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Delitzsch Sven Krallemann krallt sich Bäume aus dem Seelhausener See
Region Delitzsch Sven Krallemann krallt sich Bäume aus dem Seelhausener See
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14:26 19.05.2015
Mit seinem Schwimmbagger greift Sven Krallemann Bäume samt Wurzeln und zieht sie aus dem Seelhausener See. Quelle: Wolfgang Sens
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Löbnitz

Auf ihm sitzt Sven Krallemann. Seit inzwischen vier Wochen macht er seinem Namen auch hier bei Löbnitz alle Ehre, krallt im flacheren Bereich auf einer Fläche von etwa 38 Hektar nach den Bäumen im Wasser. "Die größeren köpfe ich drei Meter unter der Wasseroberfläche", erklärt er. "Im flacheren Gewässer ziehe ich aber auch schon mal den ganzen Baum samt Wurzel raus."

So wie bei der LVZ-Stippvisite. In diesem Fall geht Watermaster, wie die offizielle Bezeichnung für Lurch lautet, vorn auch schon mal ein bisschen in die Knie, also unter Wasser. "Aber keine Bange", da passiert nichts" so der Schönebecker, der auch schon auf der Nordsee auf Montage war und sich über die Arbeitsstelle in der Nähe seines Wohnortes freut. Doch viel Zeit zum Erzählen bleibt nicht. Schließlich soll der Baumrest ans Licht. Zwei Schwimmer an den Seiten stabilisieren den Watermaster. Zusätzlich setzt Sven Krallemann in 4,80 Metern Tiefe die beiden hinteren Abstützer ein. Bis 6,50 Meter lassen sich diese ausfahren. Und für jedes hat er ein Pedal genau dort, wo sich im Auto Gas und Bremse befinden.

Im Monitor sieht der 48-Jährige, der vor 20 Jahren den Sitz im Lkw mit dem auf dem Schwimmbagger tauschte, den Baum oder das, was davon übrig ist. "Das Rausholen der Bäume, dass ist ein bisschen wie Computerspielen, nur größer." Bei der Bergung selbst behält er aber nicht nur den Bildschirm, sondern auch das Druckmessgerät im Blick und erläutert: "Mit mehr als 200 Bar Druck sollte die Baumschere nicht gefahren werden." In diesem Fall kein Problem. Es ruckt kurz und schon durchbricht die Wurzel die Wasseroberfläche. Mit dieser voran tuckert er nun mit gemütlichen sieben Knoten, was in etwa zwölf Stundenkilometer sind, zum Ufer. Dort wird er auf einem offenen Wasserfahrzeug ohne eigenen Antrieb, bis zur endgültigen Entsorgung abgeladen. "Das ist so vorgeschrieben. Nur an Stellen, wo der See tiefer als fünf Meter ist, wird der Baum in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden im See versenkt."

Rund 150 Bäume holt Sven Krallemann aus dem See, was mal schnell geht, in anderen Fällen auch ein Geduldsspiel ist. Denn nicht alle lassen sich gut greifen. Doch Entkommen tut letztendlich keiner. Statt der Baumschere trägt Lurch nun inzwischen bis Mitte Dezember einen Rechen voran. Sven Krallemann harkt noch einmal durch das Gebiet, kann so auch kleineres Gehölz lichten. Und bevor Lurch ganz vom See verschwindet, werden auch noch Vermesser mittels Echolot prüfen, ob wirklich alles weg ist. Schließlich stellt so ein Baum unter Wasser beispielsweise für das Schwert eines Segelbootes schon eine ernste Gefahr dar. "Wenn statt Lurch dann die Boote auf dem See sind, dann komme ich auf jeden Fall noch einmal vorbei", verspricht der Schwimmbaggerfahrer am Schluss. Auch wenn er weiß, dass dies noch eine ganze Weile dauern wird. Doch der See, so ist er überzeugt, "der hat was".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.11.2014
Ilka Fischer

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