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Verbotene Schlagfalle wird Julchen zum Verhängnis

Verbotene Schlagfalle wird Julchen zum Verhängnis

Zwei Tage lang suchte Gerlind Donath ihr Julchen. Die frei lebende Katze war plötzlich nicht mehr zur Futterstelle gekommen, schien spurlos verschwunden. Die 69-jährige Delitzscherin durchkämmte die Umgebung, suchte nach Hinweisen, mobilisierte die Nachbarschaft.

Delitzsch. Bis ein Zettel an ihrer Tür steckte: Die Katze sei auf einem nahen Bungalow-Grundstück gefunden worden – die Tür sei offen, sie könne sich selbst ein Bild machen. Gerlind Donath befürchtete das Schlimmste, machte sich auf den Weg. Und fand ihr Julchen – lebendig, aber schwer verletzt und stark geschwächt.

„Sie war in eine Schlagfalle geraten, die mit einer Kette an einem Holzstapel befestigt war“, schilderte die Rentnerin. „Das linke Vorderbein steckte in dem Eisen.“ Wie lange, ist nicht sicher, doch zwei Tage sind wahrscheinlich. „Sie hatte in dem kleinen Radius, in dem sie sich bewegen konnte, aus lauter Hunger Kiefernnadeln gefressen.“

Gerlind Donath brachte Julchen sofort zur Tierärztin. Die diagnostizierte starke Quetschungen und einen Entzündungsherd. „Inzwischen hat sich zumindest die Hoffnung bestätigt, dass keine Gefäße durchtrennt wurden“, sagte Veterinärmedizinerin Ina Grohmann. „Wenn allerdings Erreger den Knochen befallen, könnte sie im Schlimmstfall doch noch ihr Bein verlieren.“

Julchen ist mittlerweile auch ein Fall für die Polizei. Die Delitzscher Tierfreundin hat Strafanzeige erstattet. Denn Schlagfallen wie die auf dem Bungalow-Grundstück sind verboten. Zwar dürfen Eigentümer von umzäunten Grundstücken grundsätzlich jederzeit Fallen aufstellen, um beispielsweise Füchse, Wildkaninchen, Steinmarder und Dachse zu fangen oder zu töten, berichtete Rayk Bergner vom Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung. Doch genutzt werden dürfen nur Geräte, die die Tiere unversehrt fangen oder sofort töten. Die Verwendung anderer Eisen sei laut Bundesjagdgesetz eine Ordnungswidrigkeit,

die mit Geldbußen in Höhe von bis zu 5000 Euro geahndet werden könne. Mögliche verbotene Fallen sind daran zu erkennen, dass sie – ohne Köder – in der Regel auf das Berühren von Trittplatten reagieren und das Tier dann an einem Körperteil festhalten.

Was mit Julchen passiert wäre, wenn sie nicht gefunden worden wäre, möchte sich Gerlind Donath gar nicht ausmalen. Das Erlebnis ist für die 69-Jährige ein Schock. „Seit 2007 betreue ich frei laufende Katzen in meinem Wohngebiet“, erzählte sie. Nicht irgendwelche, sondern Samtpfoten, die vom Delitzscher Verein „Leben mit Tieren“ kastriert und wieder in die Freiheit entlassen wurden. „Die Tiere sind durch ihr Wesen nicht als Hauskatzen vermittelbar“, erklärte Vereinschefin Doris Mehnert. „Doch um sie etwas in Obhut zu haben, kümmern sich Ehrenamtliche um sie, halten feste Futterstellen vor.“ Insbesondere im Delitzscher Westen und Norden, wo in jüngerer Vergangenheit mehrere Wohnblocks abgerissen wurden, gebe es eine Vielzahl von streunenden, bei Umzügen ausgesetzten Katzen. Der Verein unterstützt die Ehrenamtlichen mit Futter – auch die Tierarztkosten für Julchen werden übernommen. Doris Mehnert hofft in diesem Zusammenhang nun auf Spenden.

Inwieweit der Eigentümer der Schlagfalle per Geldbuße zur Kasse gebeten wird, ist noch offen. Ein Einzelfall dürfte er nicht sein. In der Ordnungsbehörde des Landratsamtes wird davon ausgegangen, dass noch zahlreiche verbotene Fangeisen in Nordsachsen zu finden sind. Denn auf dem Gebiet der neuen Bundesländer seien bis zum Inkrafttreten der aktuellen Bundes- und Landesjagdgesetze auch Fallen erlaubt gewesen, die verletzen, aber nicht sofort töten.

Die Behörde empfiehlt, entspechende Fundstücke bei der Polizei abzugeben und sich den Fundort genau zu merken. Im Zweifel genüge zunächst auch eine Dokumentation mit Fotos, um dann weitere Informationen einzuholen.

In der öffentlichen Kritik stehen übrigens auch sogenannte Totschlagfallen, obwohl sie nicht generell verboten sind. Doch der Grundstückseigentümer muss sich verantworten, wenn etwa statt eines Fuchses eine Katze hineingerät.

Kay Wuerker

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