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Verbot droht: Baden am Werbeliner Seekönnte bald teuer werden

Verbot droht: Baden am Werbeliner Seekönnte bald teuer werden

Sommer, Sonne, Badespaß: An den Gewässern im Leipziger Neuseenland tummeln sich in diesen Tagen wieder die Wasserratten. Auch im Werbeliner See wird geplanscht.

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So könnte sie aussehen, die Delitzscher Bucht am Brodauer Zinken. Auch für Gastronomie am Strand wäre Platz. Die Darstellung der möglichen Uferrandnutzung entstand im Rahmen einer Untersuchung, die die Stadtverwaltung im Vorjahr in Auftrag gab. Grafik: Büro Knoblich

Quelle: Büro Knoblich

Delitzsch. Allerdings illegal. Das Baden ist dort offiziell verboten, seit das Areal einschließlich umliegender Feldflächen 2006 zum Europäischen Vogelschutzgebiet erhoben wurde. Auch freilaufende Hunde und das Verlassen der Wege sind untersagt. Weil die Verbote aber notorisch ignoriert werden, will die Umweltschutzbehörde des Landkreises künftig strenger durchgreifen. Es laufen Vorbereitungen für ein Naturschutzgebiet. Damit rücken Beeinträchtigungen von Flora und Fauna in den Bereich des Strafgesetzbuches. Es drohen Geld- oder gar Freiheitsstrafen.

Das Umweltamt zieht nach eigenen Angaben die Konsequenz aus fortwährenden Störungen des Vogelschutzgebietes. "Es haben sich vor Ort illegale Nutzungen etabliert, die die Schutzziele massiv gefährden und sogar zum Aussterben einzelner Arten wesentlich beitragen", erklärt Amtsleiterin Antje Brumm gegenüber der LVZ. Es wird gebadet, campiert, Hunde jagen durchs Gesträuch. Das Anliegen des Schutzgebietes, bedrohten Arten Zuflucht zu geben, werde untergraben. "Es besteht dringender Handlungsbedarf", unterstreicht Brumm. In Arbeit sei nun eine detaillierte Naturschutzgebiets-Verordnung nach dem Sächsischen Naturschutzgesetz mit entsprechenden Ge- und Verboten. An den Schutzzielen soll sich dem Vernehmen nach nichts ändern. Sehr wohl aber an der Ahndung von Verstößen. Die bisherigen Vollzugsmöglichkeiten würden den Beeinträchtigungen am Werbeliner See nicht in vollem Umfang gerecht, konstatiert die Umweltamtschefin. Künftig, mit neuem Rechtsrahmen, könnte mehr Konsequenz einziehen.

Unterdessen rudert die Stadtverwaltung Delitzsch weiter in die Gegenrichtung. Die Nutzung des Nordufers im Einklang mit dem Naturschutz bleibt erklärtes Ziel. Im Vorjahr hat die Stadt bekanntermaßen eine Untersuchung erstellen lassen, die mögliche Auswirkungen eines Badebetriebes am Brodauer Zinken erforscht. Die Stadt reichte das Dokument im Umweltamt ein, seitdem gibt es offiziell nichts Neues. "Die planerische Betrachtung wurde von der Unteren Naturschutzbehörde als nicht ausreichend angesehen", teilt Delitzschs Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos) mit. "Wir versuchen weiterhin, mit der Behörde den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden." Ein weiteres Gutachten, erstellt von einem fachlich versierten Juristen, bestärke die Verwaltung in der Annahme, dass eine Ufernutzung möglich ist.

Parallel arbeitet die Kommune an einem Zeitaufschub. Der Vertrag mit der LMBV soll verlängert werden. Delitzsch hat von dem Bergbausanierer 127 Hektar am Nordufer erworben, um das Areal für Tourismus und Naherholung zu entwickeln. Falls das fehlschlägt - zwei Investoren haben schon die Segel gestrichen - kann das Gelände bis Jahresende zurückgegeben werden. Ziel der Stadt ist nun, diese Rückzugsoption um mindestens ein Jahr zu verlängern. Läuft alles planmäßig, könnte im Oktober der Notar tätig werden. In diesem Sinne bliebe auch die Option erhalten, dass Delitzsch gemeinsam mit einem Kooperationspartner das Ruder ergreift. Nach LVZ-Informationen stehen mehrere potenzielle Investoren mit Nutzungsideen bereit. Darunter auch Konzepte, die ohne Badestrand auskämen, wie etwa eine Reitsport-Einrichtung. Die Stadtverwaltung will sich dazu allerdings auf Nachfrage nicht äußern, verweist auf den "sehr frühen Planungsstand". Außerdem: "Es gibt aktuell kein Vorhaben, dass so konkret beschrieben ist, um es der Naturschutzbehörde vorlegen zu können", sagt Schöne. © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.07.2015
Kay Würker

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