätehaus. Auf dem Weg zum Einsatz verunglückte einer der Kameraden, er rutschte vor dem Gerätehaus aus und muss nun mit kaputtem Fußgelenk zunächst drei Wochen das Bett hüten.

Für die Beerendorfer Kameraden begann der Einsatz in der Straße an der Weide, wo das Abflusssystem überlastet war, Straße, Parkplätze und der Eingangsbereich eines Grundstücks waren 20 bis 30 Zentimeter überflutet. Am Seiteneingang zum Keller stand das Wasser einen Meter hoch. Die Feuerwehr pumpte es in den nahe gelegenen Teich. Dieser hatte sich durch die Regenflut gut gefüllt. Ansonsten ist er ausgetrocknet. Dass es in der Straße an der Weide an dieser Stelle Probleme mit der Ableitung von Regenwasser gibt, ist hinlänglich bekannt. "Bisher wurde aber immer nur der Fußweg geflutet", berichtet ein Anwohner. Danach musste die Wehr noch einem Kameraden im Beerendorfer Anger zu Hilfe eilen. Auch sein Grundstück stand unter Wasser. "Bei ihrer Tour durch den Ort reinigte die Wehr zudem sämtliche Gullys, denn die seien zugesetzt gewesen", berichtete Wehrleiter Frank Giesel. Die Gemarkung Beerendorf müsse vom Unwetter besonders schwer heimgesucht worden sein, denn "wir haben auch einen Hagelschaden auf einem 90 Hektar großen Maisfeld", sagte gestern Gerhard Schladitz, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Beerendorf.

Wie schon vor sechs Wochen drückte am Sonntag wieder Wasser aus der Kanalisation zurück in Blöcke der Wohnungsgesellschaft (WGD) und der Wohnungsgenossenschaft in Delitzsch-Ost. "Praktisch in jedem Block wurde Nässe festgestellt. Bei einigen waren es nur Pfützen in anderen Kellern stand es 30 Zentimeter hoch", sagte Prokurist Lars Müller. Schwerpunkte waren die Gerhard-Hauptmann-, die Friedrich-Engels- und die F.-C.-Weiskopf-Straße. Die Plattenbauten im Delitzscher Osten blieben hingegen trocken. Dankbar äußerte sich der WGD-Prokurist über jene Mieter, die selbstständig begannen, die Keller wasserfrei zu bekommen, denn die WGD sorgte sich zunächst um Funktionsräume, in denen unter anderem die Heizungsanlagen stehen. Müller selbst war am Sonntagabend in der Bitterfelder Straße im Einsatz, um dort Keller auszupumpen. Die WGD will nun zum Problem des zurückstauenden Wassers das Gespräch mit dem Abwasserzweckverband Delitzsch (AZVD) suchen.

Dort war man froh, dass bis auf eine Ausnahme alle Pumpstationen durchgelaufen sind. Nur eine sei kurzzeitig nach Blitzeinschlag ausgefallen, so der technische Leiter Andreas Brauer. Ein Schwerpunkt aus Sicht des AZVD zeichnetete sich am Stadtwald ab, wo viele Häuser steile Garageneinfahrten haben. Rückstaus wurden dem AZVD auch aus der Holzstraße angezeigt. "Vorort werden wir prüfen, wo die Ursachen liegen", so Brauer.

Die Servicegesellschaft Delitzsch (SGD) war gestern vornehmlich mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Unter anderem musste die Bahnunterführung in der Karl-Marx-Straße entschlammt werden. Im Ortsteil Zschepen ist die 100-jährige Friedenseiche dem Sturm zum Opfer gefallen. Laut SGD war der Baum krank. Auch in Hohenroda und in Wölkau mussten je ein Keller ausgepumpt werden, heißt es von der Gemeinde Schönwölkau. In den anderen Ortsteilen aber sei die Lage weitgehend entspannt geblieben.

Die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) kamen ohne Feuerwehr aus. Doch zu tun hatten sie ebenfalls mehrere Stunden bis gegen Mitternacht. In der Kindertagesstätte Bummi, die vom DRK-Kreisverband Delitzsch betrieben wird, stand das Wasser im Keller rund einen halben Meter hoch. Unter anderem mit Nasssaugern wurden Speise-, Bewegungs- und Möbellagerraum wieder einigermaßen trocken gelegt. Glück im Unglück: Die Kita ist seit dem Wochenende in der Sommerschließzeit, also außer Betrieb. "Das Wasser drückt von draußen über den Kinderwagen-Aufgang rein", schilderte DRK-Kreisverbands-Vorstandsvorsitzender Christian Wolff, der vor Ort mit anpackte. Nass geworden war es auch im DRK-Servicezentrum im Erdgeschoss des Ärztehauses. "Wir hatten am Sonntagabend in beiden Einrichtungen vorsorglich nachgeschaut, weil wir dort schon vor sechs Wochen Wasser hatten." Christian Wolff möchte nun mit den Gebäudeeigentümern über nötige Maßnahmen sprechen, um künftig Überschwemmungen vorzubeugen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.08.2013

Steingen, Thomas

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