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Delitzsch Susanna Karawanskij fühlt sich weiter in Nordsachsen verwurzelt
Region Delitzsch Susanna Karawanskij fühlt sich weiter in Nordsachsen verwurzelt
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09:16 15.01.2019
Während der Wahlversammlung im Bürgerhaus Eilenburg. Quelle: Kathrin Kabelitz
Eilenburg/Potsdam

Wie überbrückt man die Auszählzeit nach einem Wahlgang? Nordsachsens Linke hatten dafür bei Wahlversammlung und Kreisparteitag am Samstag in Eilenburg, als mit Christian Stoye, Luise Neuhaus-Wartenberg und Michael Bagusat-Sehrt die Direktkandidaten für den Landtagswahlkampf bestimmt wurden, eine einfache Lösung. Schließlich haben sie mit Susanna Karawanskij eine Sozialministerin in ihren Reihen. Nach über 100 Tagen in einem der größten brandenburgischen Ämter wollten die Genossen von ihrer einstigen Kreisvorsitzenden wissen: „Susanna, was machst du jetzt eigentlich?“

Bammel vor der ersten Kabinettssitzung

Als die Leipzigerin Ende September an ihre Nachfolgerin Luise Neuhaus-Wartenberg übergab, versprach sie, dass sie trotz ihrer neuen Tätigkeit in einem anderen Bundesland mit der Leipziger Region verbunden bleibe und ihre politische Heimat eindeutig Nordsachsen sei. Und so leistete sie Basisarbeit, als sie gemeinsam mit Kreistags-Fraktions-Chef Michael Friedrich im Podium saß, die Redezeit der potenziellen Landtagskandidaten stoppte, das Wort an Gäste erteilte und die Tagesordnung abarbeitete.

Susanna Karawanski (Die Linke), brandenburgische Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, spricht im Landtag während der Debatte zum Arzneimittelskandal. Foto: Ralf Hirschberger/dpa Quelle: dpa

Und wie geht es ihr als Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie? Susanna Karawanskij erzählt lebhaft und nah von ihrem neuen Alltag. Vor ihrer ersten Kabinettssitzung habe sie Herzklopfen gehabt: „Ich dachte, ich muss die fetten Ordner alle auswendig lernen.“ Schnell habe sie aber gemerkt, „so dramatisch ist es nicht“, weil in der Staatssekretär-Runde zuvor alles besprochen werde, die Ministerien arbeitsteilig und Stück für Stück den Koalitionsvertrag abarbeiten. „Was nicht heißt, dass man sich nicht auch zofft, so wie bei der Migrationsfrage“, erzählt Karawanskij von Debatten mit dem SPD-Innenminister, der Abschiebung als notwendig und als Landessache sieht. Ihr Ministerium dagegen, dem auch die Integrationsbeauftragte angehört, will ein anderes Verfahren, das bei den Kommunen angesiedelt ist. Auch zur Verweildauer in den Aufnahmelagern gäbe es sehr unterschiedliche Ansichten.

Stolz auf erste Gesetzes-Unterschrift

Im Vergleich zu ihrer früheren Tätigkeit als nordsächsische Bundestagsabgeordnete (2013 bis 2017) schätzte die einstige stellvertretende Parlamentarische Geschäftsführerin und Sprecherin für Kommunalfinanzen sowie Ostbeauftragte der Bundestagsfraktion ein: „Das jetzt ist schon ein Zacken schärfer, auch wenn es nicht so oft Plenumssitzungen wie im Bundestag gibt.“ Als Ministerin bestehe für sie in den Landtagssitzungen Anwesenheitspflicht, ebenso bei den Ausschuss-Sitzungen und Haushalts-Beratungen. Mittlerweile habe sie ihre erste Richtlinie unterschrieben. Das habe sie schon „dolle stolz gemacht“, sagte Karawanskij, „weil ich weiß, ich unterschreib das jetzt und dann ändert sich was. Natürlich ist alles vorberaten, aber erst mit der Unterschrift der Bundesministerin und meiner wird nun wirksam, dass das Land Brandenburg die ersten drei Versuche einer künstlichen Befruchtung für verheiratete aber auch unverheiratete Paare unterstützt.“ Ihre Unterschrift als Ministerin habe sie nun auch unter das Kurorte-Gesetz gesetzt, das nach 24 Jahren zum ersten Mal novelliert wurde.

Karawanskij lebt weiter in Leipzig

Als schwierig empfindet die 38-Jährige den Spagat zwischen Gesetzen, die sie nicht so gut finde, wie das Bundesteilhabe-Gesetz, „das man als Mitglied der Landesregierung aber umsetzen und dabei die beste Lösung für alle Seiten finden muss“. In Münster sei sie bei der ersten Arbeits- und Sozialministerkonferenz auf ihre Amtsbrüder- und -schwestern getroffen. Schön sei, dabei zu erfahren, dass Minister mit anderen Parteizeichen die eigenen linken Positionen teilen und das Abstimmungsverhalten zwischen den Ländern nicht immer nur parteiabhängig sei, man argumentieren und den einen oder anderen gewinnen könne.

Karawanskij, die mit Mann und Tochter in Leipzig wohnt und dort weiter leben will, zieht ein positives Fazit: „Es macht Spaß und ich würde das gern noch weiter machen, auch wenn es anstrengend ist. In Nordsachsen möchte ich aber weiter verwurzelt bleiben und das ist auch gut so.“

Von Kathrin Kabelitz

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