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Uhren in Delitzsch ticken nicht immer richtig, aber klangvoll

Zeitmesser-Vergleich Uhren in Delitzsch ticken nicht immer richtig, aber klangvoll

Ob am Halleschen Turm, an der Stadtkirche, auf dem Roßplatz, in Eilenburger oder in der Breiten Straße – was die Stunde schlägt, weiß man in Delitzsch beim Blick nach oben. Die wenigsten dieser Uhren sind in städtischer Hand, meist sind die Geschäfte und Kirchen die Taktgeber der Stadt. Nicht immer ein leichter Job.

Das Ziffernblatt an der Stadtkirche wurde im Zuge der Turmsanierung erneuert.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Ticktack, ticktack allerorten. Ob nun an Türmen, der Stadtkirche, am Unteren Bahnhof, auf dem Roßplatz oder in Geschäftsstraßen wie an der Parfümerie in der Breiten Straße – überall tickt es in Delitzsch. Nicht immer richtig übrigens. Von Zeit zu Zeit kann es vorkommen, dass gerade die alten Uhren aus dem Takt geraten. Deshalb zum Beispiel wird im Falle der Jahrhunderte alten Uhr am Halleschen Turm im Rahmen eines Wartungsvertrages zwei Mal im Jahr das Schlagwerk geprüft und justiert.

Erst am Dienstagnachmittag wurde am Roßplatz wieder Klarschiff in der Welt der Zeiger und Melodien gemacht. Dort ist seit 1995 die Uhr an der Bäckerei-Filiale ein öffentlicher Zeitmesser und mit ihrem Glockenspiel zudem weithin hörbar. Nicht immer zur Freude derer, die in umliegenden Büros oder Geschäften arbeiten oder um die Ecke wohnen. Aber doch gehören die Uhr und das Glockenspiel längst zu den Zeit-Instanzen der Stadt. Installiert hat die Uhr Klaus Schleif, Werbespezialist aus Bremen und Inhaber von „Blickpunkt-Werbung“. Eigentlich, erinnert er sich, bestand ursprünglich sogar mal der Wunsch, eine blinkende Digitaluhr anzubringen. „Ich habe mir Umfeld und Architektur des Hauses angesehen und zu einer klassischen Uhr geraten“, erzählt der 60-Jährige. Werbung hin oder her – dass sie sich ins Umfeld einfügt, sei wichtig.

Zudem hatten Stadt und Behindertenverband ein Wörtchen mitzureden. So wurde erst geprüft, ob der Ton der Ampel für Sehbehinderte und Blinde auch dann noch zu hören ist, wenn das Spiel läutet, bevor es die Erlaubnis für den Betrieb gab. Die Bäckerei-Uhr schlägt so seit zwei Jahrzehnten gewohnt die volle Stunde und fünf Minuten später folgt das Glockenspiel. Die einzelnen Melodien sind mitunter auch mal eine Minute lang, weshalb der Eindruck entstehen könne, dass da was falsch tickt, wenn sechs nach um noch das Spiel ertönt. Tatsächlich ist die Pause zwischen Stundenschlag und Glockenspiel technisch bedingt. Fünf- bis sechsmal täglich lässt Klaus Schleif das Glockenspiel in der Regel klingen, hat gerade von Weihnachts- auf Jahresprogramm umgestellt, dazu sechs Titel nach Wahl eingegeben – gespielt wird 2016 kurz nach 10, 12, 15, 16, 17 und 18 Uhr. Zu hören sind unter anderem Beatles-Melodien und „Für Elise“. Ein Fundus von insgesamt 30 Melodien hat Schleif für diese Uhr zur Verfügung. Die zwölf Glocken des Spiels muss er zudem warten, reinigen und ölen. „Das ist wie bei einer Turmuhr einer Kirche“, meint der Werbefachmann, „aber die zwölf Glocken können schon mal ein kleines Konzert spielen“. Die Uhr der Bäckerei selbst ist mit ihrem Haupt- und den zwei Nebenuhrwerken dagegen funkgesteuert – und so an sich recht unkompliziert zu handhaben. Fällt der Strom mal aus, stellt sie sich wieder, sobald der wieder anliegt.

Der evangelische Pfarrer Stephan Pecusa hat es mit anderen Herausforderungen zu tun. „Die Uhr zieht sich selbsttätig auf und holt sich dann jeweils per Funk die genaue Uhrzeit.“ Zwischen den Signalabfragen gehe sie immer ein wenig vor und werde dann zur vollen Stunde kurz angehalten, bis sie wieder stimmt. „Zur Zeitumstellung dann sogar für eine beziehungsweise elf Stunden.“ Wenn etwas mal richtig aus dem Takt gerät, dann kümmert sich der Pfarrer selbst, „was durchaus spannend ist, weil am alten Uhrwerk viele Hebel mit Kurbel zu bedienen sind. Dazu muss ich dann aus der kleinen Tür im Zifferblatt schauen, bis die Zeiger die richtige Stellung haben“, berichtet Pecusa. Im Zweifelsfall nimmt er das Handy mit nach oben und holt sich Rat von einer Fachfirma in Kölleda. Zur Zeit stimmt die Zeit.

Immerhin: Nicht nur die Uhr an der Stadtkirche wird automatisch per Funk gestellt, auch das Glockenspiel, das tägliche Angelus-Läuten um 9, 12 und 18 Uhr, wird automatisch geregelt. „Das Läuten zu Beerdigungen geschieht mit Fernbedienung, die Gottesdienste sind einprogrammiert beziehungsweise werden vor Ort per Knopfdruck geläutet“, erzählt der Pfarrer.

Alle zwei Monate kümmert sich die Stiftung St. Georg-Hospital um ihr Glockenspiel. Die Hospitalkirche hat seit 1518 ein Glockenspiel, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Glocke erneuert. Das Geläut wird aber „nur“ auf Wunsch zugeschaltet, feste Zeiten gibt es nicht.

Auch als Zeitmesser benutzt werden können die weiteren Kirchen in Delitzsch und den Ortsteilen. Zwar haben sie nicht immer Uhren an ihren Türmen, aber doch wird zu bestimmten Zeiten geläutet. In der katholischen Kirche pünktlich zu den Gottesdiensten sowie 12 und 18 Uhr. Eine elektronische Steuerung sorgt dafür, dass alles richtig geht.

Von Christine Jacob

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