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Treffpunkt statt Abstellkammer: In die Kalandkapelle zieht neues Leben

Treffpunkt statt Abstellkammer: In die Kalandkapelle zieht neues Leben

Nach der Sanierung ist vor der Sanierung in Delitzschs altehrwürdiger Stadtkirche. Auf die statische Sicherung des Westturmes, die im Vorjahr abgeschlossen wurde, soll nun die Restaurierung eines Kleinodes an der Südwestseite des Gotteshauses folgen.

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Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Die Kalandkapelle rückt in den Fokus, ein Anbau mit wertvoller spätgotischer Gewölbedecke und einigen Jahrhunderten Geschichte. Die alte Schönheit soll zurückkehren. Mehr noch: Der Raum, seit den 1950er-Jahren nur als Abstellkammer genutzt, ist als Ort der Begegnung vorgesehen.

Der Großteil der Finanzierung steht bereits. Wie Pfarrer Stephan Pecusa mitteilt, gibt es eine Zusage für rund 200 000 Euro Denkmalpflege-Mittel aus der Landeskasse. Nun gilt es für die evangelische Kirchengemeinde, weitere Gelder einzuwerben - zum Beispiel bei Stiftungen. Auch Spenden aus der Bevölkerung werden gebraucht. Für die Gemeinde ist jede Unterstützung wichtig, nachdem die Turmsanierung mehr Eigenmittel als erwartet verschlang. Insgesamt werden für die Kalandkapelle etwa 295 000 Euro veranschlagt.

Der Bauantrag ist eingereicht, im Laufe des Jahres soll sich auf der neuen Baustelle einiges bewegen. Die Treppe samt Podest, die 1889 im Zuge des letzten großen Umbaus der Stadtkirche installiert wurde, wird ersetzt. Die neue Zwischenebene liegt dann etwas tiefer, orientiert sich an der ursprünglichen Deckenhöhe, die anhand historischer Balkenaussparungen im Mauerwerk noch gut nachvollziehbar ist. In diesem Zusammenhang werden auch andere Veränderungen aus dem 19. Jahrhundert rückgängig gemacht. Zum Beispiel rücken die Fenster mit der bleigefassten Verglasung wieder ein Stück nach unten, und der Zugang von der Empore zur Kapelle wird vom einfachen Türrahmen wieder zum Spitzbogen aufgeweitet - nun mit Glastür, um oben mehr Licht zu haben. Eine längst zugemauerte Fensteröffnung Richtung Westen soll wieder realisiert werden und das Fries am Turmgemäuer kommt wieder zur Geltung - es zierte einst die Außenseite des Turmes, bevor die Kapelle angebaut wurde. Nicht zuletzt wird das Deckengewölbe restauriert. Zunächst soll dokumentiert werden, welche Spuren der Geschichte sich am Putz und Backstein noch finden lassen.

Das Wissen über die Ursprünge der Kalandkapelle hat viele Lücken. Schon der Name wirft Fragen auf. "Die Kalandbruderschaft existierte nicht mehr, als der Anbau entstand", sagt Pfarrer Pecusa. Doch die Zukunft ist umso klarer umrissen: Nach Jahrzehnten des Nischendaseins soll der Raum wieder belebt werden - als Café, Treffpunkt, Ausstellungsort. Ebenerdig werden eine behindertengerechte Toilette und eine Küchenzeile eingebaut, es wird für Strom, Wasser und Wärme gesorgt. Wenngleich derlei Ausstattung aus dem Denkmaltopf nicht förderfähig ist.

Wenn es ums Heizen geht, muss die Kirchengemeinde ohnehin in größeren Dimensionen denken. Die mögliche Nutzung von Sankt Peter und Paul als Winterkirche beschäftigt seit Längerem. Bekanntermaßen wurde in jüngerer Vergangenheit die Marienkirche für Gottesdienste in der kalten Jahreszeit genutzt, doch deren Heizung ist alt und ineffektiv. Zur Debatte steht deshalb, künftig in der Gemeinde nur noch eine einzige Pfarrkirche zu betreiben - und dem Gotteshaus am Markt den Vorzug zu geben. "Es wird geprüft, welche Heizungsoptionen es für die Stadtkirche gibt", so Pecusa. Denkbar sei eine Infrarotheizung, montiert an den Wänden oder unter den Bänken. Auf diese Weise ließe sich die Strahlungswärme gezielt einsetzen, statt das gesamte Gebäude hochzuheizen. Zumal ein anlassbezogenes Beheizen, wie es bis in die 1960er-Jahre praktiziert wurde, problematisch ist: An Gemäuer, Dachstuhl und Kunstgegenständen bildete sich immer wieder Kondensationsnässe, die zu Schäden führte. Geprüft wird auch eine mögliche Abtrennung des südlichen Seitenbereiches der Kirche, etwa mit einer Glaswand, so dass nur dieser Teil beheizt würde. Dann könnte auch die Kalandkapelle in die Wärmeinsel einbezogen werden.

Im Moment setzt der Pfarrer auf eine Übergangslösung: Gottesdienste im Saal des Gemeindehauses. Bis zum Palmsonntag soll das so gehen. Offenbar kommt diese Variante gut an. "Wir sitzen im Saal recht gemütlich beisammen, und ich habe zu den Gottesdiensten mehr Besucher als sonst um diese Jahreszeit in der Marienkirche."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.03.2015
Kay Würker

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