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Tiefensee: In zehn Jahren wird Schönwölkau nicht mehr existieren

Tiefensee: In zehn Jahren wird Schönwölkau nicht mehr existieren

WÖLKAU. "Es gibt doch nichts zu feiern", winkt der Schönwölkauer Bürgermeister Volker Tiefensee (CDU) ab, wird er auf das 20-jährige Bestehen "seiner" Gemeinde angesprochen.

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Blick auf Wölkau.

Quelle: Wolfgang Sens

Eine Torte haben ihm seine Mitarbeiter trotzdem spendiert, um an die Gründung im Januar 1995 zu erinnern. 20 Jahre immerhin ist er damit auch der Bürgermeister dieser Großflächengemeinde.

"Schönwölkau ist eine Trutz- und Frustgemeinde", nennt es Tiefensee überspitzt, dass diese Gemeinde überhaupt existiert. Damals 1995 wie heute zählen Einwohnerzahlen, Kostenfaktoren und Verwaltungsoptimierung. Aus den fünf kleinen zuvor eigenständigen Gemeinden Badrina, Brinnis, Wölkau, Lindenhayn und Hohenroda, die selbst bereits Orte wie Scholitz eingemeindet hatten, wird Schönwölkau gebildet, der Badrinaer Tiefensee - über mangelnde Beliebtheit konnte er nicht klagen - zum ehrenamtlichen Bürgermeister. Ein Posten, den er bis heute neben seinem Landtagsmandat ausübt. Politik sieht Tiefensee als Arbeit im Dienst der Bürger. Und die will er möglichst intensiv beteiligen. "Als sich die Gemeindereform abzeichnete, habe ich etwa im Dezember 1993 schon im Mitteilungsblatt aufgerufen, einen Namen für die neue Gemeinde zu finden", erinnert sich der Zweimetermann. 19 Personen hätten fast 90 Vorschläge gemacht. Kunstgriffe wie Leinebach, Lindenroda, Mittelleine oder Schönbach hätten es doch auch werden können. Per Bürgerbefragung entstand schließlich Schönwölkau.

Bald schon, gibt Tiefensee auf Nachfrage zu, wird die Namensfindung wieder eine Rolle spielen. "In fünf Jahren existiert Schönwölkau vermutlich noch", sagt er, "in zehn Jahren nicht mehr." Es werde neue Gemeindegebietsreformen geben - wieder aus finanziellen Gründen. "Die Verwaltungsgemeinschaft ist doch nur ein Übergang", sagt er. Den Zusammenschluss mit Löbnitz und/oder Krostitz könne man also nicht ausschließen. "Ob wir dann Krolö heißen oder Lökro wird man sehen", witzelt der Bürgermeister gern. Es gebe nun einmal Zweckehen, die sich durchsetzen und bewähren würden und die von Gemeinden zählten dazu. Viel mehr ist es nicht, das hat der lange und lang gediente Bürgermeister beobachtet: "Die Leute identifizieren sich mit ihren eigentlichen Dörfern, bleiben zu 80 oder 90 Prozent ein Badrinaer oder Hohenrodaer, aber bezeichnen sich kaum als Schönwölkauer." Der Charakter dieser Zweckehe aber habe etwas für sich. "Schönwölkau ist eine klassische Landgemeinde mit vielen Vereinen und einer klassischen Dorfschule." Es sei im Gegensatz zu manch anderer Landgemeinde auch gelungen, die vier Kindereinrichtungen in Brinnis, Hohenroda, Wölkau und Badrina zu erhalten. "Das kann auch nicht jeder bieten", betont Tiefensee, "und das ist ein politischer Wille, zu dem ich stehe, auch wenn es vier Mal Kosten bedeutet." Denn solche Angebote seien am Ende jene, mit denen man gerade bei jungen Familien punkten und so eine Gemeinde erhalten könne. "Wer sich für das Landleben mit allen Vor- und Nachteilen entscheidet, ist in Schönwölkau genau richtig", wirbt Tiefensee. Wenige Schritte in den Wald, preiswerte Bauplätze, kurze Fahrtwege nach Leipzig, drei Reiterhöfe, viele Vereine - da stehe die Gemeinde sehr gut da.

Rund 2400 Einwohner zählt Schönwölkau. Auf absehbare Zeit werden sie in Krolö oder Lökro wohnen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.01.2015
Von Christine Jacob

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