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Delitzsch Vernachlässigt Delitzsch die Ortsteile bei der Grünpflege?
Region Delitzsch Vernachlässigt Delitzsch die Ortsteile bei der Grünpflege?
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00:19 24.07.2017
Thomas Görner, Ortsvorsteher im Delitzscher Ortsteil Laue, hat Probleme mit den von der Stadt Delitzsch verwalteten Grünflächen. Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

Über kaum etwas lässt sich leidenschaftlicher debattieren, als über das Grün in Nachbars Garten. Entweder ist es wie im Englischen sprichwörtlich immer etwas grüner als auf der eigenen Seite des Zauns. Oder es erregt Anstoß, weil es zu ungepflegt daher kommt. Ähnlich debattiert wird das Grün im öffentlichen Raum: Da sind die Zuständigkeiten klar verteilt: Klar ist, der Fehler über die unzureichende Grünflächenpflege liegt nicht in der eigenen, sondern der öffentlichen Hand. Der Unmut über diese ist schnell in die digitale Öffentlichkeit getragen. Ein Foto per Smartphone ist gemacht, die Missstände fix dokumentiert und mit einem Dank an die Stadt adressiert. Ein Smiley sichert, dass der auch nicht falsch verstanden wird. Leserreaktionen in den sozialen Netzwerken reichen dann von ironisch: „Naturnahe Flecken gibt es doch kaum noch. Ihr habt da etwas Besonderes im Dorf ...“ bis zum Vorwurf, dass solcherlei Ungemach im Innenstadtbereich nie zu sehen sei.

Stadt am Pranger – zur Recht?

Das Urteil scheint gesprochen, doch trifft es die Stadt zurecht? Nachgefragt bei der Stadt kommt nach kurzer Sichtung der im Netz gestellten Fotos ein klares Nein. Es handele sich um Straßenbegleitgrün an höherrangigen Straßen wie etwa Kreisstraßen. „Dann ist die Straßenmeisterei des Landkreises zuständig“, erklärt Pressesprecherin Nadine Fuchs. Die Servicegesellschaft der Stadt Delitzsch (SGD), die im Auftrag der Stadt viele städtische Flächen pflegt, stehe hier zu Unrecht am Internetpranger. Auskunft, ob diese für Flächen zuständig sei, gebe das Bürgerbüro, das auch Hinweisen zur Ordnung und Sauberkeit nachgeht.

Zuständigkeiten müssen geklärt werden

Diese Zuständigkeiten beschäftigen auch Thomas Görner im Ortsteil Laue immer wieder. Er spricht von Ärger, der sich nun über Jahre hinziehe. Als Ortsvorsteher sehe er sich in jeder Ortschaftsratssitzung mit Nachfragen konfrontiert. Er verstehe, wenn ein Bürger sich fragt: „Warum muss ich meinen Fußweg sauber halten und die Stadtverwaltung macht das nicht.“ Statt aber nur anzuprangern wie im Netz, sucht er das Gespräch – denn ohne Kritik, so meint er, könnten wir nichts lernen. So steht ein Treffen an, das letzte Fragen klären soll, zu wem bestimmte Flächen in Laue gehören. „Über Privatflächen müssen wir nicht diskutieren“, sagt Görner. Die seien Sache der Besitzer, was ihn jedoch wundere, dass manche Flächen zunächst aus der Zuständigkeit der Stadt herausgenommen und dann wieder bearbeitet wurden.

Ungeklärte Zuständigleiten bei Wegen und Randstreifen im kleinen Dorf Laue

Auch Verbesserungen in Laue

Bei aller Kritik sieht er allerdings auch Verbesserungen: So leiste das Sozial- und Beschäftigungszentrum, an das die Rasenpflege von der SGD fremdvergeben wurde, gute Arbeit. Nachholbedarf sieht er bei der Pflege der Fußwege und Rinnsteige, die diese selbst erledige. „Das funktioniert überhaupt nicht“, meint er. Er regt an, mehr Geld im Haushalt bereitzustellen, um genügend Personal zu haben. Zudem fragt er: „Warum betrifft das immer nur die Ortsteile?“ In der Kernstadt sehe er solche Probleme bei der Grünpflege nicht.

Innenstadt wird nicht bevorzugt

Dazu gibt es aus dem Rathaus auch eine klare Antwort: Die Innenstadt werde bei der Grünflächenpflege gegenüber den Ortsteilen nicht bevorzugt. Nadine Fuchs räumt jedoch ein: „Wenn ein Fest wie das Stadtfest mit dem Peter- und Paul-Markt ansteht, wird freilich erst einmal die Stadt in einen angemessenen Pflegezustand versetzt.“ Denselben erhöhten Aufwand betreibe die SGD allerdings auch bei den Ortsfesten. „Mit den Ortschaftsräten wurde vor Ort dem Einsatz der SGD und den beauftragten Dritten gesprochen“, teilt sie mit. Bei ihrem Einsatz gehe die SGD nicht planlos vor, jedoch erforderten Witterungsverhältnisse und sonstige Bedingungen mitunter Flexibilität.

Das Bürgerbüro in der Schloßstraße 30 ist telefonisch unter 034202 67200 zu erreichen. Wer selbst Grün pflegen möchte, kann an die Stadtverwaltung herantreten und eine Grünflächenpflegepatenschaft übernehmen. Ansprechpartner bei der Stadt ist hierfür Jan Matussek unter der 034202/67326.

Von Manuel Niemann

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