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Delitzsch Steigt die Altersarmut in Delitzsch?
Region Delitzsch Steigt die Altersarmut in Delitzsch?
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06:00 25.03.2017
Die Tafel Delitzsch hat in der Leipziger Straße ihren Standort. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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Delitzsch

Das Armutsrisiko sei in Deutschland auf einem neuen Höchststand stellte der aktuelle Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands jüngst fest. Im Bereich Leipzig/Nordsachsen lag die Quote mit 22 Prozent höher als im Landesschnitt (18,6). Zugleich entwickeln sich die Bevölkerungszahlen so, dass es immer mehr Ältere gibt. Sind die armutsgefährdet oder gar davon betroffen?

Laut Landratsamt ist in Delitzsch die Anzahl der Empfänger von Leistungen der Grundsicherung im Alter gesunken. 2013 bis 2016 von 83 Leistungsempfängern auf nunmehr 65. Besieht man die Statistik für den Altkreis Delitzsch mit den Städten Eilenburg, Taucha und Schkeuditz ergibt sich ein ähnlich leicht rückläufiges Bild. Von knapp 250 sanken die Zahlen bis 2016 auf 200. Ein Trend, der sich für den Landkreis Nordsachsen nicht wiederfindet, dort pendeln die Zahlen um die 400 Bezieher. Das sagt zunächst aus, wie viele Leute diese Leistungen beantragen, nicht unbedingt etwas über den Bedarf. Fragt man dort nach, wo offensichtlich Bedarf herrscht, ergibt sich ein anderes Bild: So registrierte der Bundesverband Deutsche Tafel zuletzt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche, aber auch Senioren von Armut betroffen seien.

Immer mehr Senioren gehen zur Tafel

So habe sich die Zahl der Senioren, die auf die Unterstützung durch Tafeln angewiesen sind, mittlerweile verdoppelt. „Die Altersarmut steigt“, sagt auch Jutta Faak, Vorsitzende der Delitzscher Tafel. „Wir sehen, dass unsere Kunden mehr werden.“ Im Schnitt hat sie allein in Delitzsch derzeit 80 Bedarfsgemeinschaften (BGs) täglich von Dienstag bis Freitag. Hinzu kommen die Außenstellen in Laußig und Eilenburg sowie Hausbelieferungen für Behinderte und Kranke. Hinter einer Bedarfsgemeinschaft verbirgt sich eine Einzelperson oder eine Familie, die auf Hilfe angewiesen ist.

„Was mich sehr bedrückt, ist die Altersarmut. Das sind die Rentner, die eigentlich immer gearbeitet haben. Und mit ihrer Rente nun ganz einfach nicht mehr auskommen.“ Sie bedauere, dass es Menschen gebe, die Hemmungen haben, an die Tafel zu gehen. Auch diese würde die Tafel gern unterstützen. Mit 942 Euro pro Monat, das könne sich jeder ausrechnen, komme man nicht weit. „Selbst die, die eine Aufstockung bekommen, sind arm.“

Armutsgefährdet ab 942 Euro

Das Statistische Bundesamt spricht ab einem monatlichen Einkommen von 942 davon, dass jemand „armutsgefährdet“ sei. Der Wohlfahrtsverband nennt es arm. „Wenn jemand am Tag nur fünf oder zehn Euro zur Verfügung hat, sprich in der Woche 50 Euro, das ist schon heftig“, sagt Faak. Strom, Telefon, diese fixen Kosten haben diese Rentner auch. „Die nimmt ihnen auch keiner ab.“

Hinzu kommt, dass die Zahl derer, die im Alter mit wenig Geld auskommen müssen, nicht sinken wird. Das macht ein Blick in die Statistik der Bundesagentur für Arbeit klar. Laut der befanden sich im Oktober 3028 erwerbsfähige Leistungsberechtigte mit einem Alter von 55 Jahren oder älter im ALG II-Bezug des Jobcenter Nordsachsen, 2691 davon als Langzeitbezieher. Wie viele aufstockten, so Yvonne Lange, Pressesprecherin des Jobcenter Nordsachsen, könne sie nicht sagen, da dies aufgeschlüsselt erfasst werde. Die Zahl aller Aufstocker habe zur gleichen Zeit 250 betragen.

Von Manuel Niemann

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