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Streetparade gegen Nazis: Delitzscher machen mobil gegen Intoleranz

Streetparade gegen Nazis: Delitzscher machen mobil gegen Intoleranz

Das Delitzscher Aufbegehren gegen Intoleranz wächst zur Tradition heran. Bereits zum dritten Mal versammelten sich am Sonnabend Bürger und Gäste der Stadt zur Kundgebung unter der Überschrift "No dancing with nazis", gefolgt von Workshops und Gesprächen und einem sechsstündigen Konzertmarathon in der Nacht zu gestern.

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Die Band Berliner Weisse rockt im Delitzscher Jugendhaus YOZ.

Quelle: Alexander Prautzsch

Delitzsch. Der Veranstalter, der Delitzscher Verein Kultur und Zukunft (KuZ), zählte rund 140 Teilnehmer. "Ich finde es klasse, dass geschätzte zwei Drittel der Menschen, die hier Gesicht zeigen, aus Delitzsch sind", sagte Toni Müller vom KuZ. Die übrigen kamen vorwiegend aus Leipzig, reisten per Bahn an. Darunter auch die Landtagsabgeordnete Juliane Nagel (Linke) sowie Vertreter des Projektes Chronik-LE, das rassistisch motivierte Straftaten dokumentiert. Gegen 15.30 Uhr setzte sich der Demonstrationszug am Unteren Bahnhof in Verbindung. Die sogenannte Streetparade führte durch die Eilenburger, Linden- und Securiusstraße in Richtung Delitzsch-Nord. "Zeigt Gesicht für ein tolerantes Delitzsch", lautete die zentrale Forderung, ausgerufen über den Lautsprecherwagen, den der Leipziger Sportverein Roter Stern angerollt hatte. Gesicht gezeigt wurde tatsächlich, aber eher an den Fenstern am Straßenrand. "Ich würde mir wünschen, dass die Zuschauer von heute sich beim nächsten Mal auf der Straße anschließen", sagte Toni Müller. Rechtsradikalen Aktionen in Delitzsch etwas entgegenzusetzen, darum gehe es, erklärte KuZ-Sprecherin Karoline Kissing. Damit stehen die Vereinsleute nicht alleine. Mitstreiter des Schalom-Begegnungszentrums reihten sich erstmals ein. Auch die Stadtverwaltung und der Stadtrat beteiligten sich. Weniger augenfällig, aber doch wirkungsvoll. Der KuZ erhielt 2000 Euro Förderung auf Beschluss des Kulturausschusses.

Das Geld aus dem kommunalen Vereinsfördertopf wurde für das bunte Programm eingesetzt, das auf die Demo folgte: Workshops und Konzerte im Jugendhaus Yoz. Mit dabei zum Beispiel Solveig Prass von der Eltern- und Betroffenen-Initiative gegen psychische Abhängigkeit. Kein Platz im Workshop-Raum blieb leer, als sie über die gemeinsamen historischen Wurzeln von Rechtsideologien und brauner Esoterik sprach. Die Opferberatung des Vereins RAA Sachsen informierte über Möglichkeiten, sich gegen rechte Gewalt zur Wehr zu setzen. Im Workshop des Vereins Eduventis wurde der Toleranz-Gedanke im Rap verarbeitet, das Schalom-Zentrum lud zur Diskussion über gewaltfreien Widerstand.

"Ich freue mich, dass dieses No dancing with nazis so gut gelaufen ist", resümierte Toni Müller. Und dankte allen geld- und tatkräftigen Unterstützern, darunter auch die Amadeu-Antonio-Stiftung, die 1000 Euro beisteuerte. Immerhin: Viele Kosten waren zu decken, nicht zuletzt für die Musik. Eine ganze Riege von Bands - darunter namhafte Formationen wie Berliner Weisse und Skarface aus Frankreich - holte der KuZ ins Yoz..

Die Polizei meldete bis gestern keine besonderen Vorkommnisse. Etwa 80 Beamte, darunter auch Bereitschaftspolizei aus Dresden, sicherten insbesondere die Demo ab. Die Bundespolizei sondierte zuvor per Hubschrauber die Bahnstrecke Leipzig-Delitzsch. Die Ereignisse von 2013, als am Tag der Streetparade Reifen auf den Gleisen brannten, sollten sich nicht wiederholen. Zu tun gibt es allerdings noch im Yoz: Neue Sofas werden gebraucht. Bei der Buttersäure-Attacke in der Nacht zum Freitag (wir berichteten) wurden mehrere Polstermöbel in Mitleidenschaft gezogen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.11.2014

Kay Würker

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