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Tiefensee: „Wir haben eine Menge erreicht“

Abwasserzweckverband Unteres Leinetal Tiefensee: „Wir haben eine Menge erreicht“

Ist der Abwasserzweckverband Unteres Leinetal (AZVUL) in ruhigeren Fahrwassern? So sieht es zumindest der Verbandschef Volker Tiefensee. Viel Positives hat sich in den vergangenen Jahren unter Betriebsführung der Oewa getan – und es soll weiter aufwärts gehen mit dem Verband.

Die Oewa zeichnet seit fünf Jahren für die Betriebsführung rund um Schönwölkau verantwortlich (Archivbild).

Quelle: André Kehrer

WÖLKAU. Fünf Jahre ist die Oewa Wasser und Abwasser GmbH nun schon als technischer und kaufmännischer Betriebsführer an Bord des Abwasserzweckverbandes Unteres Leinetal (AZVUL). Der darf noch immer als einer der umstrittensten im Freistaat betrachtet werden, war das Chaos vor fünf Jahren schließlich immens. Doch vieles hat sich gebessert, betont Verbandschef und Bürgermeister der Verbandskommune Schönwölkau, Volker Tiefensee (CDU).

Fünf Jahre Oewa beim AZVUL, welches Fazit ziehen Sie nach dieser Halbzeit in der Betriebsführung?

Volker Tiefensee: Wir konnten gemeinsam viele Altlasten aus der Zeit vor 2011 abarbeiten. Das betrifft zum Beispiel die Erhebung von Beiträgen und vor allem den Stand bei der Bearbeitung der Widerspruchsverfahren. Auch bei den Erschließungsmaßnahmen sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Dank unserer neuen Gebührenkalkulation konnten wir außerdem deutlich mehr Rechtssicherheit bei der Abgabenerhebung erzielen. Und das alles stimmt mich äußerst positiv. Wir haben gemeinsam eine Menge erreichen können.

Die äußerst positive Stimmung teilen sicher nicht alle Bürger. Immer wieder wurden und werden die Schulden kritisiert – wo steht der Verband heute?

2011 hatte der Verband eine Menge Schulden. Beim Eigenkapital minus 800 000 Euro. Heute liegen wir bei plus 860 000 Euro, weil wir die eingezahlten Beiträge entsprechend gebucht haben. Aber wenn Darlehen für den Bau von Entsorgungsanlagen aufgenommen werden spricht man im Übrigen nicht von Schuldenlast. Denn eine Finanzierung von Investitionen aus den liquiden Mitteln würde keine Option darstellen. Wichtig ist, dass wir die Rückzahlung der Darlehen über die Gebühreneinnahmen sicherstellen. Was die Entwicklung der Verbindlichkeiten angeht, so können wir für den Zeitraum 2011 bis 2015 von zirka 1,5 Millionen Euro reden.

Also alles wohl nur eine Frage der Formulierung?

Zum Verständnis: Wir haben keine Schulden, sondern nehmen Darlehen auf. Weil wir investieren müssen, wird die Darlehenssumme in Zukunft sogar noch steigen. Es handelt sich jedoch um sehr geringe Zinsbelastungen. Was wir bei den offenen Forderungen gegenüber unseren Kunden erreichen, dient als liquide Mittel. Zum Stand: An Altforderungen hatten wir Ende 2010 insgesamt 744 000 Euro. Ende 2015 waren das 222 086 Euro. Im Jahr 2015 haben wir 135 837 Euro Forderungen beigetrieben, die älter als ein Jahr waren.

Die Zahl der offenen Widersprüche war 2011 ebenfalls immens, von Kisten unbearbeiteter Papiere war sogar die Rede. Wie sieht es heute aus?

Wir haben der Oewa zum Geschäftsantritt 435 Widerspruchsakten übergeben. Davon stammten 347 Widersprüche aus dem Jahre 2010. Nach der Überprüfung stellte sich heraus, dass 308 Fälle nicht bearbeitet worden sind. Zum Vergleich: 2011 bis 2014 sind insgesamt 397 Widersprüche eingegangen. Sie betreffen alle Themen: Schmutzwassergebühren, Niederschlagswassergebühren, Vorausleistungsbescheide. 365 sind bearbeitet und 32 Verfahren aus verschiedenen Gründen offen.

Die vergangenen fünf Jahre waren Jahre der Investitionen. Was steht in Zukunft noch an?

Von 2011 bis 2015 hat der AZVUL rund 2,8 Millionen Euro investiert, zum Beispiel in die Erschließung von Wannewitz und der Dübener Straße in Löbnitz. Bis 2019 werden weitere 5,8 Millionen Euro in die zentrale Erschließung von Grundstücken oder komplette Straßen und Ortsteile fließen, zum Beispiel in Brinnis und Spröda. Sind die Maßnahmen abgeschlossen, liegt der Anschlussgrad im Verbandsgebiet bei rund 85 Prozent.

Der Verband scheint nach den chaotischen Verhältnissen in ruhigeren Fahrwassern angekommen. Was waren und sind da die wichtigsten Maßnahmen?

Für uns ist es maßgeblich, die Altlasten weiter abzuarbeiten. Dazu zählt die Nachforderung der Beiträge, die Bereinigung von Altforderungen – all das ist vor allem für die Oewa extrem aufwendig. Aber damit sind wir auch erfolgreich wie die Zahlen zeigen.

Christine Jacob

Von Christine Jacob

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