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Unverwüstlich: Der letzte Rest der NVA in Benndorf

Ungewöhnliches Hobby Unverwüstlich: Der letzte Rest der NVA in Benndorf

Rüdiger Nathrath aus Benndorf bei Delitzsch gehört keineswegs zu den

DDR-Verklärern, doch die Technik der Truppe hat es ihm angetan. Mit Gleichgesinnten kümmert er sich vor allem um Lastkraftwagen, die in der Nationalen Volksarmee (NVA) im Einsatz waren.

Rüdiger Nathrath aus Benndorf begeistert sich für alte Technik, wie für diesen Tatra 815, der einen Sanitätsanhänger durchs Gelände zieht.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch.. Rüdiger Nathrath ist ein Sammler der besonderen Art. Der Benndorfer hat es auf Lastkraftwagen abgesehen. Nicht auf solche, die Platz in irgendwelchen Vitrinen finden und dadurch staubfrei gehalten werden. Es geht um wirklich große Brummer, die nicht nur allein des Showeffekts wegen aufgebaut, instandgehalten und benutzt werden. Der heutige Brunnenbaumeister und einst im Braunkohlekombinat gelernte Instandhaltungsmechaniker frönt seiner Leidenschaft etwa seit gut sechs Jahren und weiß sich keineswegs allein damit. „Wir sind derzeit etwa um die 15 Leute, mit denen ich mein Hobby teile“, sagt der 49-Jährige. Er schätzt sich besonders glücklich, dass auch seine Frau Yvonne sowie Sohn und Tochter dieses Interesse mit ihm teilen, ihn teils auch zu den Militärtechnik-Treffen begleiten.

Die anderen Mitglieder der Gruppe kommen nicht alle aus Benndorf, darunter sind auch welche, die sind im Mansfelder Land, im Saalekreis, auch in Zwickau oder Torgau zu Hause. Sie alle eint aber offenbar eine Grundidee: „Wir wollen die einst in der NVA verwendete Lkw-Technik erhalten, sie auch in Funktion bei Treffen vor allen in den neuen Bundesländern präsentieren. Dort können Leute mit diesen Lkw noch etwas anfangen.“ Dass bei diesen Treffen nicht selten auch die Uniform der damaligen Nationalen Volksarmee angezogen werde, gehöre einfach zum Gesamtbild dazu, behauptet er. Nathrath selbst war von 1986 bis 1988 bei den Nachrichtentruppen in Leipzig eingesetzt. Während seines Grundwehrdienst hatte er genau mit der Technik zu tun, der er jetzt ein zweites Leben einhaucht. Teils sei er auch als Fahrlehrer eingesetzt worden, berichtet er. Auch deshalb habe er ein besonderes Verhältnis zu den Lkw mit dem mattgrünen Tarnanstrichen, egal ob aus deutscher, russischer oder tschechischer Produktion. Seine Uniform von damals passe ihm sogar noch, sagt er.

In dem Zusammenhang ist es ihm sehr wichtig zu betonen, dass er und seine Freunde nicht zu den „Ewig Gestrigen“ gezählt werden wollen. Geschichtsnostalgie oder „Glorifizierung der DDR-Zeit“ liege ihm fern, vielmehr gehe es ihm um die Faszination dieser Technik, die schließlich auch Teil der Geschichte sei und für nachfolgende Generationen auch erhalten werden sollte. Sie habe schließlich einen ganz bestimmten Abschnitt in der Technik-Geschichte ausgemacht. Warum es ausgerechnet Militärtechnik sein sollte, begründet der Benndorfer auch damit: „Die Fahrzeuge mussten damals schon unter extremen Bedingungen funktionieren. Dem wurde alles untergeordnet. Sie brauchten im Dauerbetrieb wenig Wartungsaufwand, es waren einfache, aber zuverlässige technische Konstruktionen. An die wichtigen Aggregate kommt man schnell heran, um sie zu reparieren.“

Die Bremsen leiden am meisten

Mittlerweile hat die Gruppe um Rüdiger Nathrath neun Fahrzeuge restauriert, fast ausschließlich Radfahrzeuge. Sie sind straßenzugelassen, fahrtüchtig also. Fast den gesamten Winter hat Nathrath und seine Freunde in der Werkstatt zugebracht, um die Fahrzeuge in Schuss zu bringen. „Vor allem die Bremssysteme leiden unter den langen Standzeiten der Fahrzeuge“, weiß er. Aber auch die Karosserie bedarf eines immensen Aufwandes, um sie in einen Tüv-gerechten Zustand zu bringen. „Die Bleche verrotten über die Jahre, die Tragkonstruktion der Fahrzeuge ist hingegen kaum angegriffen“, berichtet der Benndorfer. Auch wenn er vieles selbst repariert, alles kann er dann auch nicht. Für Spezialarbeiten wie zum Beispiel das Karosserieschweißen nimmt er gern die Unterstützung von Fachleuten in Anspruch.

Dass der Technikbegeisterte über nahezu fantastische Bedingungen verfügt, um seinem Hobby auch genügend Raum zu bieten, verschweigt der 49-Jährige nicht. Er darf das Gelände und auch die Werkstattkapazitäten der Benndorfer Brunnen- und Spezialtiefbau GmbH im Rubinienweg nutzen. Das Familienunternehmen hatte sich 1990 gegründet und ihren Technikpark zunächst mit ausgemusterter Militärtechnik aufgebaut. Insbesondere die geländegängigen W 50, später dann die L 60 wurden gekauft und entsprechend umgerüstet, um unter anderem Bohrtechnik zu transportieren. „Bis heute leisten uns diese Fahrzeuge gute Dienst, sind auf den Baustellen unserer Firma noch stets zu sehen und im Einsatz“, berichtet Nathrath. Selbst der KraZ 255 B mit der ausklappbaren Panzerbrücke werde im Unternehmen gebraucht. Immer wieder hätte man in Wassernähe zu tun. Um Überfahrten in herkömmlicher Form herzustellen, bedürfe es eines immensen Aufwandes. „Mit der Brücke schaffen wir das schnell und einfach“, berichtet Nathrath.

Unter den bereits restaurierten Fahrzeugen ist auch eine Rarität – das Bugsierboot BMK 130. Es soll ebenso wie die anderen Sammlerstücke einsatzbereit und funktionstüchtig sein. „Auf dem Wasser ausprobiert haben wir es bislang leider nicht. Zwar gibt es ringsum genug davon, aber der Schutz der Seen und zahlreiche Auflagen verbieten es uns“, bedauerte Nathrath. Dabei ist das Boot legendär. Mit einer Schubkraft von 1,5 Tonnen hat es schwimmende Pontonbrücken in Position geschoben und gehalten. Diese bewährte russische Technik war bei den Pioniertruppen im Einsatz, nach der Wende und nach der Auflösung der NVA wurden die Boote zum Teil verkauft, zum Großteil aber verschrottet. Ab und an finde man heute noch eins, das irgendwo in einer Scheune stand, weiß Nathrath. Das treffe übrigens auch für andere Technik zu.

Größte Sorge: Ersatzteile finden

Die Recherche nach Ersatzteilen ist die Hauptsorge der Gruppe und sie bindet den Benndorfer immer wieder auch an den Computer, teils wird er dort fündig. „Aber es wird immer schwieriger, immer öfter müssen wir uns Teilespender kaufen, also Fahrzeuge, die Ersatzteillieferanten sind“, erzählt er. Den allermeisten Erfolg hat er aber bei den Treffen, zu denen er und seine Technikfreunde regelmäßig fahren. Am kommenden Wochenende zum Beispiel wird er mit zwei Fahrzeugen, einem Tatra mit Anhänger sowie einem Ifa L 60, in Zeithain dabei sein. Nathrath freut sich bereits darauf, denn die dortige 15 Kilometer lange Übungsstrecke dürfen sie benutzen. Sie war einst für russische Panzer angelegt worden und dient heute Off-Road-Freunden als „besonderer Spielplatz“. Auch wenn er danach drei Tage die Fahrzeuge putzen muss, das Erlebnis will er sich nicht entgehen lassen. Zudem feiert das Treffen mit dem vielsagenden Namen „Zeithainer Lustlager“ seinen 20. Geburtstag. Ausgerichtet wird das Treffen vom Verein Militärhistorik Zeithain in Zusammenarbeit mit anderen Oldtimerfreunden. Der Name des Zeithainer Lustlagers geht übrigens auf Manöver zurück, die 1730 im Raum Zeithain stattfanden. In den Nächten soll dort sehr ausgiebig gefeiert worden sein.

Die Lkw, die im Bestand der Benndorfer Gruppe sind, haben unterschiedliche Aufbauten. Das war zu NVA-Zeiten üblich, machte die Fahrzeuge individuell einsetzbar. Die sogenannten Koffer sind meist noch in einem guten Zustand, allerdings fehlen die Innereien, also die damalige Spezialausrüstung. „Das ist sehr schaden, sie hätten doch das Fahrzeug komplett gemacht“, sagt der Benndorfer. Ein Koffer habe beispielsweise eine Raketenwerkstatt beherbergt, ein anderer eine Schallmessstation und noch ein anderer eine Sterilisationsstation eines mobilen Krankenhauses. Letzteren nutzen die Nathraths übrigens in Zeithain als Unterkunft auf dem Gelände. Das Platzangebot ist im ausgeklappten Zustand riesig, zumindest für die kleine Gruppe, die dabei ist.

„Mittlerweile kennt man sich, zumeist sieht man auch immer die selben Leute. Der Austausch untereinander ist wichtig. Ich persönlich nehme immer viel an Wissen mit, gebe es aber auch gern weiter“, sagt Rüdiger Nathrath. Ihm ist es wichtig, die Fahrzeuge wie im Original wieder herzustellen. Damit er dabei möglichst detailgetreu arbeitet, bedient er sich auch der Zuarbeit eines Bekannten aus Zörbig. Der dortige Rentner hat sich auf die Recherche von Dokumenten zu dieser Technik spezialisiert. „Es gab zahlreiche Dienstvorschriften, Wartungsanleitungen, Beschreibungen, all das besorgt er uns und nutzt dazu auch das Militärarchiv“, erzählte Nathrath.

Wie viele Euro Rüdiger Nathrath bereits in sein Hobby gesteckt hat, will er nicht verraten. Es müssen aber schon etliche gewesen sein. Allein für einen neuen Reifen für einen von ihm über anderthalb Jahr restaurierten Ural musste er bis zu 400 Euro hinblättern, wenn das Fahrzeug auf die Straße soll. Es sei aber vor allem viel Zeit, die investiert werden müsse. Diese Stunden habe er erst recht nicht gezählt.

Von Ditmar Wohlgemuth

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