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Überfall auf Konzertgäste: Delitzscher muss knapp acht Jahre ins Gefängnis

Neonazi-Prozess Überfall auf Konzertgäste: Delitzscher muss knapp acht Jahre ins Gefängnis

Die 6. Strafkammer des Landgericht Leipzig hat am Montag im Prozess gegen sechs mutmaßliche Neonazis aus Delitzsch das Urteil gesprochen. Das Gericht befand Nico R. der schweren Körperverletzung für schuldig. Sieben Jahre und elf Monate muss er ins Gefängnis. Bei drei Personen wurde die Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Zwei Männern wurden frei gesprochen.

Am Montag hat das Landgericht das Urteil im Prozess gegenüber sechs mutmaßlichen Neonazis aus Delitzsch und Umgebung verkündet.

Quelle: Foto: André Kempner

Leipzig. Nico R.nahm es mit seinem ausführlichen Geständnis am fünften Verhandlungstag am Landgericht Leipzig schon vorweg. Der 28-Jährige gab zu, mit dem Schlagring den Tschechen Petr D. schwer verletzt zu haben. Am 18. März 2012 war es in Delitzsch zu dem Überfall einer Gruppe Ska-Konzertgäste gekommen, die sich vom Jugendhaus Yoz heimwärts bewegt hatte. Neben dem 36-Jährigen Pilsener wurde dabei noch eine junge Frau verletzt. Sechs Männer aus Delitzsch und Umgebung mussten sich deswegen seit Anfang November vor der 6. Strafkammer des Landgerichts verantworten. Gestern wurde das Urteil gesprochen. Nico R. wurde der schweren Körperverletzung für schuldig befunden. Vier Jahre muss er deswegen ins Gefängnis. In Summe mit der Straftat des bandenmäßigen Drogen-Handels sind es sieben Jahre und elf Monate. Außerdem sah es das Gericht um den Vorsitzenden Jens Kaden als erwiesen an, dass drei weitere Männer im Alter von 30 bis 40 Jahren am Überfall beteiligt waren. Darunter auch der mutmaßliche „Spiritus rector“ der Aktion Sören D.

Auf dem Heimweg von seiner Zechtour im Delitzscher Norden war er als Erster auf die Gruppe um Tony M. getroffen. Der Veranstalter des Konzerts verwickelte Sören D. in eine verbale Auseinadersetzung und sprach ihn auf einen Vorfall im Aschenputtel aus dem Jahre 2010 an. Nachdem sich die Gemüter beruhigten, setzten die Konzertbesucher ihren Heimweg bis in die Mittelstraße fort. Kurz nach 6 Uhr begann Sören D. ausgiebig, sein Telefon zu nutzen. Das ergaben Auswertung der Ermittler. In der Erklärung, die der Anwalt des Beschuldigten verlas, war davon nicht die Rede. Das bemängelte neben Staatsanwaltschaft und Nebenklage auch der Vorsitzende Richter. Zumal es nach der Auswertung der Daten offensichtlich schien. Deswegen dürfe man ihn auch als „Spiritus rector“ bezeichnen. Schließlich gab er zu, sich ebenfalls zum Tatort bewegt zu haben.

Dort wurden Silvio D. und Pierre S. von einer Zeugin erkannt. Letzterer rannte auf die Gruppe zu und schrie nach Tony M., dem die Attacke eigentlich galt. Silvio D. gab bereits zum Beginn der Verhandlung zu, am Tatort gewesen zu sein. Allerdings traf die Gruppe, bei der offensichtlich noch mehrere Personen beteiligt waren, die aber nicht identifiziert werden konnten, auf die Yoz-Gänger. Tony M. konnte bei der Hetzjagd entkommen. Petr D., ein von allen Anfeindungen zwischen linker und rechter Szene unbescholtener Konzertbesucher, konnte nicht entkommen. Der 36-Jährige wurde von Nico R. so schwer am rechten Auge verletzt, dass er auf diesem seitdem fast blind ist. Zudem wurde er ein weiteres Mal geschlagen. Dieser Täter konnte nicht ermittelt werden. Auch nicht jener, der Jana K. von hinten schlug, wie Zeugen berichteten. Gegen 6.40 Uhr hatten Beobachter die Polizei alarmiert, als die vom Lärm auf der Straße geweckt worden waren. Die drei Männer, die in der Mittelstraße von Zeugen identifiziert wurden, mussten sich vor Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten und wurden als schuldig befunden. Die Strafe von je einem Jahr und acht Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt. Zudem müssen sie einen Wiedergutmachungsbetrag an Petr D. in Höhe von 1000 Euro zahlen. Zwei weitere Personen wurden freigesprochen. Ihnen konnte keine Beteiligung an der Tat nachgewiesen werden.

Von Alexander Bley

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