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Tödliche Messerstiche in Spröda: Affekt oder Vorsatz?

Landgerichtsprozess Tödliche Messerstiche in Spröda: Affekt oder Vorsatz?

Im Landgerichtsprozess um die tödlichen Messerstiche im Asylbewerberheim in Spröda geht es nun ums Strafmaß. Der Verteidiger geht davon aus, dass der Angeklagte vom späteren Opfer massiv gereizt wurde, weshalb es sich um Totschlag im minderschweren Fall handele. Die Staatsanwaltschaft hat eine andere Sicht. Das Urteil steht noch aus.

Der Angeklagte Abdullah F. im Sitzungssaal des Landgerichts.

Quelle: André Kempner

Leipzig/Delitzsch. Handelte Abdullah F. im Affekt, wurde er wortwörtlich bis aufs Messer gereizt? Oder lief er bereits in fester Verletzungsabsicht auf den Kontrahenten zu? Auf diese Kernfragen hat sich der Gerichtsprozess um die tödlichen Stiche im Asylbewerberheim Delitzsch-Spröda zugespitzt. Für Abdullah F., den Angeklagten, geht es bei dieser Abwägung um viel. Das mögliche Strafmaß für Totschlag liegt zwischen 5 und 15 Jahren. 10 Jahre forderte am Dienstag die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung plädierte für eine deutlich kürzere Freiheitsstrafe.

Nach drei Verhandlungstagen ist der Prozess am Landgericht Leipzig kurz vor dem Ende. Lediglich das Urteil steht noch aus. Mit zahlreichen Zeugen und zwei Gutachtern ist versucht worden, die Ereignisse der Nacht zum 1. September so weit wie möglich zu rekonstruieren. Als unstrittig gilt, dass der Marokkaner Abdullah F. seinen tunesischen Heimmitbewohner Imed G. mit zwei Messerstichen getötet hat. Die beiden waren auf dem Freigelände der Gemeinschaftsunterkunft in Streit geraten – zuvor noch hatten sie über Stunden hinweg einträchtig miteinander Alkohol getrunken.

„Mein Mandant wurde gereizt“

„Der Angeklagte hatte Angst vor dem Tunesier. Er war kräftiger und 25 Kilo schwerer“, schilderte Rechtsanwalt Stefan Wirth. Offenbar direkt vor den Messerstichen wurde Abdullah F. von dem Mitbewohner mit einer Flasche geschlagen – sie zerbarst auf dem Kopf, hinterließ eine blutende Wunde hinterm Ohr. „Durch diesen Schlag hat sich die Situation verschärft. Mein Mandant wurde gereizt. Deshalb handelt es sich meines Erachtens um Totschlag im minderschweren Fall“, erklärte der Verteidiger.

Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller betonte allerdings, dass der Marokkaner das Küchenmesser extra aus seinem Zimmer geholt hatte, um damit „die Sache zu klären“. Er sei in seiner Ehre gekränkt worden. „Und handelte in dem Bewusstsein, dass es zur Eskalation kommen kann.“ Imed G. starb nur wenige Minuten, nachdem ihm die Klinge Herz und Niere durchstach.

Urteil ergeht nächste Woche

Immerhin: Abdullah F. hat die tödliche Attacke gleich in den ersten polizeilichen Vernehmungen gestanden. Der psychiatrische Gutachter beschrieb ihn als zurückhaltend, eher schüchtern. Dass ihm der Alkohol in der Tatnacht den Verstand raubte, konnte der Fachmann nicht erkennen. Dank jahrelanger Gewöhnung an Hochprozentiges wirkte F. auch mit rund zwei Promille im Blut gut beisammen. Nächste Woche soll das Urteil ergehen.

Von Kay Würker

Leipzig Harkortstraße 51.3326568 12.3712573
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