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Verkostung mit bitterem Beigeschmack

Verkostung mit bitterem Beigeschmack


Delitzsch. Schokoladenfabrik mit Verkauf und Museum – so wirbt die Halloren Schokoladenfarbik seit Ende September für den Besuch ihres Delitzscher Standortes.

. Die Herbstferien nutzte jetzt der eine oder andere für eine Stippvisite. In Reaktionen, die unsere Redaktion erreichten, spiegelte sich überwiegend Enttäuschung über das Museum wider. Weshalb ich einen Selbstversuch startete und die Einschätzung unserer Leserin Bianca Worf bestätigt fand: Die an sich leckere Schokolade bekommt im Museum einen ungewollten bitteren Beigeschmack.

Doch der Reihe nach: Schon von Weitem zieht auf dem Parkplatz am Fabrikgebäude ein übermannsgroßes Plakat mit acht Frauen in weißem Kittel und Häubchen den Blick auf sich. Deren Aufforderung, doch mal reinzuschauen, folge ich gern. Im Fabrikverkauf tummeln sich auch zur Mittagsstunde etliche Leute. Die meisten Blicke ziehen die Aktionstische auf sich, auf denen beispielsweise die Schachtel Hallorenkugeln für 80 Cent, 150 Gramm Delitzscher Weinbrandbohnen gar nur für 70 Cent beworben werden.

Eine Stellwand trennt rund 200 Quadratmeter der großen Halle ab. Das Museum. Der Zutritt ist nur nach Löhnen von zwei Euro möglich, steht auf einem Schild. Also zurück an die Kasse und bei der netten Verkäuferin eine Eintrittskarte erworben. Beim Betreten des Raumes folgt die erste Ernüchterung. In grellem Licht präsentiert sich eine schon auf dem ersten Blick sehr überschaubare Ausstellung – eine Versuchung, hier länger zu verweilen, sieht anders aus.

Doch nicht entmutigen lassen. Ich vermute, dass es links außen losgeht, und tatsächlich findet sich dort die Schautafel „1894 - ein Anfang mit Visionen". 40 Jahre und eine Schautafel später erfahre ich, dass die Böhme Aktiengesellschaft schon über 700 Mitarbeiter zählt und sich besonders mit der Qualität des Verpackungsdesigns einen Namen macht. Doch Beispiele dafür suche ich vergebens. Dafür stolpere ich über drei Blechschüsseln, die vor der nächsten Schautafel liegen. Wozu die da sind – keine Ahnung. Die 300 Kilogramm-Waage danach erklärt sich ja noch ein wenig selbst. Doch auch die Nachkriegsgeschichte wird wieder nur in Schautafeln erzählt. Einen darauf aufgeführten Vergleich finde ich interessant. Eine Tafel Schokolade kostete zu DDR-Zeiten so viel wie 70 Brötchen. Warum hier nicht 70 (Kunst)-Brötchen neben einer Schokotafel liegen, um diese volkswirtschaftliche Verrenkung zu dokumentieren? Da wäre vielleicht auch Regine und Manfred Fuhrmeister, die aus Eilenburg mit Ferienkind Hannes kamen, noch einiges zu eingefallen. So bleibt es bei der Einschätzung vom Regine Fuhrmeister: „Es ist schon interessant, doch etwas größer hätten wir und das Museum schon vorgestellt."

An dieser Meinung ändern auch die Maschinen nichts, die in der Mitte des Raumes stehen. „Warum liegen hier Kaubonbons drauf?", fragt der sechsjährige Nico, der mit seiner Oma Inge Kojtsche aus Radefeld auf Schokoladenexkursion ging. Die Frage lässt sich nicht klären, denn einen Hinweis finden wir auch mit vereinten Kräften nicht. Im Kauern findet sich dann wenigstens noch das Fabrikationsschild, dass es sich um eine Schokoladenverarbeitungsmaschine aus Wernigerode aus dem Baujahr 1984 handelt.

Doch bei der Radefelderin punktet das nicht. „Bei mir kommt die Ausstellung jedenfalls nicht gut an." Und stimmt da sicher mit ihrem Enkelsohn überein, der justament den Kommentar der Oma mit der Frage unterbricht: „Wo geht es denn hier weiter?"

Weitergehen wird es auch künftig nur im übertragenen Sinne. Nadine Schindler, Leiterin Filialnetz und Schokoladenmuseum bei Halloren, im Nachgang mit der Kritik konfrontiert, hat Verständnis für diese. „Einige Sachen sind wirklich noch nicht fertig. So wollen wir auf dem Fußboden einen Rundgang markieren und natürlich auch noch die Maschinen beschriften. Bis Mitte November soll dies geschehen sein." Gerne würde man auch noch original Verpackungen aus alten Zeiten ausstellen. „Doch hierfür brauchen wir auch die Mithilfe der Delitzscher", wirbt die Museumsverantwortliche zugleich in eigener Sache.

Eine Frage klärt sie aber gleich: Bei der Maschine handelt es sich um einen Pralinenwickler und die Kaubonbons werden tatsächlich auch in Delitzsch produziert.

Nico lässt sich bei seinem Museumsbesuch jedenfalls auch diese Nicht-Schokolade schmecken. Und auch für die anderen Besucher gibt es am Ende noch einen süßen Abschluss. Nach dem Rundgang überrascht mich die Verkäuferin mit einer Schachtel Böhme-Pralinen. „So etwas werde jedem Museumsgast am Ende gereicht", erklärt sie auf meine verdutzte Reaktion. Und während die Böhme-Pralinen in der Redaktion trefflich munden – ein bitterer Beigeschmack vom Museumsbesuch bleibt.

Ilka Fischer

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