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Tausende Euros Außenstände: Delitzscher Kleingärten haben Ärger mit Schuldnern

Mahnverfahren Tausende Euros Außenstände: Delitzscher Kleingärten haben Ärger mit Schuldnern

Es ist eines der größten Probleme in Delitzscher Kleingärten: Mahnverfahren. Wenn Pächter nicht zahlen, trifft das die Vereine besonders hart und schnell schaukeln sich hohe Summen auf. Die Vereine sind oft machtlos.

So idyllisch wie das Klischee besagt ist das Kleingartenleben doch nicht.

Quelle: Christine Jacob

Delitzsch. Der eine Fall liegt jetzt seit fünf Jahren bei Gericht und summiert sich in die Tausende, inzwischen stapeln sich die Akten weiter beim Anwalt und das Vereinskonto hier wie da schrumpft. Zahlungsschuldner sind derzeit ein großes Problem in Delitzscher Kleingärten. „Von 54 Sparten im Verbandsgebiet gibt es nur drei ohne Mahnverfahren“, alarmiert Anke Reisdorf, amtierende Chefin des Kreisverbandes der Kleingärtner Delitzsch.

Fast 100 Prozent der Delitzscher Anlagen betroffen

Dabei kann man nicht sagen, dass diese drei Sparten etwas richtig und die anderen Fehler machen würden – sie hatten einfach nur Glück. Auf dieses müssen sich die Vereinsvorstände nämlich verlassen, wenn sie Gärten an Interessenten abgeben. „Wir können uns nur auf unser Bauchgefühl verlassen“, schildert Anke Reisdorf. „Einen Garten abzugeben ist immer eine hohe Vertrauensfrage, weil wir nicht in die Leute reinschauen können oder die Schufa fragen.“ Können sich Wohnungsvermieter noch weitgehend gegen Mietnomaden und andere Ärgernisse wappnen, indem sie zum Beispiel Einkommensverhältnisse abfragen, haben Kleingärtner diese Handhabe so nicht. Lügen potenzielle Pächter, können die Vereinsvorstände dem nur schwer beikommen. Und der Ärger fällt meist erst zur jährlichen Zahlung im Herbst auf. Die sichtbaren Folgen: leerstehende und verwilderte Gärten, für die die Vereine keine Handhabe haben, solange der Pächter nicht offiziell rausgeklagt ist – es wäre Hausfriedensbruch, dort auch nur den Rasen zu mähen. Zwar gibt es vor allem in den sehr großen und in den ländlichen Sparten trotz aller neuen Gartenlust generell auch immer Leerstand, oft hängt dieser aber mit solchen Verfahren und eben nicht zu geringer Nachfrage nach Kleingartenparzellen zusammen. Die Lauben in solchen Parzellen verfallen zusehends, der Garten wird immer unattraktiver für andere Nutzer.

Tausende an Außenständen

Abgesehen von dem unschönen Wildwuchs inmitten gut gepflegter Sparten werden die Vereine vor allem finanziell belastet. Ein Beispiel: In den knapp 200 Gärten der Sparte „Rosenthal“ nahe des Delitzscher Tiergartens gibt es 25 solcher Fälle mit Schuldnern, die teilweise seit fünf Jahren ungeklärt sind. Pro Jahr und Garten fallen laut Verein 600 bis 1000 Euro Außenstände an Pacht, Vereins- und Verbandsbeiträgen, Wasser und Strom an. Mindestens 15 000 Euro Außenstände belasten so also jährlich den Verein, weil sie schlicht in der Kasse fehlen und auch nicht reingeholt werden können, solange der Garten im Verfahren steckt. Die Tippel-Tappel-Tour ist zäh. Solange die Fälle bei Gericht liegen, und dort genießen sie nicht oberste Priorität, könne der Vorstand nicht rein und ran an den Garten und muss zusehen, wie er weiter den Bach runtergeht, schildert Spartenchef Jens Ryll. Aber selbst wenn es so wie im Falle der 17 Gärten kleinen Anlage Wiesengrund in Benndorf bei nur einem Fall und 150 Euro Schulden bleibt, ist das viel Geld für ehrenamtlich arbeitende Vereine. Die Vereine selbst dürfen nur abmahnen, Kündigungen können nur über den Kreisverband als Hauptpächter ausgesprochen werden. So stapeln sich beim Kreisverband die Aktenordner mit Verfahren, nimmt die Arbeit kein Ende.

Inzwischen arbeiten die Delitzscher Vereine verstärkt gegen dieses Problem. Es gibt Schulungen zum Thema Abmahnung und es entwickelt sich ein dichtes Netzwerk zum Austausch untereinander.

Von Christine Jacob

Delitzsch 51.525574 12.3380993
Delitzsch
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