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Temposünder bereichern Delitzscher Stadtkasse um 38 000 Euro

Straßenverkehr Temposünder bereichern Delitzscher Stadtkasse um 38 000 Euro

Dem Geschwindigkeitsmessgerät des Delitzscher Ordnungsamts entgeht nichts. 33 300 Fahrzeuge erfasste die Hochleistungstechnik von April bis September. Da sie bei Tageslicht keinen Blitz benötigt, bleibt sie oft von den Fahrern unerkannt. Was sich für die Stadt durchaus rechnet.

Die Foto-AG (erste bis dritte Klasse) der Grundschule am Rosengarten fotografiert den Blitzer der Stadt Delitzsch vor dem Schulgebäude. Auch vor ihrer Schule wird die Anlage oft installiert. Die Straße ist viel befahren und es kommt auch häufiger vor, dass hier jemand zu schnell ist. Die Kindereinrichtung in unmittelbarer Nähe rechtfertigt die strengen Kontrollen.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Eine stolze Halbjahresbilanz: Auf der Jagd nach Temposündern verhängte das Delitzscher Ordnungsamt Verwarn- und Bußgelder sowie Gebühren und Auslagen in Höhe von 38 316 Euro. Etwa 33 300 Fahrzeuge wurden von April bis September kontrolliert. Das sind circa 2000 mehr als noch im selben Zeitraum im Vorjahr. An 39 Einsatztagen wurde 72 Mal an wechselnden Standorten geblitzt. Ein leichter Trend nach oben wird damit fortgesetzt. Bereits im Anfang 2016 kam man auf diese Zahl. In der zweiten Jahreshälfte 2015 waren es noch 64. Die Stadt nahm da rund 25 000 Euro ein. Allein die mit einem Verwarngeld quittierten Ordnungswidrigen stiegen jetzt von rund 1000 im Vorjahr auf 1300 Fälle. Der Großteil davon, nämlich rund 96 Prozent, bewegt sich im unteren Bereich mit Überschreitungen bis 15 Kilometern pro Stunde.

1506 Verfahren eröffnet

Insgesamt wurden 1506 Verfahren eröffnet. Die wenigsten Temposünder erwartet jedoch ein hohes Verwarn- oder Bußgeld. Negativausreißer wie ein Fahrer, der bei erlaubten 70 km/h mit 134 Stundenkilometern unterwegs war, sind die Ausnahme. Lediglich vier Fahrverbote mussten festgesetzt werden. Über zwei Verfahren entscheidet das Amtsgericht.

Das Augenmerk liege laut Stadtverwaltung nicht auf Unfallschwerpunkten, sondern auf Orten, an denen sich „besonders schutzbedürftige Personen“ aufhalten. Rund ein Viertel der Messorte befanden sich dort, wo besonders oft Behinderte, Kinder oder Senioren unterwegs sind. Die Kontrollen sind jedoch nicht nur auf solche Orte beschränkt, sondern erfolgen flächendeckend, auch präventiv. Dabei verlässt sich die Stadt auch auf die Hinweise ihrer Bürger: Die größte Zahl der Einsätze, 36 Prozent, erfolgten aufgrund von Hinweisen. Der Rest der Messungen fand im Umfeld von Zufahrtsstraßen zur Stadt (22 Prozent) und (zu 16 Prozent) an Unfallschwerpunkten oder innerstädtischen Geschwindigkeitsbeschränkungen statt.

Viele Verstöße bei Tempo 30

Rund die Hälfte der Messungen entfiel dabei auf Bereiche mit erlaubten 50 Stundenkilometern. Fast ein weiteres Drittel verteilte sich auf Tempo-30-Zonen. Bereiche mit einer zulässigen Geschwindigkeit von 70 und 80 km/h wurden zu 19 Prozent kontrolliert, bei dem Bereich von 100 Stundenkilometer kam es lediglich zu Stichproben.

Ein Blick in die Statistik des Ordnungsamts verrät, dass Geschwindigkeitsverstöße sehr oft in Tempo-30-Zonen entstehen. Die Statistik führt hier die Sachsenstraße an. Ähnlich sah es in der Halleschen oder der Marienstraße aus. Relativ oft, wenn auch nicht im hohen Maße, werden zulässige 50 km/h überschritten. Weshalb die Messanlage auch dort oft aufgebaut wird. Ganz vorn lag hier die Richard-Wagner Straße, in der das Behindertenzentrum liegt. Sechs Mal bauten die Ordnungshüter ihre Messstation dort auf. Gefolgt wird dieser Standort von der Dübener Straße, der Eilenburger Chausee und, nimmt man die beiden Messstandorte für 50 und 30 km/h zusammen, in der Sachsenstraße. Hier rechtfertigen Schulwege, die Nähe zu Kleingärten oder zum Jugendzentrums Yoz und die angrenzende Bushaltestelle die Kontrollen.

Blitzer, der nicht blitzt

Es erwischt die Fahrer aber auch beim Einrollen in Stadt. Unauffälliger bleibt da die Securiusstraße. Ein Grund könnte hier, so Nadine Fuchs, die Pressesprecherin der Stadt, die Wohnbebauung sein. Diese signalisiere Verkehrsteilnehmern, dass sie sich in einer geschlossenen Ortschaft befinden. Entsprechend baute das Ordnungsamt dort auch nur drei Mal auf. Ähnlich unergiebig ist statistisch gesehen der Schulstandort in der August-Bebel-Straße. Nur noch gelegentlich finden dort Kontrollen statt. Er gilt als sicher.

Seit 2010 verfolgt die Stadt Temposünder im Stadtgebiet selbst. Zum Einsatz kommt dabei das eigens angeschaffte Geschwindigkeitsmessgerät „Leivtec XV3“. Die lichtempfindliche Technik macht es möglich, bei Tagesmessungen auf ein Blitzlicht zu verzichten. Mancher Autofahrer merkt es mitunter erst, wenn der Bescheid kommt, dass er erfasst und geblitzt wurde.

Von Manuel Niemann

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