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Viel Dreck und wenig Wasser: Wallgraben stinkt zum Himmel

Viel Dreck und wenig Wasser: Wallgraben stinkt zum Himmel

Klares Wasser? Klare Fehlanzeige! Dass der Delitzscher Wallgraben nicht gerade zum Baden einlädt, ist bekannt. Immer mehr Schlamm hat sich in den vergangenen Monaten im flachen Gewässer abgelagert, an manchen Stellen wird der Eindruck immer schlammiger.

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Dass der Wallgraben 24 Jahre nicht entschlämmt wurde, ist deutlich sichtbar, immer mehr Schwebstoffe lagern sich ab.

Quelle: Wolfgang Sens

Delitzsch. Mit dem Boot über den Graben zu rudern, wird mehr und mehr zur Kraftprobe gegen ungewolltes Gestrüpp. Ganz abgesehen davon, dass es zu allem Überfluss regelmäßig zu Vandalismus am Ufer kommt - mitunter ganze Fahrräder im Graben entsorgt werden. Das Gewässer wird allmählich zur braunen Brühe, mancher mit besonders empfindlicher Nase beschwert sich mit den ersten warmen Tagen sogleich über Gerüche. Sorgen machen sich da breit: "Der Wasserstand ist doch sichtlich abgesackt", kritisierte Freie-Wähler-Fraktionschef Uwe Bernhardt im jüngsten Stadtrat bisherige Untätigkeit der Stadtverwaltung - die letzte Entschlämmung ist inzwischen mehr als zwei Jahrzehnte her.

Im Rathaus hebt man tatsächlich, sogar guten Gewissens, die Hände - und verweist auf den Bergbausanierer LMBV. Dort müsse entschieden werden, ob das Unternehmen die hydrologische Untersuchung des Wallgrabens und dann weitere Maßnahmen übernähme. Denn es stehe zu vermuten, dass die Lobersanierung der "hydrologische Grund für den Zustand des Wallgrabens ist", sagt Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) gegenüber der LVZ. Es gehe darum, die Frage der Abhängigkeit zwischen Lober und Wallgraben zu klären. Alles andere sei Stochern im Nebel. Es müsse ganz genau geklärt werden, was mit dem Gewässer ist. "Man sieht es ja: eigentlich ist es inzwischen ein stehendes Gewässer, es haben sich viele Sedimente abgelagert und der Frischwasserzulauf reicht nicht aus", schildert Wilde, "und so könnte es sein, dass der Wallgraben tatsächlich eines Tages kippt." Für Panik bestehe aber kein Grund. Vorausgesetzt sei dafür schließlich ausdrücklich eine lange Hitzeperiode im Sommer mit heißen Temperaturen über Wochen.

Früher sei es, das räumt Wilde ein, üblich gewesen, den Wallgraben alle 20 Jahre zu entschlämmen. Zuletzt fand dies 1991 statt. Seit zwei Jahren sei das Problem Wallgraben und die nicht eben billige Sanierung immer wieder Thema und Arbeitsaufgabe. Immerhin würden seit einiger Zeit auch beide Pumpen zur Speisung laufen, die man zudem nachjustieren musste. Auch das sei ursprünglich anders geplant gewesen und verursache erhöhte Kosten.

Ursprünglich war die Entschlammung als Komplettmaßnahme bereits für das vergangene Jahr vorgesehen. Allerdings ergab eine Analyse deutlich höhere Kosten als erwartet. Weil schließlich nicht nur entschlämmt, sondern vorsorglich auch die Sohlschicht abgedichtet werden soll, bewertete die Landesdirektion die Maßnahme zudem als Gewässerausbau. Das Vorhaben wurde im Sommer 2014 von der Liste gestrichen. Das reservierte Geld - zunächst 190 000 Euro - floss statt in den Wallgraben in die Stadtmauersanierung und in den Wiederaufbau des Ehrenberghauses. Im Doppelhaushalt 2015/16 der Stadt Delitzsch, zu Jahresbeginn vom Stadtrat verabschiedet, sind nun 273 000 Euro für die Wallgrabensanierung vermerkt.

Gestern fand die entscheidende Tagung der LMBV statt. Unter Umständen könnte die Verwaltung heute schon ein Zwischenergebnis bekommen, so Wilde. Er rechne aber eher später mit einem Bescheid.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2015
Christine Jacob

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