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Volkssolidarität in Nordsachsen will sich um elternlose Flüchtlingskinder kümmern

Jubiläums-Feier Volkssolidarität in Nordsachsen will sich um elternlose Flüchtlingskinder kümmern

Rentnerclub, nur was für Alte ... Irgendwie wird die Volkssolidarität schon mit ihrem scheinbar in die Jahre gekommenen Namen dieses Image nie ganz los. Dass es ganz anders ist, hat der Verband erneut am Freitagabend bewiesen. Beeindruckend und bewegend. Zum großen Festakt anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Volkssolidarität wurde ins Bürgerhaus Delitzsch geladen.

Botschaft des Abends: Peace, Frieden! Die Tänzerinnen haben einen beeindruckenden Auftritt hingelegt, der unmissverständlich endet.

Quelle: Christine Jacob

Delitzsch. Es wurde eine Feier mit der Brücke zur aktuellen Flüchtlingsdebatte und der unmissverständlichen Botschaft, dass die Volkssolidarität sich in diesem Bereich engagieren wird.

110 Mitarbeiter, 160 Ehrenamtliche und 1500 Mitglieder zählt der Verband in Nordsachsen heute. Er ist wieder stark nach einer mit der Wende eingeleiteten Krise, blickte der Vorsitzende Jens Frieß in die Vergangenheit - von mal 5000 Mitgliedern blieben binnen weniger Monate nur noch die Hälfte, sanken die Zahlen weiter. "Das war eine existenzbedrohende Zeit", sagte Frieß.

So ein Festakt ist sonst stets gefüllt von salbungsvollen "Alles gut"-Reden und Auftritten von Chor oder Tanzgruppen. Meist sollen sie einfach nur zeigen, wer was kann und wie toll der Verein ist. So etwas kippt gerne mal in die Selbstbeweihräucherung. Der Volkssolidarität gelang es am Freitag, eine Botschaft zu senden. Fast alle Auftritte hatten - mal unterschwellig, mal überdeutlich - nur ein Thema, eine Botschaft: Hautfarbe? Herkunft? Egal, es geht ums Helfen und Not kann jeden treffen. So sang der Chor der Volkssolidarität Eilenburg in historischen Kostümen, während auf der Leinwand Bilder aus dem Jahr 1945 mit einer in Schutt und Asche liegenden Muldestadt und Flüchtlingen in Delitzsch gezeigt wurden. Die Kinder- und Jugendtanzgruppen verdeutlichten die Schrecken der heutigen Kriege. Zu Michael Jacksons Songs "They Don't Care About Us" (Sie interessieren sich nicht für uns) und "Heal the World" als Appell, die Welt zu einem besseren Platz zu machen, gaben sie auf der Bühne (Kinder-)Soldaten, Flüchtlinge und andere Kriegsopfer - und reckten am Ende Friedenstauben und Peace-Zeichen in die Luft vor emotional berührten Gästen. Sie tanzten, was andere in Worte fassten:

Dass die Volkssolidarität Solidarität auszeichnet, das brachte Geschäftsführerin Anke Thiedmann mit einem Brecht-Zitat auf den Punkt, denn: "Das Schicksal des Menschen ist der Mensch".

Unstrittig kümmert sich die vor 70 Jahren im Angesicht der schweren Folgen des Zweiten Weltkriegs gegründete Volkssolidarität um das Menschenwohl. Auf vielen Ebenen, fern aller Vorurteile, dem Menschen zuliebe. "Wir sind ein Verband für die ganze Familie, miteinander füreinander", betonte Geschäftsführerin Anke Thiedmann. Fürwahr, Belege gibt es genug: Kindergärten mit integrativen Angeboten, Kinderferienlager und -freizeiten, Hilfen zur Erziehung, das Kinder- und Jugendheim Biesen gehören ebenso zu den vielfältigen Angeboten wie Begegnungsstätten und Reisen, hauswirtschaftliche Versorgung, Mahlzeitendienst, diverse weitere Angebote und bald das Engagement für Flüchtlinge.

In den 25 Jahren nach der Wende hat sich die Volkssolidarität in Nordsachsen zu einem unverzichtbaren Verband etabliert, was sich unter anderem daran zeigt, dass es ohne das Kinderheim Biesen oder die Kitas nicht ginge. Ihre Stärke, blickte Thiedmann voraus, will die Volkssolidarität jetzt erst recht nutzen. "Es gibt so viele unbegleitete Kinder als Flüchtlinge. Es werden mehr als 75 sein, die der Landkreis aufnehmen muss", schilderte sie, "es zeigt, dass es auch heute Not und Elend gibt. Wir wollen helfen." Schon 1945 folgte dem Wollen das Machen.

Von Christine Jacob

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