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Von der Stadtpflanze zum Landei – Leipzigerin lernt in Zwochau Landwirtin

Ausbildung Von der Stadtpflanze zum Landei – Leipzigerin lernt in Zwochau Landwirtin

Anne Liebisch ist in der Großstadt aufgewachsen, in Leipzig. Doch für ihre Lehre zog es die junge Frau aufs Land. Ja, sogar auf den Acker. Denn die 22-Jährige absolviert derzeit in Zwochau bei Delitzsch eine Ausbildung zur Landwirtin. Bereut hat sie ihre Entscheidung nicht.

Den großen Schraubenschlüssel zur Hand zu nehmen, ist für Anne Liebisch kein Problem.

Quelle: Wolfgang Sens

Zwochau. Sie misst 1,65 Meter, findet sich selbst „zu klein“, muss aber trotzdem mit den Großen mithalten. Anne Liebisch will es so, nichts anderes könne sie sich derzeit vorstellen. Sie ist Auszubildende zur Landwirtin im dritten Lehrjahr. Dass sie in der GbR Pflanzenproduktion Glesien mit Sitz in Zwochau gelandet ist, daran hat wohl auch ihr Bruder schuld. Er ist der Ältere, arbeitete dort selbst und hatte seiner Schwester das Unternehmen, das derzeit etwa zehn festangestellte Mitarbeiter hat, offenbar so schmackhaft gemacht, dass sie sich bewarb und auch genommen wurde.

Anne Liebisch im Traktor bei der Feldarbeit

Anne Liebisch im Traktor bei der Feldarbeit.

Quelle: Wolfgang Sens

„Eigentlich bin ich ja eine Stadtpflanze“, gesteht die 22-Jährige. Aufgewachsen in Leipzig, Realschulabschluss in Leipzig. Und warum verschlägt es eine Leipzigerin aufs Land? Genau die Frage hat sie erwartet und es ist auch nicht das erste Mal, dass sie darauf antworten muss. „Na klar ist das schon ungewöhnlich“, räumt sie ein. Ein wenig nachdenken muss sie dann doch. Vielleicht, weil es auch eine Findungsphase brauchte, bis die Entscheidung letztlich bei ihr fiel? „Vielleicht.“

Pflanzen- und Tierproduktion

Eigentlich wollte sie Polizistin werden. Im Auswahlverfahren war dann irgendwann aber Schluss. Keine Katastrophe, aber eben doch ein Rückschlag. Was nun? Grüne Berufe standen bei ihr schon immer hoch im Kurs. Polizisten hatten übrigens damals schon blaue Uniformen. „Ich wollte etwas Sinnvolles leisten, etwas, was den Menschen auch dient“, sagt sie. Das wäre auch bei der Polizei der Fall gewesen. Doch Anne Liebisch schwenkte um, bewarb sich bei der Forstwirtschaft. „Die Zusage für Zwochau bekam ich aber früher.“ Bevor sie in die Lehre startete, machte sie noch den Traktor-Führerschein. Das Unternehmen kam ihr dabei sehr entgegen. Auch das bestärkte sie in der Entscheidung, tatsächlich bei der Pflanzenproduktion Glesien anzufangen und die Lehre durchzuziehen. Landwirtin ist eine spezielle Lehre. Anne Liebisch hat es nicht nur mit der Pflanzen-, sondern auch mit der Tierproduktion zu tun. „Es ist vielseitiger, aber auch herausfordernder“, sagt sie. Dass Letzteres auch ein Prüfungsthema ist, macht der jungen Frau ein wenig Sorge. Den praktischen Teil kann sie nicht im eigenen Unternehmen machen. Alleingelassen fühlt sie sich aber nicht, weiß, dass sie die Unterstützung haben kann, die sie braucht.

Der Umgang mit moderner Technik liegt der jungen Frau, er war auch ein Grund, warum sie die Ausbildung überhaupt begann

Der Umgang mit moderner Technik liegt der jungen Frau, er war auch ein Grund, warum sie die Ausbildung überhaupt begann.

Quelle: Wolfgang Sens

Ihr Arbeitstag kennt momentan kein richtiges Ende, auch wenn eigentlich um 16 Uhr Schluss ist. Schließlich fängt sie auch um 7 Uhr an. Manchmal, in der Erntezeit fast regelmäßig, auch früher. Ebenso, wie man gebraucht wird, das Wetter es zulässt und es die Arbeit auf den Feldern erfordert. Darauf hat sie sich eingelassen, weil sie wusste, was auf sie zukommt.

Auch andere Jobs ausprobiert

Während eines Praktikums hatte sie Gelegenheit, genau das mitzubekommen. Vorher hatte sie sich auch in anderen Jobs ausprobiert und genau herausgefunden, was sie nicht will. „Natürlich ist man schon neidisch, wenn andere an den Baggersee fahren, man selbst aber auf dem Acker zu tun hat.“ Besonders heftig wird es dann, wenn es die Sonne sehr gut meint, aber die Klimaanlage im Traktor nicht so will wie sie soll. Aber auch da müsse sie durch, weiß sie. Zimperlich darf die junge Frau nicht sein. Auch kleinere Reparaturen sowohl am Schlepper als auch am Anbaugerät muss sie selbst ausführen. „Das ist manchmal schwierig, aber mit ein wenig Übung und so manchem Trick ist das zu schaffen.“ Beobachtet zu werden, ja, dieses Gefühl kennt sie. Landwirtschaft ist ja auch nicht gerade eine Frauendomäne. „Trotzdem fühle ich mich gut im Kollegenkreis. Klar muss man sich durchkämpfen, auch mal einen flotten Spruch auf den Lippen haben, aber das gehört dazu“, meint Anne Liebisch. Im Unternehmen ist sie nicht die einzige Frau, auch nicht der einzige Lehrling. „Momentan sind es drei, allerdings einen neuen fürs erste Lehrjahr haben wir bislang noch nicht gefunden“, hieß es aus der Geschäftsführer-Etage.

Dass sie es drauf hat, im Job auch ihre Frau steht, hat sie schon bewiesen. Der Chef schätzt sie wegen ihrer Gründlichkeit. Übertragene Aufgabe erfüllt sie gewissenhaft und verantwortungsvoll. Dass sie in der Anfangszeit nicht gleich jeden Acker auf Anhieb fand, ist längst eine Geschichte aus der Vergangenheit. Heute kenne sie sich aus, wisse, wie sie die Felder über die Wege erreicht. Nur eines hat sie bislang noch nicht geschafft: Im Fahrerstand eines Mähdreschers sitzen und die Ernte einbringen. Die Hoffnung aufgegeben hat sie natürlich nicht. Das dritte Lehrjahr hat ja erst angefangen.

Mit Musik auf dem Traktor

Nahezu ständig an der frischen Luft zu sein, war auch ein Grund für die junge Frau, ihre Zukunft in der Landwirtschaft zu suchen. Momentan ist sie mit dem Mulchen der Blühstreifen beschäftigt. Heißt: Es wird gemäht, gleichzeitig zerkleinert, das Mulchgut bleibt liegen. Die Blühstreifen sind freiwillige Agrarumweltschutzmaßnahmen. Sie werden vor allem entlang von Maisschlägen angelegt, müssen aber vor der Ernte eben gemulcht werden.

Mit dem Schlepper und dem Anbaugerät ist Anne Liebisch dann stundenlang unterwegs. Abwechslung bietet ihr da die Musik. Sie hört ihre eigene – nicht selbst gemacht, aber selbst ausgesucht. „Elektro und House höre ich dann meistens, aber es kommt auch auf die Stimmung an“, verrät sie. Unabhängig davon verlangt der Job eine hohe Konzentration, auch wenn die Arbeit von außen betrachtet manchmal langweilig wirkt. Was passiert, wenn nur ein Fünkchen Unaufmerksamkeit auftritt, weiß die junge Frau. Sie weiß auch, wie dann die Schlosser reagieren, wenn sie raus aufs Feld und helfen müssen.

Anne Liebisch zog es auch der Liebe wegen aufs Dorf. Ihr Freund, Landmaschinentechniker, kann offenbar mit dem Rhythmus einer Landwirtin umgehen, sich darauf einrichten. „Ich habe den Beruf gewählt, weil er mir Spaß macht. Dass er nicht nur gute Seiten hat, habe ich gewusst. Dass im Sommer das meiste zu tun ist, ist mir bewusst. Wer all das nicht akzeptieren kann, sollte diesen Beruf nicht wählen.“ Eine klare Ansage eines Lehrlings, der weiß, was er will. „Vielleicht geht es für mich ja noch weiter. Ein Fachabitur wäre denkbar“, sagt sie.

Von Ditmar Wohlgemuth

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