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Starkregen lässt Kameraden rotieren

Starkregen lässt Kameraden rotieren

Sintflutartige Regenfälle suchten am Sonntagabend große Teile des Landkreises Nordsachsen heim. Vor allem Wassereinbrüche und Sturmschäden waren die Folge. Der Starkregen sorgte für massive Einsätze der Feuerwehren.

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Die Sachsenstraße im Delitzscher Norden am Sonntagabend. Auf Höhe des Firmensitzes der Technischen Werke ist die Fahrbahn einschließlich des angrenzenden Garagenkomplexes auf der gegenüberliegenden Seite überflutet. Ein Pkw-Fahrer sucht sich die flachste Stelle zum Durchfahren.

Quelle: Alexander Prautzsch.

Kreisgebiet. Die Kameraden mussten allein im Stadtgebiet von Delitzsch 60 Mal ausrücken, in Eilenburg 17 Mal. Benndorf, Zschepen, Selben, Beerendorf, Schenkenberg, Pressen-Zschettgau, Laußig, Wölkau, Zschepplin, Krippehna, Naundorf, Doberschütz und Sprotta-Siedlung waren weitere Brennpunkte im Altkreis Delitzsch.

 

 

"Es gab eine Vielzahl an Einsätzen und große Wassermassen, die sich über den Landkreis ergossen. Nach bisherigen Erkenntnissen gab es keinen Personenschaden. Das ist die wichtigste Botschaft vom Sonntag. Vor allem mussten Keller ausgepumpt werden. In Eilenburg gingen Erde und Schotter im Bereich der Fischeraue ab. In Delitzsch fielen Dachziegel von einem unbewohnten Haus, in Döbernitz ist ein Baum auf die Straße am Kartoffelhof gefallen", fasste Landkreisdezernentin Angelika Stoye den Sonntagabend zusammen. Der Delitzscher Osten (Neubaublöcke) war besonders schwer und zahlreich betroffen. Petrus' Sonntagnachmittagslaune stellte auch eine Hausgemeinschaft in der Delitzscher Fuststraße auf die Probe: Bachartig stürzte das Wasser die Loberwiese hinunter. Lief über den Gully hinweg. Der schaffte den Anschwall nicht. Der Schreckensruf: Wasser im Keller. "Alle im Haus waren elektrisiert. Hinunter. Besen, Schrubber, Eimer - schippen, fegen, schöpfen. Doch wohin? Die Kanalisation schaffte den Schwall nicht. Ein anschlusslos endendes Rohr in der Nachbarschaft tat noch das Seine hinzu: Ein dicker Strahl stürzte da heraus. Wenigstens war der Regenschwall sommerwarm. Barfuß konnten wir darin herumpatschen. Zum Glück drehte Petrus bald den Wasserhahn und die Hagelschleuse zu", sagte Edith Dorothea Klisa.

In der Eilenburger Witrowsiedlung drückten Wasser und Fäkalien gegen 21 Uhr im Kellerbereich aus der Toilette eines Einfamilienhauses. Bewohnerin Gerda Günther berichtete, dass es "wie eine Fontäne aus der Toilette herausgeschossen kam". So schnell habe sie mit ihrem Mann gar nicht reagieren können. Es sei schließlich doch gelungen, das Toilettenbecken mit einer Decke zu verstopfen. Aber da war schon der komplette Keller unter Wasser gesetzt. Mit Eimern versuchten die Bewohner, die Räume leer zu schöpfen. Glücklicherweise kamen die Nachbarn mit Pumpe, Nasssauger und Wischeimern zur Hilfe. Gegen Mitternacht endete der Einsatz.

Hobby-Meteorologe Gerold Pitzinger aus Naundorf erzählte gestern, dass er so etwas noch nicht erlebt hat. Seit über 50 Jahren interessiert sich der ehemalige Zahnarzt für das Wetter. Er misst auch selber Niederschläge und trifft Vorhersagen. So auch am Sonntagabend: Sagenhafte 60 Liter gingen da auf den Quadratmeter nieder. "Ich habe den Himmel lange beobachtet und gesehen: Was sich da zusammenbraut, das war wie ein Weltuntergang. Der Regen kam zuerst aus Nordwesten, dann aus Norden und schließlich aus Nordosten. Wenn aus der Dübener Ecke Wetter kommt, dann wird es immer unheimlich", schilderte der 69-Jährige seine Beobachtungen. Gemessen hat er den Regen mit seiner elektronischen Wetterstation. © Seiten 27/29

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.08.2013

Frank Pfütze

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