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Von Delitzsch bis Oschatz: Osterzeit ist Taufenzeit

Glaubensbekenntnis Von Delitzsch bis Oschatz: Osterzeit ist Taufenzeit

Ostern, das Ende der Dunkelheit, der Beginn des neuen Lebens – dieses wichtigste Fest des Christentums ist seit jeher eng verbunden mit dem Ritual der Taufe. Wenngleich die Zahl der Täuflinge in der Region kleiner geworden ist, ist die Osterzeit für Taufen der Klassiker.

Im Januar war es für Claudia Ramisch und Töchterchen Sophia so weit: Der Delitzscher Pfarrer Michael Poschlod taufte den wenige Monate alten Säugling in den Armen der Mutter.

Quelle: Alexander Prautzsch

Delitzsch. Ostern, das Ende der Dunkelheit, der Beginn des neuen Lebens – dieses wichtigste Fest des Christentums ist seit jeher eng verbunden mit dem Ritual der Taufe. Wenngleich die Zahl der Täuflinge in der Region kleiner geworden ist und das elterliche Glaubensbekenntnis nicht zwingend ans Fest der Auferstehung geknüpft werden muss, ist die Osterzeit für Taufen der Klassiker.

In der katholischen Kirche in Delitzsch findet in der Nacht zum Ostersonntag eine Erwachsenentaufe statt. Auch das ist ein Klassiker, zumindest bei den Katholiken der Pfarrei St. Klara, deren Einzugsgebiet sich über 123 Orte von Wiedemar bis Eilenburg und Bad Düben erstreckt. „Erwachsene taufe ich grundsätzlich nur in der Osternacht“, sagt Pfarrer Michael Poschlod. Das handhabe er schon seit Langem so – verbunden mit der Einladung an jeden Anwärter, vor diesem großen Ereignis ein volles Kirchenjahr mitzuerleben, mit all seinen Terminen und Höhepunkten. „Schließlich ist die Taufe und die Hinwendung zum Glauben eine Lebensentscheidung. Die sollte reifen und wachsen“, begründet Poschlod.

Erwachsenentaufe in der Osternacht

Diesmal sei es eine 40-jährige Mutter, die in der Osternacht die Taufe empfängt. Mit einer Besonderheit: Ihre Kinder sind bereits katholisch. Sie habe vor Jahren in Bayern gelebt und mangels Konfession keinen Kita-Platz bekommen. Deshalb wurde – als Ausnahme – zunächst die Tochter getauft, später konsequenterweise auch der Sohn. Nun, nach absolviertem „Grundkurs des Glaubens“, wolle die Mutter dem Weg der Kinder folgen. Ansonsten hat Pfarrer Poschlod für dieses Jahr bislang sieben Kleinkindtaufen im Buch stehen, davon vier in der Osterzeit, die bis Pfingsten währt. „Ich habe die Hoffnung, dass es dieses Jahr insgesamt mehr als zehn Taufen werden“, sagt Poschlod. Mehr also als in den vergangenen Jahren. Insbesondere 2015 sei es mit nur zwei Taufen in der gesamten Pfarrei recht übersichtlich gewesen. Der vor allem demografisch bedingte Mitgliederschwund hinterlässt Spuren.

Er geht auch an der evangelischen Gemeinde nicht vorbei. Immerhin: Die Zahl der Taufen sei mit 10 bis 15 pro Jahr seit Längerem recht stabil, bilanziert der Delitzscher Pfarrer Stephan Pecusa. Wobei Erwachsene unter den Täuflingen nur selten zu finden seien – anders als noch vor 15 Jahren, als sich Kleinkinder und Erwachsene in der Anzahl etwa die Waage hielten. „Nach der Wende“, erinnert sich Pecusa, „haben viele ihr Glaubensbekenntnis nachgeholt.“

Täuflinge meist ein bis drei Jahre alt

Auch der evangelische Pfarrer wird in der bevorstehenden Osternacht eine Taufe vollziehen. Eine Zwölfjährige werde die erste sein, die mit dem neuen Osterwasser in Berührung kommt. Zum Fest der Auferstehung seien Taufen in Delitzschs evangelischer Gemeinde regelmäßiger Bestandteil, genauso wie das Anzünden der Osterkerze und die Weihe des Osterwassers. Zu anderen Jahreszeiten hingegen rücken die Glaubensbekenntnisse in den Kalender, wie es Eltern und Familien am besten passt. „Es hängt schließlich auch eine Feier dran, was erst seit 30, 40 Jahren so üblich ist. Und meist sind die Kinder zum Zeitpunkt der Taufe schon ein bis drei Jahre alt“, sagt Pecusa. Ähnlich bei den Katholiken. Die Theologie hat sich gewandelt, die Angst ist weg, erklären die beiden Delitzscher Pfarrer unisono. Die Zeiten, als vor dem Eindruck hoher Säuglingssterblichkeit direkt nach der Geburt getauft wurde, sind lange vorbei.

15 Taufen im Vorjahr in Oschatz

Auch in Oschatz wird am Sonntag getauft: Zum Gottesdienst ab 10 Uhr in der Klosterkirche nimmt Pfarrer Christof Jochem ein Kind in die evangelische Gemeinde auf. „Termine wie dieser kommen den Wünschen der Eltern entgegen. Da die Familien oft weit verstreut sind, bietet sich ein langes Wochenende mit Feiertagen für die Taufe an, denn dann haben alle Gelegenheit, gemeinsam zu feiern“, ist seine Erfahrung. Im vergangenen Jahr wurden in der 1715 Mitglieder starken Oschatzer Gemeinde insgesamt 15 Taufen gefeiert. Daran erinnert wurde erst vor Kurzem, am Sonntag Lätare Anfang März. „Dann gestalten wir gemeinsam mit unserer evangelischen Kindertagesstätte einen Familiengottesdienst zum Taufgedächtnis. Dazu sind auch die Täuflinge eingeladen, ihre Taufkerze mitzubringen“, beschreibt Jochem.

In anderen Gemeinden wird dieses Taufgedächtnis wiederum traditionell in der Osternacht begangen. Besonders feierlich wird es, wenn die Kinder und Erwachsenen ihre die mitgebrachten Lichter an der Osterkerze entzünden.

Von Kay Würker und Jana Brechlin

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