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Straßenbau zum Delitzscher Schienenfahrzeugwerk auf der Kippe

Altlastenfund Straßenbau zum Delitzscher Schienenfahrzeugwerk auf der Kippe

Die neue Zufahrt zum Schienenfahrzeugwerk soll Betrieben wie auch Anwohnern Entlastung bringen. Der Werkstättenweg, bislang nur Sackgasse, wäre dann auch aus Richtung Norden erreichbar. Doch das millionenschwere Vorhaben steht auf der Kippe. Bodengrunduntersuchungen brachten unerwartete Ergebnisse zutage.

Die Lkw-Zufahrt Werkstättenweg führt an der Karl-Marx-Straße vorbei durch die Siedlung. Die neue Straße soll das ändern

Quelle: Kay Würker

Delitzsch. Das aktuell größte Straßenbauvorhaben in Delitzsch steht auf der Kippe. Die geplante neue Zufahrt zum Schienenfahrzeugwerk verläuft komplett über ein mit Abfällen kontaminiertes Gelände, wie jetzt bekannt wurde. Die Altlasten im Bereich des sogenannten Werkstättenteiches müssten im Zuge der Bauarbeiten entsorgt werden. Das ist zwar möglich, aber teuer. Deshalb will die Stadtverwaltung eine Alternativroute prüfen.

Wie berichtet, soll die neue Zuwegung Entlastung bringen. Vor allem fürs Schienenfahrzeugwerk, einen der größten Arbeitgeber in der Stadt. Ein Großteil der Waggons und Triebwagen erreicht das Unternehmen per Lkw – die Tieflader müssen dabei durchs enge Wohngebiet. Die Geschäftsführung hatte sich deshalb für eine neue Lösung stark gemacht, war bei der Stadtverwaltung schnell auf offene Ohren gestoßen. Die neue Trasse, so die Idee, würde an die Benndorfer Landstraße östlich der Bahnüberführung anknüpfen und westlich an der Kleingartenanlage Gute Hoffnung vorbei bis zum Werkstättenweg führen, der damit sein Sackgassen-Manko verlöre. Auch andere ortsansässige Betriebe sowie das Wohngebiet im Allgemeinen könnten von dieser Investition profitieren.

1,1 Millionen Euro Mehrkosten

Rasche Entscheidungen waren deshalb angesagt: Eigentlich sollte das Großprojekt noch vor der Sommerpause im Stadtrat beschlossen werden. Für Juli war der Fördermittelantrag avisiert, für Spätherbst der Baubeginn. Dieser Zeitplan ist allerdings nun über den Haufen geworfen. Im Wortsinn. Ein Haufen Abfälle macht Ärger. „Im Zuge der Planungen fanden Bodengrunduntersuchungen statt, die unerwartete Ergebnisse zutage förderten“, berichtete Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos) auf Anfrage. „Beprobungen an verschiedenen Stellen der Strecke ergaben, dass der komplette vorgesehene Verlauf erheblich belastet ist.“ Schöne bezifferte die grob geschätzten Mehrkosten für die Altlastenbeseitigung auf rund 1,1 Millionen Euro. Damit würde sich das Bauprojekt um 44 Prozent auf etwa 3,6 Millionen Euro verteuern. „Wir haben zunächst alles gestoppt“, so der Bürgermeister.

Die Altlasten vor Ort sind offenbar über Jahrzehnte abgelagert worden. Dabei war der Werkstättenteich bis in die 1970er-Jahre ein beliebtes Bade- und Ausflugsziel, erinnert sich Bauamtsleiter Karl-Heinz Koch. „Erst als dort Munitionsreste gefunden wurden, die man offenbar nach dem Krieg in den Teich gekippt hatte, war Schluss. Das Areal wurde für die Öffentlichkeit gesperrt und verkam zur Müllhalde.“ Alles lange bekannt im Rathaus. „Was wir nicht wussten: Die Ablagerungen sind viel ausgedehnter als das alte Teich-Areal“, sagte Thorsten Schöne. Gefunden worden sei unter anderem auch Teerpappe und Sperrmüll.

Alternativroute soll geprüft werden

Eine weniger belastete Alternativroute müsse nun geprüft werden. Die sei allerdings mit einem stärkeren Eingriff ins Betriebsgelände verbunden. Neue Gespräche mit Grundstückseigentümer und Werksinvestor Hermann Weise sind nötig. Inwieweit Einigung erzielt wird, ist offen. Immerhin: Die Fördermittelgeber – Bund, Land und EU – würden sich laut Stadtverwaltung voraussichtlich auch an möglichen Mehrkosten mit einem 90-Prozent-Zuschuss beteiligen, für den Straßenbau wie auch für die Altlastenentsorgung. Für die Stadt bliebe der Eigenanteil – und ein Unsicherheitsfaktor.

Und wie steht es um die Sicherheit der Anwohner angesichts des kontaminierten Bodens? „Die Altlastenverdachtsfläche wurde in den 1990ern im Rahmen einer Sanierung abgedeckt. Die Sicherung diente dem Schutze des Grundwassers“, erklärte Karl-Heinz Koch. Der Bergbausanierer LMBV betreibe zudem eine Grundwasser-Messstelle im Wohngebiet Werbener Teiche. Dort werde neben dem Pegelstand auch die Qualität kontrolliert. Belastungen seien nicht bekannt.

Von Kay Würker

Delitzsch Werkstättenweg 51.536657149356 12.345080530689
Delitzsch Werkstättenweg
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