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Delitzsch Vogelschutz kontra Naherholung
Region Delitzsch Vogelschutz kontra Naherholung
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19:26 16.04.2010
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Rackwitz/Delitzsch

Mit einer Allgemeinverfügung wollte sie solch eine Nutzung deshalb vorbeugend untersagen. Landrat Michael Czupalla (CDU) zog den Entwurf inzwischen zurück – nun muss verhandelt werden. Neu ist die Bedeutung des westlichen Altkreises Delitzsch als Brutrevier nicht. Bereits im Herbst 2006 wurde das Areal „Agrarraum und Bergbaufolgelandschaft bei Delitzsch“ als Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Ein Bereich von beachtlicher Größe: Er erstreckt sich als breiter Gürtel von der Autobahn 9 bei Doberstau über die Gemeinden Neukyna, Zwochau, Rackwitz und Schönwölkau bis Mocherwitz, streift dabei auch Delitzscher Flur. Hinzu kommt eine Fläche zwischen Beerendorf, Brinnis und Spröda. Rund 6400 Hektar mit Feldgehölzen, Hecken, kleinen Fließgewässern, vereinzelten Buchenwäldern und den Tagebaurestlöchern Werbeliner, Grabschützer und Zwochauer See. Zahlreiche Brutvogelarten, die auf der Roten Liste der Wirbeltiere in den obersten Kategorien stehen, haben dort ihr Domizil – für einige Arten gilt der Raum Delitzsch als eines der bedeutendsten Brutgebiete im Freistaat. Zudem ist das Areal ein Rast- und Nahrungsplatz für Saatgänse. Kurzum: Der Lebensraum nahe der Loberstadt gilt als Naturidyll – insbesondere die Tagebauseen mit ihren Flach- und Tiefwasserbereichen, Inseln und Uferzonen. Nun will die Untere Naturschutzbehörde genau diesen Kernbereich mit den Seen besonders intensiv schützen. Es habe in den vergangenen zwei Jahren Störungen gegeben, erklären die beim Landratsamt angesiedelten Fachleute in der Begründung ihrer Allgemeinverfügung, ohne genauer zu werden. Gefährdet seien unter anderem Rothalstaucher und Rotmilan, Rohrdommel und Rohrweihe, Kiebitz und Grauammer. „Auf Störungen durch den Menschen reagieren die vorkommenden Vogelarten besonders empfindlich, wobei in der Regel die Aufgabe des Brutplatzes und der Verlust der Jungtiere die Folge ist“, heißt es im Entwurf der Verfügung. „Die zukünftige Nutzung hat sich deswegen den Prämissen des Natur- und Artenschutzes unterzuordnen.“ Für Sieghart Handke, Bauamtsleiter der Gemeinde Rackwitz, ist das ein erheblicher Eingriff in die kommunale Selbstverwaltung. Zwar gibt es an den noch in Flutung befindlichen Seen noch keine Aktivitäten, doch mögliche Nutzungspläne für die Zukunft wären damit zerschlagen. Handke wundert sich vor allem deshalb über den Vorstoß der Naturschutzbehörde, weil im Regionalplan Westsachsen andere Ziele formuliert sind. „Der Regionalplan in seiner Fassung von 2008 ist für uns die Grundlage“, sagt er. „Er wurde unter Beteiligung aller Naturschutzbehörden ausgearbeitet und hat deren Belange bereits stark berücksichtigt.“ Und die Tourismus-Intention fürs Leipziger Neuseenland ist unter Punkt acht deutlich dokumentiert: „eine abwechslungsreiche und erlebniswirksame Bergbaufolgelandschaft zu entwickeln und gemeindeübergreifend vielfältige touristische Angebote, insbesondere für Wasser-, Aktiv- und Trendsportarten zu schaffen“. Dass Landrat Czupalla die Allgemeinverfügung vorerst ausgesetzt hat, kommt Sieghart Handke deshalb entgegen. Und auch Delitzschs Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) bezeichnet es gegenüber der Kreiszeitung als „richtige Entscheidung“. Das Rathaus favorisiere eine naturnahe Entwicklung des Werbeliner Sees, dessen Nordufer auf Stadtgebiet liegt. „Zu diesem Zweck haben wir eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Mit einem Ergebnis für die Öffentlichkeit ist im Mai zu rechnen.“

Kay Wuerker

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