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Vom Buchhandel zur Bibel

Vom Buchhandel zur Bibel

Es sind die Gespräche über Gott, die Welt und die Bibel, die Angebote für Kinder, Konfirmanden und Erwachsene, die die Arbeit der Gemeindepädagogen ausmachen.

Delitzsch/Zschortau. In den Kirchgemeinden zählen sie zu den bekanntesten Gesichtern. So war es auch bei Katja Schmiedeke, die drei Jahre lang dieses Amt für die evangelischen Kirchspiele Delitzsch und Zschortau begleitet hat. Im Juli 2012 verabschiedete sie sich aus der Region, ging nach Berlin ins Vikariat. Die Lücke, die sie hinterließ, blieb viel länger als erwartet. Die Suche nach einem Nachfolger geriet zur Durststrecke, und obwohl so mancher einsprang und Aufgaben übernahm, machte das Loch im Personalstamm ziemlich zu schaffen. Vakant ist die Stelle de facto immer noch - mangels Fachkraft. Doch seit wenigen Tagen steht hinter der Aufgabe der Gemeindepädagogik ein neuer Name: Babett Herkt. Sie möchte fortsetzen, was Katja Schmiedeke in Bewegung gebracht hat - und fängt dafür beruflich noch einmal ganz von vorn an.

Bis zum 31. August, 18 Uhr, war Babett Herkt Buchhändlerin. An jenem Samstag vor einer Woche zog sie an ihrem alten Arbeitsplatz im Einkaufspark Nova Eventis das letzte Mal die Tür hinter sich zu. Zwölf Jahre war sie dort angestellt. Und durchaus ein bisschen bedrückt wegen des Abschieds von lieb gewonnenen Kollegen. Doch die 39-Jährige hat sich den Schritt wohl überlegt. Die Zäsur war monatelang vorbereitet - und die bewusste Konsequenz einer überzeugten Christin, die noch vor gut zehn Jahren gar nichts mit Glauben am Hut hatte.

"In meinem Elternhaus spielte Konfession keine Rolle. Ich bin erst durch einen großen persönlichen Schmerz 2003 mit der Kirchgemeinde in Zschortau in Kontakt gekommen", erzählt Babett Herkt. Zwei Jahre zuvor war die gebürtige Leipzigerin von der Großstadt in den beschaulichen Rackwitzer Ortsteil Biesen gezogen, nur ein paar Hundert Meter von Zschortau entfernt. Das Thema Religion gewann für sie plötzlich an Bedeutung, doch es brauchte "noch viele kontroverse Diskussionen mit dem damaligen Pfarrer Heimrich", bis sich Babett Herkt dem Glauben öffnete.

Umso mehr hängt nun ihr Herz daran. Ihre Töchter Annika und Selina, neun und sieben Jahre alt, wuchsen in diesem Sinne auf, besuchen regelmäßig die Kinderkirche - so wuchs schließlich auch zwischen Babett Herkt und Katja Schmiedeke eine herzliche Verbindung. "Als Katja ging, fragte mich Pfarrer Pecusa, ob ich mir vorstellen könnte, diese Aufgabe zu übernehmen, mich entsprechend ausbilden zu lassen." Die Biesenerin sagte zu, der Kreiskirchenrat stellte die Weichen mit einer eigens geschaffenen Ausbildungsstelle und Babett Herkt startete zu Monatsbeginn ein Studium der Gemeindepädagogik am Kloster Drübeck bei Wernigerode. "Eine duale Ausbildung", erklärt sie. "Eine Woche pro Monat bin ich am Stück dort, dann wieder in Delitzsch und Zschortau." Eine Reihe von Praktika sind innerhalb der nächsten drei Jahre zu absolvieren - zur Kinder- und Jugendarbeit, zur Arbeit mit Konfirmanden und Erwachsenen. Auch Gespräche mit anderen Gemeindepädagogen im Kirchenkreis gehören dazu.

In Delitzsch und Zschortau kümmert sich Babett Herkt um die Kinderkirche, früher bekannt als Christenlehre und inzwischen auch von Jungen und Mädchen besucht, die keinen konfessionellen Hintergrund haben. Aktuell laufen die Vorbereitungen aufs Landeserntedankfest und die Bibellesenacht am 5. Oktober. "Ich bin im neuen Amt wunderbar aufgenommen worden", berichtet Babett Herkt fröhlich. Ihre Einführung geschah im Rahmen zweier Familiengottesdienste am vergangenen Sonntag. Sehr feierlich sei sie in der Stadtkirche Delitzsch empfangen worden, sehr emotional zuvor in Zschortau. Pfarrer und Gemeindemitglieder segneten sie - ein Neuanfang, den die Biesenerin wohl nicht mehr vergessen wird. Und als hätte dieser Moment nicht schon genug Symbolik, feiert Babett Herkt am Montag auch noch einen runden Geburtstag. Sie wird 40. Und Katja Schmiedeke hat versprochen zu kommen. Kay Würker

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.09.2013

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