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Delitzsch Vogelgrippe-Verdacht bei Putenzucht in Rackwitz bestätigt
Region Delitzsch Vogelgrippe-Verdacht bei Putenzucht in Rackwitz bestätigt
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09:27 03.02.2017
Ein Sichtschutz sollte die Tötungsmaßnahme vor neugierigen Blicken schützen. Quelle: Frank Pfütze
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Rackwitz

Der Verdacht hat sich bestätigt: Es handelt sich um H5N8 (Gefügelpest). Zu diesem Ergebnis kam das Bundeslabor auf der Insel Riems, das die toten Puten aus der betroffenen Farm in Rackwitz untersucht hat, am Donnerstag. Gestern um 10.30 Uhr konnte die Aktion in Rackwitz beendet werden, waren alle 6500 Puten getötet. Jetzt werden Ställen und das Gehöft gereinigt, danach beginnt die Desinfektion. Die Fachfirma, welche die Tiere getötet hat, ist inzwischen abgereist.

„Es geht weiter in diesem Betrieb. Allerdings muss die Desinfektion erst einmal wirken. In zirka drei Wochen darf wieder eingestallt werden. Die Geschäftsführung hat geäußert, dass die Anlage wieder für die Putenzucht genutzt wird“, sagte Angelika Stoye, die gestern nochmals vor Ort war. Die Dezernentin wies darauf hin, dass nach diesem Fall deutlich schärfere Beschränkungen für Geflügelhalter gelten. Unter anderem dürfen:

Geflügel und Eier nicht aus Betrieben des Sperrbezirkes und des Beobachtungsgebietes nach außerhalb gebracht werden. Dem Verzehr der Produkte steht nichts entgegen, wobei Geflügelfleisch ohnehin stets gut durchgegart werden muss.

Frisches Fleisch von Geflügel und Federwild oder deren Produkte hergestellt in Betrieben des Sperrbezirkes und Beobachtungsgebietes nicht transportiert werden. Das gilt auch für tierische Nebenprodukte wie Mist, Kot, Federn, ausgenommen ist die Entsorgung über die Tierbeseitigungsanstalt in Lenz.

Gefahr für Menschen unwahrscheinlich

Der Erreger dieser Tierseuche ist ein Influenza-A-Virus, das sich durch das Hülleiweiß (H5) beschreiben lässt und bekanntermaßen bei Vögeln (Wild- und Nutzgeflügel) ein „sehr stark krankmachendes“ ansteckendes Potenzial hat. Die Übertragung auf den Menschen wird von den Wissenschaftlern als „nicht sehr effektiv“ beschrieben. Eine Übertragung auf den Menschen gilt als unwahrscheinlich. Der Erreger wurde bisher nicht bei menschlichen Erkrankungen beobachtet. Ein erhöhtes Risiko für die Allgemeinbevölkerung besteht somit nicht, teilt das Landratsamt mit. Eine Übertragung des Erregers (H5N8) über infizierte Lebensmittel ist theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich.

Anders als in anderen Bundesländern müssen der Betreiber und seine Versicherung, die Tierseuchenkasse (TKS), für den Schaden aufkommen. In anderen Bundesländern beteiligen sich die Länder an den Kosten. Voraussetzung: Der Betrieb muss bei der TSK gemeldet sein und seine Beiträge dorthin entrichtet haben. Rechtsdezernentin Angelika Stoye sprach davon, dass der Rackwitzer Betrieb nun „auf einem Teil der Kosten sitzen bleibt“. Die Rede ist von über 100 000 Euro Schaden. „Der Höchstsatz bei einem solchen Fall bei Geflügel liegt bei 50 Euro pro Tier. Allerdings ist das nur bei wertvollen Zuchttieren realistisch. Die TSK zahlt nicht die Reinigung und Desinfektion. Aber: „Der Freistaat zahlt auf jeden Fall etwas“, sagte Nordsachsens CDU-Landtagsabgeordneter Jörg Kiesewetter.

Alle Informationen zum Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet und den dort geltenden Beschränkungen finden Sie in den entsprechenden Allgemeinverfügungen sowie weitere aktuelle Allgemeinverfügungen/ Verordnungen finden Sie unter www.landkreis-nordsachsen.de/aktuell.html

Am Montag waren bei dem Putenzüchter mehr als 250 tote Tiere entdeckt worden. Es war der erste Vogelgrippe-Fall in einem Geflügelbetrieb in Sachsen. Bis dato waren der Tierkrankheit im Freistaat nur Wildvögel zum Oper gefallen.

Von Frank Pfütze

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