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Tablet-PCs helfen Feuerwehren in Nordsachsen bei der Unfallrettung

Ausstattung Tablet-PCs helfen Feuerwehren in Nordsachsen bei der Unfallrettung

Mehr als 400 Tablet-PCs wurden 2015 vom Innenministerium an die Feuerwehren in Sachsen verteilt. Während bei einigen Wehren die iPads ungenutzt im Schrank liegen, werden sie in Nordsachsen von vielen Kameraden gerne genutzt – wenn auch mit Einschnitten.

Wo Feuerwehrleute das Rettungsgerät am besten ansetzen, kann über die Apps auf dem Feuerwehr-Tablet geklärt werden. In diesem Falle handelt es sich um eine Übung der Delitzscher Kameraden.

Quelle: Christine Jacob

NORDSACHSEN. Es war ein Geschenk des Innenministeriums, das die Feuerwehren in Sachsen vor gut einem Jahr beglückte. Mehr als 430 Gemeinden erhielten jeweils ein iPad Air 2 – kostenlos. Doch nicht alle Wehren haben dieses Angebot angenommen, 30 Geräte wurden mangels Interesse nicht abgeholt. Im Landkreis Nordsachsen sind die Wehren aber zufrieden mit den Geräten, wenn auch nicht mit allen Details, die damit einhergehen. Denn die Technik auf dem Pad allein reicht eben noch nicht aus.

Zeitersparnis und praktische Hilfe

Ein paar Klicks oder ein schneller Foto-Scan des Kennzeichens, ein bisschen scrollen. Fertig. In wenigen Sekunden weiß Andreas Pradel, stellvertretender Wehrleiter in Delitzsch, schon, was für eine automobile Herausforderung er und seine Kameraden da vor sich haben. Rettungskarten zu Autos zeigen auf, welche Verstrebungen zum Beispiel in einem Fahrzeug wie verbaut sind und wo wichtige Bauteile wie der Antrieb, der Tank, Airbags oder die Gurtstraffer sitzen. „Das ist richtig praktisch“, schätzt der Feuerwehrmann ein. Ging bislang mitunter viel Zeit verloren, wenn komplexe Fahrzeugkonstruktionen nach einem Unfall zerschnitten werden mussten, wissen die Einsatzkräfte dank der neuen Mini-Helfer in App-Form auf dem Tablet sofort, wo sie Schere und Spreizer am besten ansetzen sollten – gerade bei nicht so bekannten Fahrzeugmodellen oder sehr neuen.

Auf dem sogenannten HLF der Delitzscher Feuerwehr fährt auch das Feuerwehr-Tablet mit

Auf dem sogenannten HLF der Delitzscher Feuerwehr fährt auch das Feuerwehr-Tablet mit.

Quelle: Christine Jacob

Die Feuerwehr Delitzsch nutzt das Gerät gerne, die Kameraden schätzen unter anderem, dass sie schnelle erste Infos etwa zu Gefahrgütern checken können. Auch Karten des Hydrantennetzes liefert das Tablet den Einsatzkräften, die Delitzscher haben sich die Daten unkompliziert beim Wasserversorger geholt. Gerade im Winter, wenn Unterflurhydranten von Schnee bedeckt schwerer zu finden sind, ist das ein zeitsparender Vorteil in einem Metier, in dem jede Sekunde zählt. „Durch den Internetanschluss könnten wir das Tablet auch mal als Navigationsgerät benutzen“, nennt Andreas Pradel einen weiteren Vorteil, „gerade wenn wir überörtlich zum Einsatz kommen.“

Zudem könnten Einsätze mit dem Tablet sehr gut dokumentiert werden, beispielsweise mit Fotos und Videos. Einzig die Atemschutzüberwachung wird als nicht so praktikabel eingeschätzt und weiterhin lieber per Hand gemacht. Das Tablet fährt auf dem Hilfeleistungslöschfahrzeug mit, das bei der Delitzscher Wehr als sogenanntes Hauptangriffsfahrzeug und als erstes rollt. Auf dem Fahrzeug liegen auch Schere und Spreizer. Das Pad ist also bei so gut wie jedem Einsatz dabei.

So ist es auch in Oschatz. Dort kommen insgesamt drei Pads zum Zuge. Im Einsatzleitwagen (ELW), auf dem Hauptangriffsfahrzeug und beim Stadtwehrleiter sind die Tablets untergebracht. „Das Nachschlagen in Büchern fällt weg, das bringt Zeitersparnis und ist bedeutend besser“, betont Wehrleiter Lars Natzke.

Bislang eher selten eingesetzt hat die Feuerwehr Eilenburg das Tablet, schildert der stellvertretende Wehrleiter André Zimmermann. Das liegt aber nicht am Gerät, sondern an den Einsätzen – bei dem letzten schweren Autounfall mit zwei Toten zum Beispiel sei die Rettungskarten-App nicht mehr nötig gewesen, wussten die Einsatzkräfte, wie mit dem schon älteren BMW zu verfahren ist. Das iPad fährt bei den Eilenburger Kameraden beim Einsatzleiter mit. Dieser – beschäftigt mit der Koordination des ganzen Geschehens – gibt den Minicomputer dann vor Ort an einen Kameraden weiter. Insgesamt schätzen die Eilenburger das Gerät als Erleichterung ein.

Virtuelle Technik braucht reale Technik

Als gute und sinnvolle Ergänzung in der heutigen Zeit schätzt auch Uwe Försterling, Gemeindewehrleiter der Schönwölkauer Feuerwehr, das Tablet ein. Auch die Kommune hat sich ihr iPad abgeholt. Benutzt wird es aber kaum. Der Gemeindewehrleiter bringt es zu großen Einsätzen mit, um mit dem Gerät Führungsaufgaben zu unterstützen. Einem einzelnen Fahrzeug kann man es nicht dauerhaft zuordnen. Denn einen Kommando- oder Einsatzleitwagen wie die großen Stadtwehren hat Schönwölkau als klassische Wehr auf dem Lande eben nicht. Auf jedem einzelnen Wagen liegen dafür Hydrantenkarten – ausgedruckt. Die Technik hat ihre Grenzen in der Realität: „Wir haben keine Schere und keinen Spreizer, eine Rettungskarte bringt uns also nicht viel“, sagt Uwe Försterling.

Von Christine Jacob

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