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Von Schkeuditz bis Mügeln: Unfallquellen an neuen Straßen

Unfallkommission Von Schkeuditz bis Mügeln: Unfallquellen an neuen Straßen

Die Arbeit der Unfallkommissionen im Landkreis hat durchaus Erfolg, bekommt jedoch immer neue Themen. Das zeigt deren jüngste Jahresbilanz. Allein im Delitzsch-Eilenburger Raum stehen derzeit 31 kritische Stellen in der Liste – 18 ist es im Bereich Torgau-Oschatz. Die meisten wurden bereits entschärft, andere bereiten noch akute Sorgen.

Unfall an der Mügelner Umgehungsstraße.

Quelle: Dirk Hunger

Nordsachsen. Auf der B 87 bei Torgau ist die Lage entschärft, auch auf der B 184 zwischen Delitzsch und Zschortau ist es jetzt entspannter. Doch die S 8 bei Schkeuditz bereitet weiterhin Probleme, und die S 31 bei Mügeln ist als Sorgenkind ganz neu hinzugekommen. Auszüge aus der aktuellen Dokumentation der beiden Unfallkommissionen des Landkreises. Die Gremien in der westlichen beziehungsweise östlichen Hälfte Nordsachsen werden aktiv, wenn Gefahren lauern, Handlungsbedarf besteht. Regelmäßig treffen sich die wichtigsten Steuerer des Straßenverkehrs zu Vor-Ort-Besichtigungen an neuralgischen Punkten: Polizei, Kommunen, Straßenbauamt, Straßenverkehrsbehörde. Oftmals geht es um Korrekturen bei Beschilderungen und Fahrbahnmarkierungen, aber auch um bauliche Veränderungen. Die Arbeit hat durchaus Erfolg, bekommt jedoch immer neue Themen, wie die jüngste Jahresbilanz der Unfallkommissionen zeigt – wobei der Faktor Mensch eine unberechenbare Größe bleibt. Allein im Delitzsch-Eilenburger Raum stehen derzeit 31 kritische Stellen in der Liste – 18 ist es im Bereich Torgau-Oschatz. Die meisten wurden bereits entschärft, stehen aber noch unter Beobachtung. Und an einigen Unfallschwerpunkten ist die Lösungssuche noch voll im Gange. Eine Auswahl.

: Die Bundesstraße 184 beschäftigt die Unfallkommission an verschiedenen Stellen. Zumindest hat sich die Lage in Höhe Flämingstaler Weg nahe dem Tiergarten beruhigt. Nachdem es dort im Zeitraum 2013 bis 2014 vier Verkehrsunfälle mit zwei Schwer- und fünf Leichtverletzten gegeben hatte, wurde 2015 kein Vorfall aktenkundig. Die Unfallursachen waren unterschiedlich – unter anderem wollten 2014 zwei ältere Radfahrer aus dem Flämingstaler Weg auf die B 184 auffahren und wurden dabei von Autos erfasst. Sichtbehinderungen aus dieser Richtung seien nicht festgestellt worden, heißt es von der Stadtverwaltung. Für B-184-Querer in Richtung Kertitz wurde jedoch das Grün entlang des Rad-Gehweges gestutzt.

Im weiteren Verlauf der Bundesstraße Richtung Zschortau hat die Unfallkommission bereits 2014 das zulässige Tempo auf 80 gedrosselt und ein weitgehendes Überholverbot eingerichtet. Immer wieder waren dort Autos aufs Feld geschlittert. Spürbaren Erfolg brachte diese Maßnahme allerdings erst 2015 im Zuge verstärkter Kontrollen. „Ordnungsamt und Polizei messen jetzt regelmäßig. Das zeigt offenkundig Wirkung“, stellt Barbara Rühlmann von der Straßenverkehrsbehörde fest. Lediglich der Knoten Brodenaundorf macht noch Sorgen, weil trotz neuem Stoppzeichen und Haltelinie Vorfahrtsverletzungen passieren.

Als massives Problem gilt der Abzweig Selben/Zschepen an der südlichöstlichen Delitzscher Ortsumgehung: allein 2015 ereigneten sich neun Unfälle, darunter zwei mit Personenschaden. Diverse Maßnahmen, um den Verkehr auf der untergeordneten Seitenstraße auszubremsen, fruchten noch nicht ausreichend. Hinzu kommt überhöhtes Tempo auf der Hauptstraße. Es soll dort öfter geblitzt werden.

: An der Kreuzung von Leipziger und Gießereistraße gab es 2015 einen Unfall mit zwei Schwerverletzten. Immerhin: Das ist deutlich weniger als in den Jahren zuvor. Das Tempo auf der Nebenstraße ist reduziert worden. Laut Kontrollergebnissen halten sich die Autofahrer daran. Am Knoten von B 2 und Buchenwalder Straße, seit Jahren ein Unfallschwerpunkt, ging 2015 nur ein Blechschaden in die Bilanz ein. Trotzdem pocht die Unfallkommission weiter auf Errichtung einer Abbiegerspur. Das Vorhaben steckt noch in der Planung.

: „Für den Knoten von S 1 und S 8 haben wir noch immer keine zufriedenstellende Lösung“, sagt Barbara Rühlmann. Zwar ist die Kreuzung neu ausgebaut und ohne Mangel, doch immer wieder kracht es – insbesondere wenn Autos aus Richtung Zwochau gen Leipzig abbiegen. Bilanz des Vorjahres: 16 Unfälle mit insgesamt fünf Schwerverletzten. Als Sofortmaßnahme wurde das Tempo auf der Hauptstraße, der S 8, von 70 auf 50 heruntergesetzt. Regelmäßig finden Kontrollen statt. Zudem reifen Überlegungen zu einer baulichen Umgestaltung.

: Immer wieder knallt es an der Einmündung der Südstraße in die Leipziger Straße. Auf der B 87 rollt nicht nur viel Autoverkehr, sondern auch die Straßenbahn in beide Richtungen. In Vorbereitung ist nun eine Ampel, die bei Durchfahrt einer Bahn kurz den Verkehr stoppt, sowohl aus der Südstraße als auch auf der B 87.

: An der kritischen Kreuzung von Torgauer, Rosa-Luxemburg- und Hartmannstraße hat die Unfallkommission bereits eine Reihe von Korrekturen veranlasst. Zuletzt wurde im November die Einmündung der Hartmannstraße neu ausgestattet. Sie hat nun Stoppzeichen, Haltelinie und rot markierte Radlerfurt. 2015 ereignete sich an der Kreuzung ein tödlicher Unfall mit einem Radfahrer. Auf der S 11 in Richtung Bad Düben macht sich die Beseitigung des alten Gleises in Höhe Tierheim positiv bemerkbar. Es war eine Sturzfalle für Motorradfahrer. Die sieben Unfälle, die sich im Vorjahr dennoch vor Ort ereigneten, waren zum Teil durch Wildwechsel oder Alkohol bedingt.

: Für den Knoten Schmiedeberger Straße/Postweg ist ein Kreisverkehr in Planung. In diesem Zusammenhang sollen dieser Tage Baugrunduntersuchungen laufen. 2015 ereigneten sich dort zwei Unfälle, davon einer mit Personenschaden.

: An der Harmonisierung der Ampelschaltungen auf der B 6 im Stadtgebiet wird noch gearbeitet. „Allerdings sind laut Stadtverwaltung die Lichtsignalanlagen jetzt auch nachts durchgängig in Betrieb“, so Thomas Roscher von der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises. An der unfallträchtigsten Kreuzung, B 6/Friedensstraße, habe sich etwas getan. Linksabbieger von der B 6 in die Venissieuxer Straße erhielten Ende 2015 eine eigene Ampel. Dieses Jahr blieb es dort recht ruhig, 2015 ereigneten sich sieben Unfälle mit vier Schwer- und zwei Leichtverletzten.

: Nachdem Ende 2014 die neue S31 als Ortsumfahrung in Betrieb genommen wurde, ereigneten sich fünf Unfällen mit insgesamt zehn Verletzten, darunter einem Toten. Die neue Straße durchschneidet die alte Kreisstraße beziehungsweise Zeichaer Straße – nun kracht es dort immer wieder. Als Sofortmaßnahme der Unfallkommission wurden Vorfahrt-beachten-Schilder zu Stoppzeichen, auch Sichtachsen wurden geprüft. Schließlich entschied die Kommission, die Zeichaer Straße von der Kreuzung abzutrennen, also dicht zu machen. Umgesetzt wurde das noch nicht – es läuft eine breite fachliche Diskussion hinsichtlich Alternativlösungen.

Probleme bereitet auch die Einbindung der Kirschallee in die S 31. Zwar ist die Allee nur für landwirtschaftlichen Verkehr freigegeben, doch zahlreiche Autofahrer nutzen sie als Abkürzung – und nehmen gelegentlich dem Verkehr auf der S 31 die Vorfahrt. Dreijahresbilanz dieser Kreuzung: fünf Unfälle mit drei Schwer- und sechs Leichtverletzten. Nun sollen mit örtlichen Landwirten Ideen gesucht werden, wie sich die unerlaubte Nutzung der Kirschallee unterbinden lässt.

: Nach dem Ausbau von Überholabschnitten wurde die B 87 bei Melpitz zum Unfallschwerpunkt. Seitdem nun auch die Doppelkurve dazwischen ausgebaut wurde, hat sich die Situation weitgehend entschärft. Trotzdem ereigneten sich 2015 drei Unfälle mit Blechschaden. Messungen an den Enden der Überholabschnitte vorm Kurvenbereich ergaben oft überhöhte Geschwindigkeit. So manches Überholmanöver endete erst auf der Sperrfläche. Die Strecke bleibt in Beobachtung. Im Fokus ist auch die B 182 in Höhe Dahlener Straße. Der Knoten soll vorübergehend eine provisorische Ampel bekommen, wenn die Dahlener Straße wegen Bauarbeiten auf der B 87 zur Umleitungsstrecke wird. Das Provisorium dient als Test, wie sich die Ampel auf den Verkehrsfluss auswirkt.

Von Kay Würker

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